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Gesellschaft Kultur

„Ich bin nicht der Schwulen-Filmer vom Dienst“

Montag, 19. Juli 2010 | Text: Reinhard Lüke | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Rosa von Praunheim (67) war zu Gast in der Südstadt, er gehört mit 70 Spiel- und Dokumentarfilmen zu den produktivsten deutschen Filmemachern. Nach frühen Erfolgen wie „Die Bettwurst“ oder „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“, avancierte er zu einer der Hauptfiguren der Schwulen-Bewegung in Deutschland und stritt auch in Talkshows immer wieder für die Rechte der Homosexuellen. Mit seinem neuen Film „New York Memories“ knüpft er an „Überleben in New York“ (1985) an und zeichnet ein melancholisches, aber dennoch von Sympathie getragenes Porträt der heutigen US-Metropole.

Auf seiner Promotion-Tour seines neuen Filmes „New York Memories“ signierte er zunächst sein aktuelles Buch „Rosas Rache“, nächtigte im HOPPER und präsentierte abends seinen Film im ODEON. Zwischen den Terminen nahm er sich Zeit, sich in der FONDA den Fragen von Reinhard Lüke zu stellen.

Meine Südstadt: Ihr Blick auf das heutige New York hat zwar einen melancholischen Unterton, fällt aber weit weniger vernichtend aus als der von Patti Smith, die in ihrer jüngst erschienen Autobiographie der kreativen Subkultur nachtrauert.

von Praunheim: Ich halte nichts von diesen Nostalgietrips mit dem Tenor, dass früher alles besser war. Es bringt ja nichts, den alten, wilden Zeiten nachzutrauern. Klar hat das New York und vor allem das Manhattan von heute mit dem aus den 70er und 80er Jahren nicht mehr viel Ähnlichkeit. Aber diese Stadt nach wie vor eine ungeheure Energie und es gibt auch heute noch unzählige junge Leute, die dahin kommen, um ihr Ding zu machen.

Meine Südstadt: Aber die Subkultur findet doch heute woanders statt.

von Praunheim: Die ist natürlich weiter in die Vorstädte abgedrängt worden. Manhattan können sich allenfalls noch ein paar etablierte Künstler leisten, die dann aber auch nicht mehr wirklich spannend sind.

Meine Südstadt: In Ihrem Film ist die Rede davon, New York sei die „schwulste Stadt der Welt“. Abgesehen davon, dass Kölner ihre Stadt für Gay-City schlechthin halten: Gilt das wirklich noch?

von Praunheim: Ich denke doch. Das hat schon allein mit der Menge der Homosexuellen zu tun, die nach wie vor aus aller Welt in diese Stadt strömen. Auf der anderen Seite ist die Szene natürlich längst nicht mehr so wild und schillernd wie vor der „Null Toleranz“-Kampagne des ehemaligen Bürgermeister Giuliani, der zum Beispiel sämtliche Sex-Clubs hat schließen lassen. Das Nachtleben ist für Schwule in Berlin inzwischen sicherlich freier und aufregender als in Manhattan.
 
Meine Südstadt: Auf der anderen Seite begrüßen in Ihrem Film aber auch einige Protagonisten ausdrücklich die größere Sicherheit durch Giulianis rigiden Kurs.    

von Praunheim: Natürlich ist es angenehm, wenn man nicht ständig damit rechnen muss, beraubt oder ermordet zu werden. Aber das eine ist ohne das andere nun mal nicht zu haben. Wenn Sie in den Urwald gehen und lebend wieder rauskommen, haben Sie eine Menge toller Abenteuer erlebt. In dieser Hinsicht ist ein New York-Trip heute eher wie ein Besuch im Dschungelcamp.

