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Gesellschaft Kultur

Glanzstrumpfhosen im ¾-Takt – Eine Forschungsreise zum 1. Kölner Oktoberfest

Montag, 24. September 2012 | Text: Reinhard Lüke | Bild: Barbara Siewer

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Zugegeben, meine Abenteuerlust hält sich in Grenzen. Ich käme nicht auf die Idee, mich nach Borneo oder irgendwo an den Amazonas zu begeben, um die Sitten und Gebräuche exotischer Völker zu studieren. Aber wenn sich so was in der Südstadt machen lässt, bin ich dabei. Grundsätzlich ist unsereins ja ethnologisch durchaus interessiert. Seit Samstag tobt auf der Brache am Südstadion wieder das Oktoberfest. Auch wenn die Sause nun schon zum achten Mal über die Bretter des Großraumzeltes geht, heißt das Ganze noch immer „1. Kölner Oktoberfest“. Das ist nun mal der offizielle Titel. So wie der FC schließlich auch immer der „1. FC Köln“ bleibt. Gleichgültig, in welcher Liga er gerade Tabellenletzter ist.

Kaum Cowboys und Indianer

Da man sich als Laie tunlichst nicht allein in völlig fremde Gefilde begeben sollte, begleitet mich bei meiner Expedition ins Feierreich neben Fotografin Barbara auch Kollegin Asle, die gleich mit einem ganzen Sack voll Migrationserfahrungen aufwarten kann. So was kann ja bei einer derart waghalsigen Unternehmung nicht schaden. Wir treffen uns rechtzeitig zum traditionellen Fass-Anstich um kurz vor 16 Uhr vor dem Eingang zum Festgelände. Die Erwartung, dass da womöglich – wie Stunden zuvor beim Oktoberfest in München im TV gesehen- imposante Kaltblüter Fässer auf Leiterwagen über die Vorgebirgsstraße zögen, erfüllt sich nicht. Weit und breit kein Hottehü zu sehen. Die zahlreichen Gäste kommen aus allen Himmelrichtungen zu Fuß herbei oder lassen sich auf eigens abgesperrtem Fahrstreifen per Droschke vorfahren. Die erste Verblüffung: Mindestens 90 Prozent der Amüsierwilligen kommen in bajuwarisch gemeinter Tracht daher. Im Dirndl die Damen, in Krachledernen die Herren. Okay, bei näherem Hinsehen erweist sich manch vermeintliche Tierhaut als Mikrofaser, aber immerhin. Dass der Kölner an sich ein Lappenclown- oder Cowboykostüm im Schrank hat, weiß man. So eine Anschaffung rentiert sich über die Jahre. Und schließlich dauert die heiße Karnevalsphase immer satte fünf Tage. Aber Dirndl und Krachlederne, um damit einmal pro Jahr zum kölschen Oktoberfest zu pilgern, das erstaunt dann doch. Aber womöglich tragen die Menschen die Gewänder in Bergheim und im Bergischen ja auch zum Schützen- oder Feuerwehrfest. Egal, die Dinger kosten doch! Oder gibt´s die inzwischen auch bei KIK?

 


 

Mini-Moaß und Halver Hahn

Nun aber rein ins Getümmel. Vorbei am Werbe-Stand Stand des Fremdenverkehrsvereins der bayrischen (!) Gemeinde Oberstaufen, an dem man einen sicher sehr schönen Wellness-Aufenthalt gewinnen könnte, mitten hinein ins Festzelt, wo bereits die Musi spuilt. Nun gut, die kommt zwar noch von der Festplatte, aber das soll ja, wie das künstlerische Programm verheißt, im Laufe des Abends anders werden. Wo die Stimmung noch nicht ganz am Siedepunkt, erstmal einen Blick auf die Getränkekarte werfen. Nächste Überraschung: Auf dem kölschen Oktoberfest muss man gar nicht zum Bier greifen. Es hat auch Wein. Sogar in zwei Farben, die Flasche zu 19, 80 Euro. Da kann man doch nicht meckern. Für 55 Euro darf´s sogar ´ne  Buddel Schampus sein. Aber solch eine Stillosigkeit kommt einem traditionsbewussten Oktoberfest-Besucher natürlich nicht ins Glas. Auf der Wiesn ist schließlich die Moaß ein Muss. Doch in Köln fassen die gereichten Humpen keinen ganzen, keinen halben Liter, sondern lediglich schlappe 0,3. Und was die fleißigen Zapfer da in die Krüglein füllen, ist keineswegs bajuwarischer Gerstensaft, sondern schnödes Kölsch einer örtlichen Großbrauerei. Auf der Speisekarte dominiert dann immerhin Bayrisches wie Weißwürstel, Haxe und Leberkäs. Den kölschen Halven Hahn hat man genant als „Holländer Käse auf Röggelchen“ getarnt. 16 Uhr 45 ist es dann so weit: Unser aller Ex-OB Fritz Schramma haut nach einigen Fehlversuchen den Zapfhahn ins Fass und irgendwer auf der Bühne brüllt: „Oazapft is!“. Alsbald bringen die „Limbachtaler“, eine Boy-Group in Trachten, schmissige Weisen zu Gehör und schon schunkelt das Volk im ¾-Takt. Dann wird der erste Künstler angekündigt: Anton aus Tyrol. Und das bringt der ältere Herr mit 70er Jahre-Frisur im Halb- oder Vollplayback zu Gehör: „Ich bin der Anton aus Tyrol“. Textprobe: „Ich bin so schön, ich bin so toll, ich bin der Anton aus Tyroll“. Normal. Bei Markus Becker gibt´s dann kein Halten mehr. Markus wer? Becker! Nie gehört, den Mega-Hit vom roten (oder toten?) Pferd, das sich einfach umgekehrt hat? Und schon folgt der nächste Chartbreaker: „Heli, Heli, Helicopter“.

