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Südstadt

„Ich bin Filmemacher geworden und mein Bruder Moslem“

Mittwoch, 24. Oktober 2018 | Text: Markus Küll | Bild: Markus Küll

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Ein Gespräch mit Eli Roland Sachs, einem Dokumentarfilm-Regisseur, der in der Südstadt lebt und einen Film über seinen Bruder gemacht hat. Das nächste Mal ist der preisgekrönte Dokumentarfilms am 26.10. im OFF Broadway im Rahmen des FilmPlus-Festivals zu sehen.

Das echte Leben

Dokumentarfilme, sagt Eli Roland Sachs, macht er, weil er dann „mit dem echten Leben konfrontiert ist“. Während seines Studiums an der Kölner Kunsthochschule für Medien wollte er zunächst Spielfilme im Stil von David Lynch drehen. Der heute 33-jährige Filmemacher merkte aber bald, das er die Konfrontation mit der Realität braucht. „Spielfilm hat mich immer zermürbt, weil ich nur in meinem Kopf war“.

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Sein Abschluss-Film an der Hochschule „12 y Malecón, Habana“ war dann bereits im Stil des „Direct Cinema“ gedreht. „ Ich war die ganze Zeit ausschliesslich in diesem Studentenwohnheim und habe das Leben der jungen Kubanerinnen und Kubaner begleitet. Das ist die Idee des „Direct Cinema“: lange und nah begleiten“
Auf den Film über das Leben junger Kubaner*innen folgte ein komplexer Film über „ein flüchtiges Thema“. In „Atemwege“ (2013) spürt Eli Roland Sachs den verschiedenen Facetten des Atmens z.B. aus der Sicht eines Feuerwehrmanns oder eines Boxtrainers nach.

Fragen aufwerfen und in Schmerzbereiche gehen

„Ich verlange von Dokumentarfilmen, daß sie Fragen aufwerfen und in Schmerzbereiche gehen“, sagt Eli Roland Sachs, der seit einigen Jahren in der Südstadt lebt in unserem Gespräch im „Filos“. Nur, daß diese Fragen manchmal die eigene Familie, den eigenen Bruder betreffen. So geschehen bei „Bruder Jakob“, seinem bislang erfolgreichsten Film aus dem Jahr 2016.
„In seiner Suche nach Antworten hat mein Bruder einen sehr strengen Weg gewählt“, sagt Eli. Sein jüngerer Bruder Jakob hatte sich auf der Suche nach dem Sinn in seinem Leben entschieden, Salafist zu werden und Eli Roland Sachs, der Dokumentarfilmer beschreibt, was das für die Beziehung zwischen den Brüdern bedeutet. „Ich habe ihn mit der Kamera begleitet. Ich bin der Erzähler des Films, auch wenn ich nicht als Sprecher fungiere.“ Die Kommunikation zwischen den Brüdern wird ganz wesentlich durch die e-mails, die Jakob seinem älteren Bruder schrieb, getragen.

Inhalt schlägt Form

Der Filmemacher, der in seinen früheren Filmen mit künstlerischen Konzepten und Regeln des Dokumentarfilms spielen konnte, hatte jetzt ein Thema, das unmittelbarer nicht sein konnte. „Ich habe gefilmt, wenn Dinge passiert sind; mit den Mitteln, die mir zur Verfügung standen.“ sagt Eli Roland Sachs. „Das wurde natürlich völlig anders von der Stilistik her. Bruder Jakob verfolgt zunächst kein stilistisches, sondern ein inhaltliches Konzept.“
Bei Vorführungen, wie zuletzt in der Lutherkirche, drehen sich die Diskussionen denn auch oft mehr um die Inhalte des Films als seine Technik: Warum konvertieren junge Menschen zum Islam und welche Rolle spielt die Radikalität der Ansichten – eine Radikalität die auch Jakob, der jüngere Bruder gesucht und –zumindest zeitweilig – gefunden zu haben glaubt.

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Kein Anti-Islam-Film, keine Islam-Propaganda

Eli Roland Sachs ist wichtig, zu betonen, daß sein „Bruder Jakob“ weder ein Anti-Islam, noch ein Propaganda-Film für den Islam ist: „Es ist ein Film über die zwischenmenschliche Ebene“. Als Eli mit dem Filmkollektiv „Dokomotive“ nach einem geeigneten Ort für die Aufführung suchte, merkte er aber auch Reserviertheit aus Teilen der islamischen Community – und fand in der Lutherkirche überraschenderweise einen Ort, an dem der Dialog zwischen Anhängern unterschiedlicher Religionen und Kulturen schon seit längerem selbstverständlich praktiziert wird.

Die nächste Gelegenheit, diesen sehenswerten Dokumentarfilm zu sehen, gibt´s im Rahmen des Filmplus Festivals am Samstag, den 27.10.2018 um 12:30 Uhr im OFF Broadway.

Text: Markus Küll

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