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Gesellschaft Kultur

Integration fällt nicht vom Himmel – Festival „Grenzenlos“ für und mit Flüchtlingen

Mittwoch, 11. Mai 2016 | Text: Antje Kosubek | Bild: Soliz

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Es grenzt schon an Wahnsinn – ganz im positiven Sinne – was einige Südstädter am 20. Mai auf die Beine stellen werden: 16 Künstler treten dann in der „Alteburg“ auf – und zwar alle an einem Abend! Dabei folgt ein Top-Act dem nächsten: Stefan Knittler, Köster&Hocker, JP Weber, Tom Words&Micha Zass als „Desperados“, Kent Coda, Wrecia Ford und viele mehr. Der „Zusammenstab e.V.“ veranstaltet das Musikfestival für, von und mit  „Neubürgern“. Es ist mittlerweile gut ein Jahr her, dass sieben ambitionierte Südstädter die Bürgerinitiative zur Hilfe und Integration von Flüchtlingen gegründet hatten. Bei strahlendem Sonnenschein treffe ich im Biergarten der „Alteburg“ die Vorsitzende des „Zusammenstab e.V.“, Claudia Austermann und Günther Schuhbäck, der an der Organisation des Festivals „Grenzenlos“ einen entscheidenden Anteil hatte.

Wie ist der Stand der Dinge?

Claudia: „Wir arbeiten derzeit ja parallel an der Organisation des Festivals und auch natürlich weiterhin an unserem Projekt „Zusammenstab“ (MS berichtete). Wir sind sehr aktiv im Flüchtlingsheim in Köln-Godorf. Dort haben wir Fahrräder organisiert und die Zusammenarbeit mit der faradgang e.V. anmoderiert. Die schrauben jetzt von Zeit zu Zeit dort mit den Kids an den Rädchen. Zusätzlich gibt eine Kollegin jeden Samstag Deutschunterricht. Da passiert gerade sehr viel. Zudem ist der  ,Zusammenstab‘ Anfang  Mai ins K11 (Boulderhalle in der Kölner Südstadt) gewandert. Immerhin unsere 13. Station – da sind wir sind sehr stolz. Im K11 sammeln wir gerade Rucksäcke und Schreibwaren für die bevorstehenden Einschulungen der Kinder.“

Meine Südstadt: Wie entstand die Idee für das Festival „Grenzenlos“?

Günther: „Bei einem Treffen im Zusammenhang mit der Arbeit für den ,Zusammenstab‘ ist die Idee entstanden. Musik ist schließlich das Bindeglied zwischen den einzelnen Kulturen und sie bedarf nicht der einheitlichen Sprache. Zudem haben wir so viele gute Musiker hier in der Südstadt. Ich mache nebenher viel mit Musik, arbeite für „Loss mer Singe“, organisiere das Bühnenprogramm im Sommerkino am Rheinauhafen und konnte meine Kontakte dafür gut nutzen.“

Claudia: „Als die Idee stand, haben wir direkt in der Alteburg angefragt. Ein solch großer Raum, mit Bühne und einem großen Außenbereich, das gibt es eigentlich nicht vergleichbar in der Südstadt. Zudem gibt uns Georges (Besitzer der Alteburg) die Location umsonst, also wir bezahlen keine Saalmiete. Und wir können – zusätzlich zum angebotenen Essen hier – auch eigenes Essen selbst verkaufen.“

Was plant Ihr konkret??

Claudia: „Vom Bühnenprogramm abgesehen, wird es auch Kinderschminken geben, ein Jongleur kommt und vieles mehr. Wir wollten das Fest für und mit den Flüchtlingen. Beispielsweise wird eine syrische Familie, die in der Koblenzer Straße wohnt, landestypisches Essen zubereiten. Wir kennen diese Familie schon ziemlich lange, versuchen, so oft es geht, etwas zusammen zu machen und haben letztens zusammen im Friedenspark gebowlt. Diese Familie ist sehr stolz, jetzt etwas zurückgeben zu können, indem sie das Essen macht. Auch das Restaurant ,Hdmona‘, wo im April der ,Zusammenstab‘ seine Station hatte, wird leckere Köstlichkeiten verkaufen. Die Flüchtlinge müssen keinen Eintritt zahlen und erhalten zudem Gutscheine für Getränke und Essen. Natürlich ist es uns auch wichtig mit dieser Veranstaltung ein klares Bekenntnis gegen fremdenfeindliches Gedankengut als Botschaft zu vermitteln.“

War es denn schwer, die ganzen Künstler für dieses Festival zu überzeugen? Immerhin treten alle ohne Gage auf.
Günther: „Nein, das war nicht schwer. Natürlich war es von Vorteil, dass ich viele persönlich kenne. Wir merken ganz viel Bereitschaft von allen Seiten, gerade in den letzten drei Wochen. Alle machen mit – völlig ohne Eitelkeiten und ehrenamtlich. So sponsert beispielsweise die ,Bagatelle‘ das Catering und die ‚Torburg‘ die Getränke für den Backstage-Bereich und eine Freundin hat über eine professionelle Firma in ganz Köln plakatieren lassen. Das „Mare Atlantico“ spendet die Zutaten für das Essen, was die syrische Familie dann kochen wird. Irgendwie hatte jede und jeder eine Idee, wie sie sich einbringen konnten.“

Wie erfahren die Flüchtlinge oder Initiativen vom Fest?

