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Kultur

Kafka enträtseln…

Donnerstag, 31. Januar 2019 | Text: Alida Pisu | Bild: Meyer Originals

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Ich muss es gestehen: als Jugendliche habe ich einen Roman von Franz Kafka zur Hand genommen und nach wenigen Seiten wieder weg gelegt. Zu unverständlich und verstörend blieb mir der Text. Warum was passierte: es wurde nicht klar. Der Protagonist, in diesem Fall Josef K. in „Der Prozess“, erlebt ein alptraumhaftes Geschehen, dem er hilflos ausgeliefert ist. Ein Szenario, das typisch für Kafkas Werk ist.
Und nun, viele Jahre später, eine theatralische Auseinandersetzung mit Kafka. Im „Freies Werkstatt Theater“ steht „Kafka“ auf dem Programm, eine Inszenierung, die sich mit dem Innenleben und der künstlerischen Welt Kafkas beschäftigt. Sich dem anzunähern, ist so einfach nicht, denn auch hier bleibt vieles unbegreiflich und unerklärlich. Die Rahmenhandlung bildet das letzte Kapitel von Franz Kafkas Romanfragment „Amerika“.

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Wer an Engel denkt, wird dabei wohl eine positive Figur im Sinn haben, die vielleicht aus einer Gefahr errettet oder den Weg weist und hilft. Der Engel (Achim Conrad) aber, der durch ein Megaphon dazu auffordert, sich für eine Stelle als Schauspieler im Naturtheater Oklahoma zu bewerben, hat nichts von alldem an sich. Den einzigen Bewerber, Herrn K. (Thomas Hupfer) lässt er erst einmal vor der Tür stehen, weil er keine „Legitimationspapiere“ vorweisen kann. Später setzt er ihm mit absurden Prüfungen zu, jagt ihn durch sämtliche Räumlichkeiten des Theaters, von oben nach unten, bis K. sich schlussendlich draußen vor der Tür wiederfindet. Nachdem ihm der Engel arg zugesetzt, ihn gedemütigt und mit Lust gequält hat.

Freies Werkstatt Theater

Umso erstaunlicher, dass K. niemals aufgibt, seiner Sehnsucht zu folgen, Schauspieler – oder doch vielleicht Schriftsteller? – werden zu wollen. Vielleicht aber auch nicht erstaunlich, ringt er doch um sein Überleben in einer Welt, die ihm nicht freundlich gesonnen ist und in der er sich fremd fühlt. So zerreißt es einem fast das Herz, wenn etwa ein Hund (natürlich auch gespielt vom diabolischen Engel Achim Conrad) ihm zur Begrüßung hingebungsvoll das Gesicht abschleckt, um ihm sofort darauf einen Zettel zu entreißen und ihn zu zerfetzen. Den Zettel, auf dem Ks. literarische Ergüsse standen, die ihm halfen, zu überleben. Nichts gibt Sicherheit, alles kann von einer Sekunde auf die andere ins Bodenlose kippen. Licht und Ton tragen dazu bei, eine bedrohliche Atmosphäre zu schaffen, die man kaum aushält.

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Conrad und Hupfer ringen miteinander, der eine perfide, der andere hält verzweifelt dagegen, weil er auf der Suche ist nach sich selbst, weil er sich zugehörig fühlen will, als Mensch, als Familienmitglied. Nichts davon findet er und das ist das Traurige, von Kafka aber nicht anders zu Erwartende. Bei ihm bleiben Sehnsüchte unerfüllt, ist man ausgeliefert und hilflos, ohne die Gründe dafür zu kennen und sie verstehen zu können. Ja, das ist spezifisch für Franz Kafka, aber eine Spur davon findet sich auch im eigenen Leben wieder. Was es vielleicht gerade deshalb so schwer macht, sich mit Kafkas Alpträumen auseinander zu setzen und sie zu enträtseln. Spannend ist es trotzdem. Zumindest in der Inszenierung am FWT.

„Kafka“ von und mit Acim Conrad und Thomas Hupfer, Koproduktion movingtheatre.de, Kreuzgangspiele Feuchtwangen & FWT
Freies Werkstatt Theater, Zugweg 10, 50677 Köln. Die nächsten Termine: 1., 16., 17., 23. Februar 2019

Text: Alida Pisu

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