Hände hoch!

Die Menge ist jetzt außer Rand und Band und steht inzwischen überwiegend auf den Bierbänken. Gelegenheit, die Kostümierungen der Damen etwas näher in Augenschein zu nehmen. Da ist manch Dirndl deutlich zu kurz geraten (ist Mini billiger?) und beim Schuhwerk wurde auch geschludert. Frau trägt zur Tracht vorwiegend Peep-Toes oder Pumps (gern in Weiß) und an den Waden dominiert nicht bayrisch derb Gewirktes, sondern die Glanzstrumpfhose. Kollegin Asle staunt derweil über die Körbchen-, resp. Korbgrößen mancher Damen. Meinen Einwand, da werde doch durch das Dirndl-Mieder und andere Hilfsmittel ordentlich nachgepusht, weist sie vehement zurück: „Nein, nein, ich seh´ das. Kannst mir ruhig glauben.“ Ich glaub´s ihr. Wahrlich erstaunlich ist jedoch, dass hier, wo man eher die Generation Silberlocke vermutet hätte, ein Großteil des Publikums deutlich jüngeren Datums ist. Manche sind mit ihren Eltern, andere aber offenbar freiwillig gekommen, haben den Eintritt von 24 Euro selbst berappt und sind unbedingt willig, sich zu amüsieren. Oder wie sie vermutlich sagen würden: Party zu machen. Und so brüllen sie an diesem Abend textsicher die Hymnen der Karnevals-Grazien Funky Marys oder der Ballermann-Schwerstarbeiter Micky Krause und Olaf Henning mit. Dabei ist das Singen hier gar nicht der Sänger Hauptgeschäft. Sie verstehen sich eher als Animateure. Ständig wird man von ihnen aufgefordert, die Hände in die Höhe zu werfen oder kundzutun, dass es einem gut geht. Gibt es deren Liedgut eigentlich auf Tonträgern oder nur als Gymnastik-DVDs? Flugs hat Asle ihr  Handy mit Netzzugang aus der Tasche gefingert und verkündet kurz darauf: „Ja, gibt´s auch auf CD. Sogar mehrere.“

 


 

Pipi-Flat

Das verlangt nach einem Päuschen an der frischen Luft. So finden wir uns bald vor einem Container wieder, der die Nasszellen des Festes beherbergt und über dessen Eingangsportal ein Schild prangt, auf dem eine Flatrate für 4 Euro beworben wird. Dolle Sache: Eine Pipi-Flat! Welch geniale Neuschöpfung! „Nö, den Quatsch gab´s letztes Jahr hier auch schon“, klärt uns ein netter Herr auf, der eigens vom Niederrhein angereist ist. Sein Kumpel komme sogar jedes extra von der Nordsee zum Oktoberfest, sagt er noch. Zusammen mit einem Kölner Freund mache man sich hier jedes Jahr einen lustigen Abend. Warum auch nicht? Soll ja auch Kölner geben, die zum Erlebnis-Urlaub an die Nordsee fahren. Noch mal rein ins Zelt, wo inzwischen auf den Bänken das Rudern im Achter simuliert wird. Noch auf Costa Cordalis warten, der auch noch auf der Künstlerliste steht? Womöglich noch mal „Aniiita“ hören? Eher nicht. Reicht für heute. Barbara sagt, sie habe auch alles im Kasten. Schließlich geht das Oktoberfest ja noch bis zum 6. Oktober und an den nächsten Abenden kommen auch noch Künstler wie die Big Maggas, Brings und ein Singender Türsteher. Kommen wir halt noch mal. Fazit der ersten Expedition: Von diesem Stamm geht keine Gefahr aus. Die tun nix, die wollen nur feiern. Hat sich der Besuch also gelohnt? Unbedingt! Wo sonst hat man schon die einzigartige Gelegenheit, mit Sitzungskarneval, Ballermann, Musikantenstadl und -nun ja- Oktoberfest gleich vier Parallelwelten auf einmal zu erforschen, die man bis dahin nicht betreten hat. Im Januar steigt an gleicher Stelle „Die Original Kölner Hütten Gaudi“. Untertitel: „Après-Ski im Kölschfest-Zelt“. Bei so was war ich auch noch nie. Kommen dann alle im Ski-Anzug?
 

Text: Reinhard Lüke

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