?Claudia: „Wir sind mit vielen Initiativen im Kontakt. Mit dem Hotel Mado hatten wir schon gesprochen. Im Wohnheim in Köln-Godorf wird es so sein, dass die Flüchtlinge abgeholt und in die Südstadt gebracht werden.“

Viele Flüchtlinge können weder Deutsch noch Englisch. Wie wird die Kommunikation beim Fest sein?
Günther: „Wir werden drei Dolmetscher vor Ort haben, die beim Übersetzen helfen und damit auch die ein oder andere Sprachbarriere überwinden. Uns ist es zudem wichtig, dass die die Flüchtlinge hier in ihrer Muttersprache auf dem Fest begrüßt werden.“

Tauscht Ihr Euch mit anderen Kölner Organisationen über die Arbeit der Integration von Flüchtlingen aus?
Claudia: „Mit vielen Initiativen und Organisationen sind wir eng verbunden, beispielsweise arbeiten wir eng mit der „KG Ponyhof“ zusammen und tauschen uns aus. Die „Ponys“ werden beispielsweise einen Teil der Security stellen und den Einlass kontrollieren.“

 

„Wir merken ganz viel Bereitschaft von allen Seiten…“

Ist eine Security denn notwendig?
Günther: „Also wenn, dann befürchte ich eher Stress von außen als von innen. Wir müssen ja auch einen Schutzraum für die Flüchtlinge bieten, in dem sie sich frei bewegen können.“

Claudia: „Wir hatten auch Kontakt mit der Kölner Polizei und haben mit denen gesprochen, was alles sinnvoll ist. Es gibt ja dort auch die Präventionsstelle gegen rechte Gewalt. Da konnten wir uns gut informieren.“

Hattet ihr denn schon mal mit fremdenfeindlichen Aktionen oder Kommentaren Kontakt?
Claudia: „Auf Facebook schon. Da gab es blöde Kommentare, aber das war und ist eher selten.“

Und jetzt knapp zwei Wochen vor dem Festival? Wie geht es Euch innerlich??

Günther: Wir sind immer noch unglaublich überwältigt, wie viele Leute sich beteiligen und uns damit viele Ängste genommen haben. Man darf ja nicht vergessen, wir hatten keinen langen Vorlauf. Wir sind erst Anfang April in die Planung gegangen. Alles stand auch mal auf der Kippe und wir waren uns unsicher. Weil es eben viel Arbeit ist. Nachdem wir dann fest entschlossen waren, dass das Festival steht, gab es wahnsinnig viel Zuspruch. Menschen, die freiwillig ihre Hilfe angeboten hatten. Selbst Bekannte, mit denen man vielleicht Differenzen hatte, zeigten sich spontan bereit, hier mitzuwirken.“

Claudia: „Im Nachhinein muss man sogar sagen, dass wir zwei Bands absagen mussten, weil wir schon so viele Live-Acts auf der Bühne haben.“

Was plant Ihr mit dem Überschuss aus dem Festival?

Claudia: „Vordergründig haben wir mit unserem Verein vor, strukturelle Maßnahmen durchzuführen und zu unterstützen. Integration fällt ja nicht vom Himmel. Deswegen würden wir gern Sportprojekte, aber auch Stadtführungen und in Teilen Sprachunterricht fördern. Zudem wird es auch noch die eine oder andere Überraschungen auf der Bühne geben.“

Den „Zusammenstab“ gibt nun schon mehr als ein Jahr. Das hattet Ihr vor 13 Monaten wahrscheinlich nicht erwartet?
Claudia: „Ja, das stimmt. Im Zusammenstab e.V bringen sich mittlerweile rund zwanzig Mitglieder aktiv ein. Und, unsere Idee funktioniert immer noch gut.
Wir hatten auf unseren offenen Stammtischen viele Kontakte knüpfen können. Nun organisieren wir uns über verschiedene  ,What‘s App Gruppen‘, so können wir uns verständigen, wo, wann und was abgeholt werden muss . Jeder
hat eine klare Aufgabe. Besonders gefreut hat uns, dass nun die Boulderhalle, das ,K11‘ auf uns zugekommen ist. Also uns aktiv angesprochen hat, wann der Stab zu Ihnen kommt.“

Wie motiviert Ihr Euch eigentlich immer wieder? Beispielsweise Günther ist im Beruf ja schon sehr sozial engagiert und arbeitet in einer Wohngruppe für geistig behinderte Menschen. Woher kommt die scheinbar grenzenlose Energie?
Günther: „In den letzten Wochen war es schon viel Arbeit, es waren oft täglich 4-5 Stunden neben meinem normalen Alltag für das Festival. Aber es kommt so viel zurück von den anderen Menschen. So viel Engagement und das freiwillig und ehrenamtlich – das erfüllt uns total.“

Vielen Dank für das Gespräch.

Der Beginn des „Grenzenlos Festivals“ ist um 17 Uhr (Einlass ab 16 Uhr) in der „Alteburg“ (Alteburger Straße 139). Zu Anfang wird es auch ein kleines Rahmenprogramm für Kinder geben. Musikalische sowie rednerische Beiträge finden auf der großen Bühne in der angegliederten Halle statt. Aber der große Biergarten wird hinlänglich mit beschallt.
Der Eintritt ist für Kinder und Flüchtlinge frei; sonstige erwachsene Besucher zahlen 15 Euro Eintritt pro Person.

Die Tickets gibt es unter anderem in der Apotheke zum Goldenen Horn, im Terrarium, in der Speisekammer, in der Ubierschänke, beim „Schuster“ in der Darmstädter Straße und im Internet unter www.zusammenstab.de

 

Text: Antje Kosubek

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