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Kolumne

Einspritzer in Kassel

Dienstag, 26. November 2013 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Hat einer von Ihnen eigentlich Geld? Ich meine, so richtig was auf der hohen Kante? Vielleicht sogar ein paar in Eigenregie verwaltete Aktienpakete oder zumindest Knete in irgendwelchen Fonds? Da muss man sich kümmern, auf dem Laufenden bleiben und so. Und das täglich. Denke ich mir als Laie jedenfalls. Da ist man doch sicherlich dankbar, dass ARD und ZDF nach wie vor einen Bruchteil der Gebührengelder in Korrespondenten investieren, die (werk-)täglich live von der Frankfurter Börse berichten. Schon im „Morgenmagazin“ stehen Anja Kohl oder Klaus-Rainer Jackisch da, referieren die letzten Notierungen von Nikkei und Dow Jones und mutmaßen, wie der Handel in Mainhattan an diesem Tag wohl laufen könnte. Wenn´s hoch kommt, gibt es da noch einen Tipp, dass künftige Häuslebauer jetzt einen Bausparvertrag abschließen sollten. Es mag Menschen geben, denen solch ein Ratschlag hilft. Zu sehen gibt´s da, von den Moderatoren mal abgesehen, wenig bis nix, da die Börse um diese Uhrzeit noch gar nicht geöffnet hat. Das ist im „Mittagsmagazin“ zwar anders, doch auch da halten sich die Schauwerte in Grenzen. Die Zeiten, in denen Händler auf dem Parkett wild durcheinander brüllten und wild gestikulierend Zettel schwenkten, sind schließlich lange vorbei. Meist sieht man nur Beschlipste ohne Hosenträger (das waren die 80er!) vor Bildschirmen brüten.

Hat einer von Ihnen eigentlich Geld? Ich meine, so richtig was auf der hohen Kante? Vielleicht sogar ein paar in Eigenregie verwaltete Aktienpakete oder zumindest Knete in irgendwelchen Fonds? Da muss man sich kümmern, auf dem Laufenden bleiben und so. Und das täglich. Denke ich mir als Laie jedenfalls. Da ist man doch sicherlich dankbar, dass ARD und ZDF nach wie vor einen Bruchteil der Gebührengelder in Korrespondenten investieren, die (werk-)täglich live von der Frankfurter Börse berichten. Schon im „Morgenmagazin“ stehen Anja Kohl oder Klaus-Rainer Jackisch da, referieren die letzten Notierungen von Nikkei und Dow Jones und mutmaßen, wie der Handel in Mainhattan an diesem Tag wohl laufen könnte. Wenn´s hoch kommt, gibt es da noch einen Tipp, dass künftige Häuslebauer jetzt einen Bausparvertrag abschließen sollten. Es mag Menschen geben, denen solch ein Ratschlag hilft. Zu sehen gibt´s da, von den Moderatoren mal abgesehen, wenig bis nix, da die Börse um diese Uhrzeit noch gar nicht geöffnet hat. Das ist im „Mittagsmagazin“ zwar anders, doch auch da halten sich die Schauwerte in Grenzen. Die Zeiten, in denen Händler auf dem Parkett wild durcheinander brüllten und wild gestikulierend Zettel schwenkten, sind schließlich lange vorbei. Meist sieht man nur Beschlipste ohne Hosenträger (das waren die 80er!) vor Bildschirmen brüten.

 

Wenn´s hoch kommt, wird da vielleicht noch ein Analyst interviewt. Irgendeiner dieser präpotenten Jungmänner, die stets so aussehen, als würde Mutti ihnen noch immer die Wäsche machen, die aber in drolligem BWL-Deutsch steile Thesen über die Entwicklung des Geldmarktes absondern, für die sie nicht haftbar gemacht werden können. Am Abend dann „Die Börse vor acht“ im Ersten und in den „Tagesthemen“ dann noch mal eine Schalte aufs (wieder menschenleere) Frankfurter Parkett, wo erneut ein Börsen-Korrespondent die Stände vor Nikkei, Dow Jones und DAX aufsagt. Wie gesagt, ich kenne mich mit Aktien eigentlich nicht aus. Aber irgendwie hab´ ich das komische Gefühl, dass diese exzessive Berichterstattung im Pantoffel-Kino eigentlich kein Mensch mehr braucht. Von den jeweiligen Moderatoren mal abgesehen. Wenn schon der ganze Handel inzwischen übers Internet läuft, dürften doch auch Aktionäre in der Lage sein, sich die nötigen Infos für ihre An- und Verkäufe aktuell im Netz zu besorgen. Hat man bei ARD und ZDF vor Jahren vielleicht einfach vergessen, diesen Service einzustellen? Oder ist das sowas wie „Das Wort zum Sonntag“? Einfach eine liebe Gewohnheit, die selbst schlichteste Halleluja-Christen nicht mehr interessiert, von der man aber dennoch nicht lassen möchte? Aber warum wird dann die Ziehung der Lotto-Zahlen nicht mehr live übertragen? Die hatte doch wenigstens ein gewisses Spannungs-Moment. Wenn auch nur für Lotto-Spieler.

