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Bildung & Erziehung Umwelt

Igitt, eine Mönchsgrasmücke! – Vogelreichtum im Volksgarten

Sonntag, 31. Juli 2011 | Text: Gastbeitrag | Bild: Wikimedia Commons

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Morgens, wenn ich mit dem Rad zur Arbeit fahre, durchquere ich den Volksgarten. Von rechts flitzt das rotbraune Eichhörnchen über den Spielplatz, und am Teich quaken noch müde die übergewichtigen Enten. Manchmal entdecke ich einen Buntspecht. Oder auch mal einen Kleiber, der kopfüber den Baum runter rennt. Auf den Wegen sitzen Buchfinken, in den Büschen höre ich Meisen. Vor allem im Frühling gibt es aber ein dermaßen vielstimmiges Vogelgezwitscher, dass ich schon länger überlegt habe, mir diesen fliegenden Teil der südstädtischen Fauna mal näher zu erschließen.

Aus diesem grund telefoniere ich mit der Biologin und Ornithologin Dr. Angelica Kahl-Dunkel, aktiv in der „NRW Ornithologengesellschaft e.V.“, um mich zu einem vogelkundlichen Spaziergang im Volksgarten zu verabreden. Sie nennt mich „Frau Vogel“- das gefällt mir. Wir treffen uns morgens am Parkeingang Eifelplatz, sie mit Fernglas und Dalmatiner, ich mit Block, Stift und meinem Kosmos Vogelführer. Eigentlich ist es schon zu spät im Jahr, um Vögel am Gesang zu identifizieren und so mein rudimentäres Wissen zu erweitern. Sie singen hauptsächlich zur Brutzeit, und die ist Mitte Juli schon vorbei. Aber wir haben Glück und hören, kaum sind wir im östlichen Bereich des Parks zwischen den riesigen Laubbäumen eingetaucht, die Mönchsgrasmücke. Dies ist kein riesenhaftes Insekt, wie man vermuteten könnte, sondern ein ausgesprochen hübscher Vogel: Grau-weiß mit einer schwarzen „Mönchskappe“ auf dem Kopf und einem sehr modulierten, abwechslungsreichen Gesang ist er einer von knapp 30 verschiedenen Vogelarten, die im 13,9 ha großen Volksgarten so herumfliegen.

 

In innerstädtischen Parks gibt es inzwischen mehr Vogelartenreichtum als auf dem platten Land, wo aufgrund intensiver Landwirtschaft mit Pestizid-Einsatz die Lebensbedingungen von Vögeln in den letzten Jahrzehnten immer schlechter geworden sind, erklärt Frau Kahl-Dunkel. Der Star, ein lustiger Geselle mit hübschen Tupfen auf Bauch und Brust, macht das Beste daraus: Er fühlt sich im Volksgarten sehr wohl. Wie ein geschäftiger Büromensch schreitet er über die Wiesen und Wege und sieht dabei aus, als sei er nie woanders zu Hause gewesen!

 

An der Lünette, Teil einer alten Festungsanlage, hören wir ein Rotkehlchen, das von Frau Kahl-Dunkel als Jungtier identifiziert wird. Das Besondere an Rotkehlchen ist, dass anders als bei anderen Singvögeln nicht nur das Männchen singt. Da sich Männchen und Weibchen bei den Rotkehlchen optisch nicht unterscheiden, können sie das jeweils andere Geschlecht nur am unterschiedlichen Gesang erkennen. Weiter „oben“ im Volksgarten, nahe der Bahnlinie, höre ich öfter mal einen Greifvogel, wenn ich morgens dort entlang radle. Das könnten z.B. Habichte, Bussarde oder Sperber sein, überlegt die Ornithologin (ich kann den Ton nicht genau genug nachmachen). Im Zweifelsfall ist es aber auch mal mein Lieblingsvogel, der Eichelhäher, mit der entzückenden, kleinen blauen Feder am Flügel. Der ist nämlich ein großer Stimmenimitator und macht schon mal auf dicke Hose als „Habicht“ oder „Bussard“. Der Bereich an der Bahnlinie entlang ist sehr geeignet zum Brüten verschiedenster Vogelarten, da es eine Menge verschieden hohes, eher wild wachsendes Gebüsch mit vielfältigen Schutz- und Nistmöglichkeiten gibt. Solche Stellen wünscht sich Dr. Angelica Kahl-Dunkel auch für die Gärten in der Stadt: Ecken, die nicht allzu sauber beschnitten sind, sondern naturnah bleiben dürfen und so Lebensraum bieten.
Auf dem Weg zum Kahnweiher hören wir den Zilpzalp, dessen Gesang man sich gut merken und dann beim nächsten Spaziergang mit dem Erkennen seiner Stimme angeben kann. Narzisstisch gestört, flötet er nämlich immerzu seinen Namen: Zilpzalp, zilpzalp! Am Weiher blicken wir auf trübes, grünes Wasser mit massenweise Stockenten und einem jungen Schwan. „Immis“ sind auch da, nämlich zwei aparte Nilgänse und eine Höckergans, die „Hausgans“ Ostasiens. Die Entenfütterung bezeichnet Frau Kahl-Dunkel als falsch verstandene Tierfreundschaft. Das viele Brot ist eine Ursache der drohenden Überdüngung des Weihers. Es entsteht ein gefährliches Bakterium, das den Teich vergiften und zum Umkippen führen kann, so geschehen letzten Sommer am Aachener Weiher. Die Wasservögel sterben qualvoll, Enten können regelrecht „platzen“.. da schaut selbst der Dalmatiner angewidert zur Seite. Das Füttern macht die Enten außerdem zu fett und auch die Schwäne, die mit dem angefutterten Übergewicht dann kaum noch fliegen können. Auch deshalb halten sich oft deutlich mehr Wasservögel an Teichen auf, als diese mit natürlich vorhandener Nahrung „versorgen“ könnten.