Meine Südstadt: Sie haben in früheren Filmen auch die ersten CSD-Paraden dokumentiert. Sind daraus, nicht zuletzt in Köln, wo fast jede Demonstration zum Karnevalsumzug mutiert, rein folkloristische Umzüge geworden?

von Praunheim: Kann man so sehen. Die Gender-Philosophin Judith Butler hat ja gerade in Berlin einen Preis, der ihr beim Berliner CSD von Renate Künast überreicht werden sollte,  mit der Begründung abgelehnt, die hiesige Schwulenbewegung sei in ihrem Kreisen um sich selbst geradezu rassistisch und der CSD inzwischen ein unpolitisches, rein kommerzielles Unternehmen. Ich finde es gut, dass sie damit mal wieder eine Kontroverse angestoßen hat. Auf der anderen Seite kann man nicht übersehen, dass die Homosexuellen in Westeuropa und den USA inzwischen einiges erreicht haben. Die politischen Kämpfe für mehr Rechte finden derzeit in Ländern wie Polen oder Russland statt.  

Meine Südstadt: Sie haben sich immer als dezidiert schwuler Filmemacher verstanden. In „New York Memories“ spielt das Thema jedoch eine allenfalls untergeordnete Rolle.

von Praunheim: Ich habe ja in den letzten 40 Jahren keineswegs nur Filme über Homosexualität gedreht. In „Rosas Höllenfahrt“ habe mich zuletzt beispielsweise mit meiner katholischen Erziehung in den 50er Jahren beschäftigt. Auch wenn das Thema in künftigen Produktionen immer wieder mal vorkommen wird: Ich bin nicht der Schwulenfilmer vom Dienst.

Meine Südstadt: 1991 haben Sie bundesweit für Empörung gesorgt als Sie Hape Kerkeling und Alfred Biolek in einer Talkshow als schwul geoutet haben. Musste das sein?

von Praunheim: Es war ein Akt der Verzweiflung, der aber in der damaligen Situation richtig war. Schwulsein hatte in der öffentlichen Darstellung und Wahrnehmung noch immer etwas von Perversion. Hinzu kam die absurde Mutmaßung, Homosexuelle seien allein für das Aufkommen und die Ausbreitung von AIDS verantwortlich. Auf der anderen Seite gab es schwule Promis, die in der Öffentlichkeit standen und sich großer Popularität erfreuten, aber mit all den Problemen nichts zu tun haben wollten.

Meine Südstadt: Heute haben wir bekennende Homosexuelle als Schlagersänger, Fernsehmoderatoren und Politiker. Und jetzt haben wir sogar einen schwulen Außenminister…

von Praunheim: Normalerweise gehe ich ohne meinen „Gays against Guido“-Button gar nicht mehr vor die Tür. Natürlich ist es ein Fortschritt, dass es heute mehr bekennende Homosexuelle im öffentlichen Leben gibt. Aber Schwulsein an sich macht einen schließlich nicht zum besseren Menschen oder gar Politiker.    

Meine Südstadt: Sie haben seit 1970 mindestens einen Film pro Jahr gedreht. Wie berechtigt sind die Klagen vor allem von Dokumentarfilmer über immer schlechter werdende Arbeitsbedingungen?

von Praunheim: Sehr berechtigt. Für Dokumentationen gibt es ja kaum noch Sendeplätze. Aber auch beim Spielfilm fehlt in den Redaktionen von ARD und ZDF heute der Mut zum Außergewöhnlichen oder gar Experimentellen. Der Erfolgs- beziehungsweise Quotendruck ist enorm und produziert fast nur noch Mainstream und vor allem Krimis. Den ambitionierten Regisseuren, die ich in den letzten Jahren an der Filmhochschule Babelsberg ausgebildet habe, hab´ ich immer gesagt, sie seien auf dem besten Weg in die Arbeitslosigkeit.

Meine Südstadt: Aber „New York Memories“ ist unter anderem vom Bayerischen Rundfunk koproduziert worden. So was hätten Sie sich vor 30 Jahren doch wohl auch nicht träumen lassen.

von Praunheim: Nein. Aber es geschehen noch Zeichen und Wunder.

 

 

                                                              

Text: Reinhard Lüke

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