Regen über Bonn

Putzig finde ich in diesem Zusammenhang ja auch die Wetterkarte im ZDF. Auf der prangen als räumliche Orientierungshilfen noch immer Städte wie Kassel und Bonn. Für die Spätgeborenen: Das hessische Kassel lag mal im Zonenrandgebiet im Osten der damaligen BRD, und Bonn -man mag´s kaum glauben- fungierte für mehrere Jahrzehnte als Bundeshauptstadt und Regierungssitz. Aber mehr als zwanzig Jahre nach Wende und (Wieder-)Vereinigung leuchten diese Welt-Metropolen noch immer auf der ZDF-Wetterkarte, während beispielsweise Köln überhaupt nicht verzeichnet ist. Ich habe deswegen mal beim ZDF angerufen und bin bis zum stellvertretenden Chefredakteur Elmar Theveßen durchgedrungen, der, wann immer irgendwo in der Welt ein Bombe hochgeht, auch gern als „ZDF-Terrorismus-Experte“ auf dem Bildschirm erscheint. „Ach ja“, sagte mir der freundliche Herr Theveßen zur Wetterkarte, das sei „eine Altlast“ und da müsse man „demnächst unbedingt mal ran“. Das war vor ungefähr zehn Jahren. Elmar Theveßen ist noch immer stellvertretender Chefredakteur des ZDF. Aber als „Terrorismus-Experte“ hat man natürlich immer Dringlicheres zu tun, als sich um sowas Schnödes wie die Wetterkarte zu kümmern. Womit ich jetzt mal nicht vermuten will, dass Kassel und Bonn da aus ihren städtischen Werbe-Etats alljährlich (Werbe-)Gelder auf den Lerchenberg überweisen. Nö, so läuft das meiner Erfahrung nach bei den Öffentlich-Rechtlichen nicht. Da wird so dies und das gern mal auf irgendwann verschoben.

Sex auf der Hutablage

Noch etwas aus dem wirklichen Leben. „Kompressor“ zum Beispiel. Las ich letztens in silbernen Lettern am Heck einer Nobel-Karosse von Daimler. Offenbar eine Art Status-Upgrade ab Werk. Nun weiß ich als gediegen halbgebildeter Durchschnittsbürger zwar, dass in Autos mit Hubraum und Zylindern so etwas wie Kompression vonstatten geht, aber sich damit werbetechnisch zu brüsten, finde ich denn doch bemerkenswert. Denn für mich sind Kompressoren in erster Line noch immer jene lärmenden, Benzin getriebenen  Monster, die auf Baustellen den Betrieb von Presslufthämmern ermöglichen. Also: Krach, Dreck, mies bezahlte Scheißarbeit. Ziemlich rätselhaft also, was den Daimler-Werbestrategen durch die Rübe gerauscht ist, als sie sich entschlossen, dieses Wort in silbernen Lettern auf die Karosserie zu pappen. „Einspritzer“ verstehe ich hingegen sofort. Gibt´s ähnlich wie „Kompressor“ auf manchen Autos. Ab Werk. Manchmal auch weltmännisch als „Injecion“. Da muss man, glaube ich, gar nicht allzu tief in die männliche Psychokiste greifen. Vielleicht haben die dazugehörigen Wagenlenker das auch zusätzlich noch als Tattoo. Irgendwo auf ihren Astralkörpern. Aber genau weiß ich das natürlich nicht. Womöglich greifen ja auch vorwiegend Frauen zu Auto-Modellen, auf denen hinten „Einspritzer“ steht. Soll mir auch recht sein. Ich versteh´ ja nix von Autos. Und dann stand da letztens auf einem Parkplatz noch ein blitzblanker, gesichtsloser Mittelklassewagen, den hinten auf der Hutablage, die für ihren ursprünglich mal angedachten Zweck ja kaum noch genutzt wird, wenig überraschend eine lindgrün umhäkelte Klopapier-Rolle zierte. Aber dann auf der Kofferraum-Klappe ein Aufkleber: „Woodstock“. Woodstock! Nun müsste man für die Spätgeborenen wieder erklären…, aber das lass´ ich jetzt mal. Sollen sie halt googlen. Häkelrolle und Woodstock!
Bei solchen Erscheinungen freue ich mich auch im trüben November meines Lebens und gehe, schnurgerade vor mich hinrauchend, meiner Wege.
 

Text: Reinhard Lüke

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