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Lezz-A-Faire, die queere TV-Serie aus Köln

Donnerstag, 7. April 2016 | Text: Jasmin Klein | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Es gibt jede Menge deutscher Fernsehserien: da geht es mal um den Alltag von Lehrern; mal um den einer Familie, in der sich Deutsche und Türken zusammenraufen müssen; um einen Geldfälscher; um eine Rechtsanwältin, die für die „kleinen Leute“ kämpft, und um und, und, und. Und immer wieder spielen in Serien auch ein schwuler Mann oder eine lesbische Frau mit. Meistens lustig, meistens voller Klischees.

Jessy Mibes langweilt das. Sie weiß schon seit ihrer Kindheit, dass sie lesbisch ist, und das wissen auch ihre Familie und Freunde. Sie studierte Germanistik, fotografiert und liebt gute TV-Serien. Aber das Fernsehen bietet ihr keinerlei Serien, in denen sie sich wiederfindet. Im Kölner Alltag fiel ihr auf, wie schwer sich junge Menschen damit tun, die eigene Sexualität zu entdecken, gerade dann, wenn sie nicht der gesellschaftlichen Norm und den Erwartungen der unmittelbaren Umwelt entspricht.

Fernsehjunkies mögen jetzt sagen: Aber es gibt doch was mit lesbischen Frauen – The L-Word! Ja okay, aber sind das nicht diese Businessfrauen Mitte 30 im sonnigen West Hollywood? Vielleicht ein bisschen wenig Identifikationspotenzial für ein junges Mädchen, das gerade aus der Eifel nach Köln gezogen ist, oder für einen jungen Kurden, der Gefahr läuft, von seinen Eltern verstoßen zu werden, wenn er sich als schwul outet.

 


Anni C. Salander (Schauspielerin) und Jessy Mibes (Autorin und Regisseurin).

Als Jessy mit einer Schauspielerin zusammen war und ihr das ganze Elend der Rollendürre ins Gesicht sprang, entschied sie kurzerhand: Ich mache selbst eine Serie! Sie startete einen Aufruf bei facebook, und die Resonanz sprengte all ihre Erwartungen: es meldeten sich so viele Schauspieler/innen, dass sie kurzerhand einen Raum in der Arturo Schauspielschule organisierte, um das Aufkommen bei den Castings bewältigen zu können. Es fanden 18 Castings statt, und jedes Mal sprachen 30-40 Schauspieler vor. Beim elften Casting war Anni C. Salander dabei, und sie bekam die Hauptrolle.

Was als kleine Web-Serie konzipiert war, wurde durch das Committment vieler Profis zu etwas Größerem. Nun soll die erste deutsche queere Serie entstehen (englisch: ‚queer’ als Überbegriff für schwul, lesbisch, bi und transgender). Was zur Realisation noch fehlt? Das liebe Geld! Eine Crowdfunding-Kampagne soll den 60-minütigen Piloten finanzieren (die Folgen werden 45 Minuten lang sein). Bei startnext kann man sich den Teaser anschauen, und bis zum 14. April 2016 Geld dazu geben, damit das Projekt realisiert werden kann.

Wir treffen Jessy Mibes und Anni C. Salander auf einen Cappuccino im Filos. Die beiden sind die Hauptorganisatoren des Projekts „Lezz-A-Faire“.

Meine Südstadt: Worum geht es in der Serie?
Anni C. Salander (Foto links): Grob gesagt, ums Erwachsenwerden, ums Leben. Die Hauptfigur ist Nele, und die spiele ich. Es gibt eine Gruppe von Charakteren, alle zwischen 17 und 24 Jahren, jede Person hat ihre individuelle Geschichte, und die Handlung wird aus der Sicht mehrerer erzählt.

Jessy Mibes: Es werden verschiedene Typen vorgestellt. Ich habe da aus meinen Erfahrungen geschöpft, aber nichts Autobiografisches verwendet. Scheinbare Klischees werden beleuchtet und auch wieder aufgelöst. Die Grundthemen sind nicht lesbisch bezogen, denn es geht um das große Ganze: um Konflikte mit Glauben und Homosexualität, um häusliche Gewalt, um Drogenprobleme, um Fragen wie: Was mache ich aus meinem Leben? Es sollen keine Abziehbilder von lesbischen Charakteren dargestellt werden, sondern Figuren mit Tiefe.

Im Gegensatz z.B. zu The L-Word, wo die Frauen erwachsen sind und mitten im Leben stehen, geht es hier eben darum, erstmal zu sich selbst zu finden. Nenn es ‚Coming of age’. Aber wie fängt man an, sich selbst zu entdecken? Es soll hier keine Abgrenzung über Sexualität stattfinden. Aber man möchte sich als homosexueller Mensch einfach auch mal etwas anschauen, was einen treffend darstellt und berührt. Da gibt es wenig in der Serienwelt und es ist schon traurig, als junger Mensch da gar keine Role Models, keine Vorbilder zu haben.

Wir hatten das Glück, dass der kleine, private TV-Sender YUN!Q aus Solingen zufällig auf das Projekt aufmerksam geworden ist. Er unterstützt uns bei Verträgen und Versicherungen, kann uns aber sonst kein Budget zur Verfügung stellen. Daher ist Lezz-a-faire zunächst als Web-Serie konzipiert, wobei wir sehr gerne auch ins Fernsehen möchten!

Anni spielt eine Lesbe, ist aber hetero?!
Jessy: Anni war bei den Castings einfach genau Nele. Sie hat sie überzeugend gespielt, und die Beste muss die Rolle bekommen, da spielt die eigene Sexualität des Schauspielers keine Rolle. Viele Rollen werden tatsächlich von lesbischen Darstellerinnen gespielt, weil sie einfach die kleinen, feinen Unterschiede aufweisen, die sich oft schwer darstellen lassen und die man auch erst bemerkt, wenn man sich selbst viel in der homosexuellen Szene bewegt. Doch da man Anni die Rolle so vollständig abgekauft hat, bin ich mir sicher, dass sie nach ein paar kleinen „Lesben-Coachings“ eine perfekte Nele verkörpern wird.

Wie bereitest Du Dich auf die Rolle der Protagonistin einer queeren Serie vor?
Anni: Ich bin viel in der Szene unterwegs, beobachte und komme ins Gespräch. Ich habe keine Berührungsängste. In meinem Leben und Freundeskreis sind die Problematiken und Grundthematiken ähnlich wie bei Lezz-A-Faire. Das Drehbuch ist voller tiefer Rollen und schwarzem Humor, und das interessiert mich.

Wer Interesse hat kann das Projekt finanzielle unterstützen. www.startnext.com/lezz-a-faire
Die sexuelle Orientierung des Unterstützers spielt übrigens keine Rolle. Bis zum 30. Mai 2016 muss das Geld für den Piloten zusammen kommen, sonst kann das Projekt nicht stattfinden.

Mehr im Netz
Facebook-Seite – www.facebook.com/lezzafaire
Homepage – lezzafaire.onmediatv.de/

 

Text: Jasmin Klein

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