Gegenüber des Weihers, auf der großen Wiese, die bei schönem Wetter im Grilldunst fast verschwindet, hopsen jetzt bei morgendlichem Nieselregen außer den „geschäftigen Büromenschen“ nur ein paar Amseln herum. Ich habe mal gelesen, dass Amseln sehr gut Töne imitieren können, was Frau Kahl-Dunkel bestätigt. Sogar Klaviersonaten können (an-)geträllert werden. Das weiß sie aus eigener Kindheit zu berichten, als sie und ihre Schwester bei zum Garten geöffneter Tür Klavier übten und die Amsel, die häufig im Garten hockte, sowohl „Der wilde Reiter“ von Schumann als auch eine Beethoven-Sonate flöten konnte! Was für ein feinsinniges, kultiviertes Flugtier, mag man da denken. Doch die Amsel kann auch anders: Käme ein Amseljüngling aus einem anderen Stadtviertel in die Südstadt und wollte sich der hiesigen Amselkolonie freundlich anschließen, hätte er kein leichtes Spiel. Sofort als Fremder (am Gesang) identifiziert, würde er regelrecht rausgemobbt werden! Erst wenn er die Grundmelodie des Amselclans erlernt hat, findet er gnädig Aufnahme. Unsere Vogelkundlerin nennt so was „subtile Verständigung“ unter Amseln. Subtile Verständigung, passt das nach Köln? Oh ja! Die Großmutter meiner kundigen Führerin konnte früher auch genau heraus hören, ob jemand aus dem Severinsviertel oder aus Ehrenfeld kam – na gut. „In uns’rem Veedel“ also allüberall, bei Mensch und Vogel.

 

Zuletzt sprechen wir noch über den Spatzen, den ich erwähne, weil er wohl der meist bekannte Singvogel ist, aber immer seltener wird, gerade in Städten mit immer weniger sanierungsbedürftigem Häuserbestand. Der Spatz als überaus geselliges Tier verliert die Lust zu brüten, wenn er nur für sich alleine Platz findet (z.B. in Mauerlöchern). Er braucht sozusagen Reihenhäuser, und die gibt es auch: Spatzenkästen mit mehreren Einfluglöchern nebeneinander, so dass der Spatz nicht einsam auf den Eiern hocken muss, sondern beim „Vor-sich-hin-brüten“ mit nebenan kommunizieren kann wie Karneval auf dem Damenklo – schööön! Das mit den Nistkästen funktioniert übrigens nur an Stellen, an denen es noch Spatzen gibt. Sie lassen sich nicht neu ansiedeln, auch wenn man ihnen schicke Apartments anbietet.
Nach über einer Stunde kreuz und quer durch den Park habe ich tatsächlich ein paar Ecken gesehen, in denen ich bisher noch nicht war und eine Menge interessante und merkwürdige Vogelgeschichten gehört. Im nächsten Jahr möchte ich mit Frau Kahl-Dunkel mal im Frühjahr losziehen, um 20 Vögel und mehr zu hören! Bis dahin begnüge ich mich mit der IPhone-App Vogelstimmentrainer – sehr empfehlenswert übrigens – um das, was man sieht und/oder hört zu identifizieren. Ich fahre nach Hause ins Severinsviertel und überlege dabei, wie viele Spatzenreihenhäuser wohl neben- und übereinander auf unseren Balkon passen. Ich glaube, eine Menge!

 

Sandra Vohl

 

Die Autorin kommt von Niederrhein und wohnt schon seit vielen Jahren in der Südstadt. Sie arbeitet in einer Einrichtung, in der sozial benachteiligte Jugendliche, aber auch langzeitarbeitslose Erwachsene begleitet und zu unterstützt werden, um sie in den 1. Arbeitsmarkt zu integrieren. Für „Meine Südstadt“ hat sie ihre Erlebnisse bei einer Vogelkunde-Tour im Volksgarten in Worte gefasst.
 

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Text: Gastbeitrag

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