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Südstadt

„Kolbe&Co, Kolbe, guten Tag?!“

Dienstag, 21. Januar 2020 | Text: Judith Levold | Bild: Judith Levold

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

„Ja, das kläre ich, ich ruf´ Sie in zehn Minuten zurück.“ – „Kann man hier mit Karte zahlen?“ – „Na klar, soll ich Ihnen das hier dran machen, den Beleg?“ – „Ein kleines Tütchen?“ – „Ich möchte die drei Sachen holen, die ich hatte zurücklegen lassen.“ – Bei KOLBE&Co an der Bonner Straße geht es an diesem Morgen zu wie in angesagten Hipster-Läden, dauernd bimmelt das Telefon, verschiedenste Kunden strömen herein, an der Kasse bildet sich eine Art Schlange – das habe ich persönlich hier noch nie gesehen.

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Und trotzdem findet Manfred Kolbe, den man von hinter dem Tresen an der Kasse kennt, noch Zeit auf einen Plausch mit mir, was soll’s, man muss sich nicht mehr stressen lassen, mit Achtzig.

Manfred Kolbe an seinem Stammplatz

Unablässig betreten KundInnen das Geschäft, „Ausverkauf, das Wort hat magische Anziehungskraft.“ raunt mir Jochen, der jüngste der drei Kolbe-Brüder, zu. Viele Stammkunden schauen vorbei, sie fragen nicht nach Rabatt, „Das machen wir automatisch, ziehen wir das ab.“ so Manfred.

Angebote im Ausverkauf

Irgendwann aufhören

64 Jahre lang habe er das gemacht, also das Verkaufen von guten Produkten in diesem Laden hier, für Haushaltsgeräte und Werkzeug und Gartenbedarf. „Und immer gerne.“, fügt er hinzu. Aber irgendwann sei eben Schluss, da müsse man aufhören, vor zwei Monaten habe er einen Schlaganfall gehabt. Weil er eh an dem Tag einen Arzttermin hatte, reagierte man schnell, so dass er auch heute wieder hinter der Theke in seinem Laden sitzt. An der Kasse. Rattatattata – knattert sie, wenn Kolbe den Hebel kurbelt, es gibt sie vom ersten Tag an. „Aber jetzt, ab Januar dürfen wir sie ja nicht mehr benutzen“.

Die alte Kasse, schon immer da

Er habe Glück gehabt, dass die Ärzte sofort erkannt hätten, dass seine Halsschlagader kurz vor dem Verschluss stand. „Zack, da lag ich auf der Trage, wurde festgemacht, durfte mich nicht bewegen, ab in den OP.“ erzählt er.

Im Bestand, aber nicht verfügbar

Und seit Januar läuft deshalb der Räumungsverkauf. Das ganze Jahr wahrscheinlich. Denn es kann dauern, bis all die Lager, der Keller und die angrenzenden Räume und das Obergeschoss wirklich leer sind. Vieles an Werkzeug und anderer Ware ist nicht im Laden zu sehen, sondern -wie es im Museum heißt-, im Depot. „Samstag kam ein Kunde, wollte ne bestimmte Zange, ja, die haben wir. Aber die konnten wir nicht so schnell verfügbar machen.“ erzählt Manfred Kolbe aus seinem Alltag. Einzelhändler hat er gelernt, für Werkzeuge, sich umgeguckt, in England, und zwei Jahre in der Schweiz gearbeitet. Weder sein jüngster Bruder Jochen noch dessen Kinder -er selbst hat gar keine- wollten aber jetzt mit dem Laden weitermachen. Und Bruder Dieter, der „Gottseidank immer den Papierkram“ gemacht habe, auch nicht.

Woanders shoppen, hier Service bekommen

Ob sie versucht hätten, über die IHK Nachfolger zu finden? „Ja, auch das haben wir versucht. Es gab ja auch ein paar Interessenten, aber die wollten das Kapital zur Übernahme nicht aufbringen und uns das Geschäft stattdessen mit einer monatlichen Abzahlung, für uns wie eine Rente, abkaufen. „Aber das muss schon alles klar geregelt sein, mit der Bank“ findet Manfred. Der Laden laufe ja, er schließe schließlich nicht, weil er wirtschaftlich aufgeben müsse. Klar, Online-Handel mache sich an bestimmten Punkten bemerkbar. Einfach dass die Leute dächten, sie könnten irgendwo ihre DeLonghi-Espressomaschine shoppen, sie aber bei ihm reparieren lassen. „Das geht natürlich so nicht“ stellt er klar. Hier sei man mit gutem Service für die eigene Kundschaft am Start, deshalb seien die Kunden auch treu.

