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„Jederzeit fragen,…

Sonntag, 1. Juni 2014 | Text: Judith Levold | Bild: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

sonst rede ich!“ sagt Sebastian Ristow, Archäologe der Kölner Uni, zu Beginn der Führung durch Kölns größte, aus der Spätantike stammende Nekropole. Friedhof bedeutet das, hört sich aber cooler an. Und von den Studierenden der Bonner Uni, die extra gekommen sind, um sich dieses Gräberfeld unter der Kirche Sankt Severin anzuschauen, fragt keiner nach. Die kennen das Wort also.

Man muss sich das so vorstellen, dass Köln vor knapp 2000 Jahren niedriger lag, und deshalb sind die Grabstätten -darunter viele Brandgräber, denn die so genannte Körperbestattung kam erst später in Mode- unter dem heutigen Kirchenboden. In mehreren Schichten sind noch gut sichtbare Sarkophage über Jahre und Jahrhunderte aufgestapelt worden, ausgehend von einem so genannten kleineren Apsiden-Bau. Das meint einen Bau mit Apsis, der nicht unbedingt als schon ursprünglich Kirche gedeutet werden muss, wie Ristow ausführt: „Nicht jedes Gebäude ist als das gebaut worden, als das es dann später genutzt wurde!“ fügt er hinzu.

 

 

Erstmals an St. Severin nach diesen Zeugnissen aus spätantiker, fränkischer und karolingischer Zeit gegraben wurde um 1924, unter Leitung des römisch-germanischen Museums, gleichbedeutend mit der zuständigen Denkmalbehörde. Dabei wurde klar, dass unzählige Gräber samt Beigaben von vorwiegend Leuten aus der damaligen Oberschicht, zwischen Waidmarkt und Chlodwigplatz sowie östlich Richtung Rhein, einen riesigen römischen Friedhof markieren. Später haben diesen auch die nicht mehr römischen Bewohner Kölns genutzt. Über die Jahrhunderte sind immer neue, erweiternde Bauten auf und um den ursprünglichen Bau 1 oder A herum erbaut worden – im 9. Jhd. etwa kam es zum Neubau einer romanischen Basilika, bis dann um 1300 den Umfängen nach die heutige Kirche St. Severin fertiggestellt wurde.

Der Vortrag von Sebastian Ristow konzentriert sich nicht zentral auf die reine Besichtigung der „Katakomben“ von St. Severin, sondern vielmehr auf den Forschungsstand innerhalb der Baugeschichte. Und da weiß er Spannendes zu berichten: der erste Grabungsleiter Fritz Fremersdorf (1894-1983) hat so manches nach heutigem Wissen falsch interpretiert und entsprechend rekonstruiert, etwa die Lage des angeblichen Grabmals des heiligen Severins. Seit 1924 hatte Fremersdorf – erster Direktor des Römisch Germanischen Museums, seinerzeit noch römische Abteilung des Wallraf Richarz Museums – nicht nur an St. Severin, sondern in ganz Köln systematisch archäologisch geforscht.

 

Als er unter St. Severin Grabmale freilegte, die er zweifelsfrei auf das vierte Jahrhundert datieren konnte, zog er Schriftquellen heran, die das Wirken des 3. Kölner Bischofs, des heiligen Severins, ebenfalls im 4. Jahrhundert beschrieben, und voilá: so war das also als die Grabstätte des Heiligen Severin definiert. „Das nennt man `gemischte Argumentation´“ erklärt Ristow den Studenten, womit man jedoch noch nicht die absolute Chronologie der Bauphasen erfasst habe, denn „nicht jeder spätrömische Apsidenbau ist auch eine Kirche. Man darf das nicht so deuten, dass es eine zielgerichtete Entwicklung eines römischen Kerns hin zu mittelalterlicher Kirchenkultur gegeben hätte.“ . Dennoch seien die Grabungen unter St. Severin die ersten, kirchenarchäologisch ernst zu nehmenden Maßnahmen in Deutschland und von Beginn an auf Zugänglichkeit ausgerichtet gewesen.

 

Vorbildlich und noch heute didaktisch perfekt seien Fremersdorfs Dokumentation und Lagepläne der Funde unter St. Severin gewesen. „Das ist auch Grundlage für unsere Darstellung und Animation heute, da sieht man genau die einzelnen Epochen und die Schichtung der Funde in den verschiedenen Bodenniveaus.“ fügt er hinzu. Und deutet auf den großen Querschnitt von 1955, angefertigt von einem Kinoplakatmaler.

Die Wärme an diesem sonnigen Frühlingstag ist angenehm und begünstigt die Verstoffwechselung des gerade Gehörten, als die Besucher-Gruppe wieder im Innenhof neben dem Pfarrbüro anlandet. Denn unter dem Boden von Sankt Severin ist es kalt. Kalt und, mit Führung informativ,.„Kompakt!“ kommentiert einer der Studenten das soeben Gehörte, während Sebastian Ristow schon mit der zweiten Gruppe wieder in die Tiefen der Baugeschichte dieser Grabstätten verschwunden ist.

Führungen gibt es regelmäßig, mit Kunsthistorikern der Pfarrgemeinde und organisiert vom Domforum, www.domforum.de sowie auf Anfrage seitens des Pfarrbüros Sankt Severin, Tel. 0221. 9318420, www.sankt-severin.de Außerdem gibt es für intensiver Interessierte eine App: Frühchristliches Köln, www.archaeoplanristow.de
 

Text: Judith Levold

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