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Kultur

Eine Frau von zwanghaftem Ehrgeiz

Mittwoch, 22. Januar 2020 | Text: Reinhard Lüke | Bild: Marc Loecke

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Anna Bronsky unterrichtet Geige an einer Musikschule. Für eine eigene Karriere als Musikerin hat es nicht ganz gereicht und ihre Versuche, ihren Sohn Jonas zu dem zu machen, was ihr nicht gelungen ist, wollen auch nicht recht fruchten. Der Zehnjährige spielt lieber Eishockey als Geige. Als Anna in der Schule auf den jungen, ebenso talentierten wie schüchternen Alexander trifft, entflammt ihr Ehrgeiz erneut. Mit aller Macht und zunehmender Strenge versucht sie, aus ihm einen Virtuosen zu machen. Worüber sie mehr und mehr ihren französischen Mann Philippe und ihren Sohn vernachlässigt. Zugleich hat Annas Ehrgeiz aber auch etwas Selbstzerstörerisches. Sowie sie Menschen in ihrer Umgebung immer wieder vor den Kopf stößt, vermittelt sie zugleich eine hilflose Schutzbedürftigkeit. Dennoch ist „Das Vorspiel“ kein düsteres Psychodrama, sondern ein zwischendurch auch immer wieder hinreißend komischer, bereits mehrfach ausgezeichneter Film mit wunderbaren Dialogen.

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Verkörpert wird jene innerlich zerrissene Anna von der grandiosen Theater- und Filmschauspielerin Nina Hoss, unterstützt von anderen Ausnahme-Mimen wie Thomas Thieme und Sophie Rois in Nebenrollen. Regie führte Ina Weisse, selbst Schauspielerin, die gemeinsam mit Daphne Charizani auch das Drehbuch verfasst hat.
Reinhard Lüke sprach mit Nina Hoss und Ina Weisse anlässlich ihrer Vorstellung des Films im Odeon, wo „Das Vorspiel“ ab Donnerstag, 23.01. zu sehen ist.

Frau Hoss, haben sie für den Film wirklich ein halbes Jahr Geigenunterricht genommen?

Nina Hoss Ja. Zum einen war es Inas Wunsch, zum anderen hätte ich das auf jeden Fall gemacht, weil klar war, dass es dieses Konzert mit dem Profi-Ensemble geben würde und ich dabei groß im Bild sein sollte. Also habe ich mit einer Lehrerin darauf hin gearbeitet, dass meine Handbewegungen genau stimmen. Anders als beim Klavier kann man solche Szenen nicht mit einem Double auflösen. Geige ist weit mehr ein Ganzkörperinstrument, bei dem es auf die gesamte Körperhaltung ankommt.

Schwingt da auch ein Hang zum Perfektionismus mit?

Nina Hoss Mit Perfektionismus hat das nichts zu tun. Es ist für mich eine Selbstverständlichkeit, wenn ich eine Figur glaubwürdig verkörpern will. Die Zuschauer sollen schließlich nicht sehen, dass da jemand spielt und das womöglich auch noch schlecht. Es ist aber auch einfach die Neugier und der Spaß daran, Dinge auszuprobieren. Das macht meinen Beruf ja auch so spannend.

Frau Weisse, haben Sie Nina Hoss die Rolle auf den Leib geschrieben?

Ina Weisse Nein, das würde mich beim Schreiben begrenzen. Ich habe es ihr später zu lesen gegeben und war unendlich froh, dass sie es spielen wollte.

Im Film gibt es immer wieder Seqenzen mit gemeinsamen Mahlzeiten in unterschiedlichen Figuren-Konstellationen…

Ina Weisse Bei den Zusammenkünften am Tisch wird über Belangloses geredet, die wesentlichen Dinge kommen nicht zur Sprache, werden verschwiegen. Die Mahlzeiten im Film bieten also eine gute Möglichkeit, das Ungesagte und die dadurch entstehenden Spannungen spürbar zu machen. Ich mag die einfachen Sätze, hinter denen man eine zweite Ebene spürt, das, was ungesagt bleibt. Die Zwischentöne.

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Warum ist Annas Mann Franzose?

Ina Weisse In der klassischen Musik ist es ganz normal, dass Musiker aus verschiedenen Nationen zusammen spielen. Deshalb fand ich es passend, dass Anna mit einem Ausländer verheiratet ist. Ein Stück weit kommt darin auch ihr Versuch der Befreiung aus ihrem doch sehr deutschen Elternhaus zum Ausdruck.

Es gibt eine Schlüsselszene gegen Ende des Film, als die Kamera während Alexanders Vorspiel gefühlt endlos auf Annas angespanntem Gesicht ruht, in dem sich ihr ganzes Drama widerspiegelt. Wie viele Takes hat es dafür gebraucht?

Nina Hoss Wir haben nur zwei Takes gemacht. Aber auf die Szene läuft ja Annas ganze Geschichte hinaus. Und zum Zeitpunkt des Drehs war ich schon so mit dieser Figur verwachsen, dass es eigentlich kein Problem war, das zu spielen. Ich wusste, was dieses Vorspiel Anna gekostet hat und was es für sie bedeutet. Ein triumphales Strahlen wäre da völlig fehl am Platz gewesen.

Der Film arbeitet viel mit Leerstellen, lässt viele Fragen offen…

Ina Weisse Ich denke, man kann den Zuschauern diesbezüglich weitaus mehr zutrauen, als das oft gemacht wird. Es ist doch großartig, wenn jeder diese Leerstellen für sich ausfüllen kann.

Nina Hoss Wenn die Menschen nach diesem Film aus dem Kino kommen, wird vermutlich jeder auf die Frage, wie er denn war, eine andere Geschichte erzählen. Schließlich hat jeder zu den einzelnen Figuren und Szenen seine individuellen Assoziationen. Aber dazu muss ein Film Freiräume in Form solcher Leerstellen lassen.

Vom Schauspiel zur Regie. Warum gehen den Schritt nur weinge Darsteller?

Ina Weisse Das kann ich nicht sagen. Bei mir war der Wunsch, Regisseurin zu werden allerdings schon da, bevor ich mit der Schauspielerei begonnen habe.

Nina Hoss Bei mir ist der Wunsch bislang nicht aufgekommen, weil ich mir keinen schöneren Beruf vorstellen kann. Der ist meine absolute Leidenschaft, in der ich völlig aufgehe. Natürlich habe ich beim Dreh manchmal eine Vorstellung, wie ich eine Szene anders inszenieren würde, aber die Idee, eine komplette Regie zu übernehmen, ist momentan nicht in meinem Kopf. Es ist letztlich ein völlig anderer Beruf.

Text: Reinhard Lüke

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