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Stimmt, denke ich, als ich Jan treffe, meinen früheren Nachbarn aus der Trajanstraße. Er wohnt mit Frau und Kindern seit Jahren im Agnesviertel, betritt den Laden und meint „Spülmaschine kaputt, da bin ich aus alter Gewohnheit erstmal hierher gekommen“. Ja, dieses Geschäft könnte man weiter führen. „Das hat ja uns drei Familien ernährt.“ sagt Manfred, „Man wird nicht steinreich, aber kann davon gut leben. Man muss einfach immer hier sein und Ahnung von den Produkten haben.“ erklärt er seinen Erfolg, auch wenn die Lage des Geschäfts an der stark befahrenen Bonner Straße gar nicht sooo prickelnd ist. Geholfen haben könnte die Tatsache, dass das Haus, in dessen Erdgeschoss KOLBE&Co residiert, den Eltern der drei Kolbe-Brüder gehörte, sie hatten es Mitte der 50er Jahre gekauft. Und dann das Geschäft eröffnet, klar, dass die Söhne übernahmen. „Ist ja heute nicht so selbstverständlich“ meint Manfred mit leichtem Bedauern in der Stimme. Und noch etwas findet er: „Früher hatten die Leute ´ne bessere Arbeitsmoral. Heute melden sie sich nichtmal ab, kommen einfach nicht.“ Das sei ein Problem, dass er schon manches Mal einen Kunden habe vertrösten müssen, weil sein Monteur einfach nicht erschienen war.

Vollgestopfter Laden, jetzt Räumungsverkauf

Kenn´ ich, auch ich habe schon mit ausgebautem Herd ein paar Terminverschiebungen hinnehmen müssen, bis die neue Induktionsplatte dann endlich verbaut war. Und auch in dem total mit Waren voll gestopften Laden, in dem Manfred Kolbe an der Kasse immer ein bisschen wie ein Aufseher wirkte, erlebte ich manch´ schrägen Moment – zum Beispiel die Mitarbeiterin, die nicht wusste, wo der Schlüssel für die Vitrine mit den Brotmessern war und ganz pragmatisch zu mir meinte: „Dann nehmen Sie doch einfach das hier“, also das Brotmesser, das neben der Vitrine im Regal lag… Egal, vierundvierzig Jahre war einer der Mitarbeiter von KOLBE&Co dabei, von der Lehre an, jetzt ist er in Rente. Manfred Kolbe nicht. Was er denn vorhabe, jetzt, ähhh, so? „Ich bin immer noch da.“ kommt es entschieden aus ihm ´raus. „Ich habe noch gar nicht darüber nachgedacht, was ich mache.“ Also „danach“.

Manfred Kolbe mit Kundin „Das ist die beste Salatschleuder überhaupt!“

Wenn jetzt einer käme, der doch noch den Laden übernehmen wollte, wären die Kolbes da bereit? „Ja klar, das war ja das, was wir eigentlich immer wollten“

Text: Judith Levold

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Kommentare

  • Jürgen Schiffelers sagt:

    Ich selbst bin Elektromechanikermeister. Diesen Beruf habe ich von der Picke aufgelernt. Heute kann kaum noch jemand eine Maschine reparieren. Wenns um`s Geld geht, heißt es oft, dafür bekomme ich eine neue Maschine. Stimmt, aber ein minderwertiges Produkt. Geiz ist geil. Die Firma Kolbe & Co lernte ich im jungen Alter in den Siebzigern Jahren kennen. Im Untergeschoss Schrauben und Maschine, oben Haushaltswaren. Ich finde ein unglaubliche breites hochwertiges Sortiment. Ich persöhnlich finde das Ladensterben sehr schade und es stimmt mich traurig. Siehe Eisenwahl, Elektro Esch und ein kleiner Laden am Anfang der Severinstraße, an dessen Name ich mich zur Zeit nicht mehr erinnere. Auch die Firma August Hülden in der Trierer Straße, heute in der Weißhausstraße. In den alten Läden erfährt man stets eine gute und kompetente Bedienung. Da steht nicht der Verkauf, sondern die Zufriedenheit des Kunden im Vordergrund. Über Kolbe kann ich da nur gutes berichten. Zuletzt beim Einkauf eines hochwertigen Kochmessers. Ich fühlte mich gut beraten und aufgehoben. Zu den Besitzern möchte ich mich für die jahrelange gute Kundenbetreuung bedanken. Weiter auch später alles Gute für den wohlverdienten Ruhestand. Allerdings ist ein geliebter Beruf oft so etwas wie eine Sucht. Man kann einfach nicht aufhören. Das sollte sich in der Gesellschaft wieder etablieren. Wegwerfen und Neu kaufen kann jeder. Reparieren nicht.

  • Walter Harings sagt:

    Das ist ja alles gut und schön, aber:
    – der Laden konnte über die Jahrzehnte nur bestehen, weil Kolbe einen Vertrag mit der Stadt über die Lieferung von Weißware hatte.
    – die Kolbebrüder haben 2015 ihr Wohn- und Geschäftshaus sowie das große Garagengrundstück nebenan in der Kyllstraße an WVM-Immobilien (der Chef, Wolfgang von Moers, ist u.a. bekannt durch seine Spenden an die AFD (http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/19/023/1902300.pdf (Seite 214 AfD-Parteispender/innen)) verkauft, obwohl familiäre Genossenschaften aus dem Viertel und andere nachhaltige Projekte dran interessiert waren. Da zählt dann wohl doch das schnelle Geld. Aber vornerum auf Moral und Stadtteilnähe machen.
    WVM baut jetzt an der Kyllstraße hochpreisige Eigentumswohnungen und saniert das Wohnhaus in Luxusmanier. Dafür mussten alle Mieter raus.
    – eine betagte Nachbarin, seit ewigen Zeiten Kundin von Kolbe, ist zu ihnen in den Laden und hat den Brüdern ihr geldgieriges Verhalten vorgeworfen und sie darauf hingewiesen, dass sie nach ihrem Tod nichts, aber auch gar nichts mitnehmen könnten.

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