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Sport

Laufen am anderen Ende der Welt

Montag, 18. September 2017 | Text: Aslı Güleryüz | Bild: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Es heißt nicht mehr ‚joggen’, nein, jetzt ‚laufen’ wir wieder. Das ist „in“ wie nie zuvor.  Überall und zu jeder Tages- oder Nachtzeit sieht man sie alleine, zu zweit oder im Rudel: LäuferInnen! In ihren schwarz-bunten Klamotten speziell für diesen Zweck färben sie das sonst etwas triste Stadtbild.

Bei uns im Veedel gibt es eine ganz besondere Laufgruppe, die etwas ganz Besonderes vor hat.

Wir treffen sie an der Straßenbahnhaltestelle Bayenthalgürtel. Hier treffen sich die Lauflustigen jeden Samstag. Es kommen immer unterschiedlich viele LäuferInnen. Astrid ist die erste und ist mit dem Rad da. Warum laufen, frage ich sie. „Ich wollt immer laufen können. Ich habe das die letzten 15 Jahre immer alleine versucht. Und dann habe ich Erik gefunden!“ Mit ‚Erik’ meint sie Erik Randrianarisoa. Neben seinem Körpermanager-Club in der Ohmstraße bietet er seit acht Jahren diese wöchentliche Laufgruppe an.

 

Laufstrecke wird genau per Lauf-App dokumentiert.

 

„Die Gruppe ist sehr nett und es hat gleich geklappt mit uns.“ erzählt Astrid. „Die Leute sind ungefähr gleich alt. Ich hatte nie das Gefühl nicht gut genug zu sein. Ich bin immer motiviert und gelobt worden von den Trainern. Die Trainer hier haben mir nie das Gefühl gegeben, dass es nicht reicht. Angefangen habe ich ungefähr vor zwei Jahren, habe aber auch große Pausen eingelegt. Seitdem bin ich jeden Samstag hier bei Wind und Wetter. Es ist auch nie ausgefallen. Und ich bin seitdem nie krank geworden.“

Fit wie nie zuvor – mit 50

Es ist nie zu spät anzufangen! Das beweist Martina: „Als ich 50 geworden bin, habe ich mir das Ziel gesetzt neuer Job und topfit wie noch nie. Und da bin ich zum ersten Mal Wettkampf gelaufen. Und mit 51 habe ich in einem neuen Job angefangen. Letztes Jahr bin ich beim Köln Marathon Staffel gelaufen. Und letztes Jahr ist Erik beim New York City Marathon mitgelaufen. Er kam zurück und war begeistert. Da kam ihm die Idee, eine Laufreise zu organisieren. Und ich wollte schon immer mal an einer Laufreise teilnehmen. Erik schickte eine Mail an die Mitglieder des Clubs und fragte, wer Lust hätte nach New York zu reisen, um am Halbmarathon teilzunehmen. Es wurde eine Liste ausgelegt und alle Interessierten konnten sich eintragen. Jetzt fahren 32 LäuferInnen nächstes Jahr im März zum New York City Halbmarathon. Und ich bin dabei!“.

Aller Anfang ist schwer

Von der Haltestelle aus läuft die Gruppe in Richtung Rodenkirchener Brücke. Astrid gibt lachend zu: „Weißt du noch, Tobi, als ich angefangen habe, musste ich nach 200 Metern Pause machen und gehen?“. Ja, der Trainer Tobi erinnert sich: „Aber jetzt läufst du knapp 7,5 km.“. Er selbst läuft seit vier Jahren mit der Gruppe mit. Und außer ihm auch noch andere Herren. Aber an diesem Tag sind die Ladies unter sich, abgesehen von den Trainern Tobi und Timo. Beide studieren Sport und sind zusätzlich als Trainer tätig. „Ich war vorher in einem anderen Studio. Hier gefällt mir besonders, dass es so persönlich und familiär ist. Hier kenne ich alle Namen und weiß auch viel über den Alltag der Leute. Da fällt es uns leichter, die Trainings in den Alltag mit einzubauen.“

 

„Am angefang musste ich nach 200 Metern Pause machen und gehen“.

 

Die Gruppe läuft über die Brücke. Am anderen Ende trennen sie sich. Tobi läuft mit einem Teil der Gruppe eine längere Strecke und Tobi begleitet den anderen Teil der Gruppe einen etwas kürzeren Parcours und legt an den Treppen noch eine besondere Ausdauereinheit ein. Die Strecke führt durch einen Wald und am Campingplatz vorbei. Über die Südbrücke geht es zurück zu der Haltestelle. Knapp eine Stunde dauert die Strecke insgesamt.

„Die ganze Stadt ist dabei“

Erik ist letztes Jahr im November in New York City den Marathon gelaufen. „Im November gibt es immer den Marathon in New York und im März den Halbmarathon. Ich habe mir letztes Jahr einen Traum erfüllt. In New York zu laufen, ist einfach gigantisch! Vor dem Start wurde die Nationalhymne gespielt und als es losging hat Frank Sinatra ‚New York, New York’ gesungen. Die Stimmung kann man gar nicht beschreiben. Es gab strahlend blauen Himmel. Wir hatten echt Glück mit dem Wetter. Und überall am Straßenrand standen Menschen und jubelten.  Auch viele Familien. Und alle reichen dir Wasserbecher und Küchenrolle. Die ganze Stadt ist dabei. Als wir ankamen gab es eine große Party und viel Live-Musik. Die Amis verstehen es einfach Sportveranstaltungen zu organisieren. Und der NYC Marathon ist perfekt organisiert“.

 

Dieses überwältigende Gefühl und diese Erfahrung wollte Erik gerne in einer Gruppe teilen. So entstand die Idee, am Halbmarathon teilzunehmen. Aber auch Deutschland hat natürlich reizvolle Marathon anzubieten. So wartet Erik nicht bis März und New York. Noch bevor er am Köln Marathon teilnimmt, läuft er in Berlin. Er geht eben mit gutem Beispiel voran. Sein Ziel? Unter 3 Stunden ins Ziel laufen!

„Ich brauchte den Kontakt zu meinem Körper“

Laufen und überhaupt jeder Sport macht nicht nur Spaß sondern hält natürlich auch fit und gesund. Astrid schwört darauf. Kurz bevor sie sich vor zwei Jahren dazu entschieden hat, Mitglied im Club von Erik zu werden, hatte sie eine schwere Diagnose bekommen – Brustkrebs. Sie hatte das Gefühl, dass sie gerade jetzt etwas für ihren Körper tun musste: „Der Sport war mir sehr wichtig. Es ist für mich teuer. Aber das hat Priorität für mich. Andere kaufen sich ein Auto, gehen ins Restaurant oder kaufen Klamotten. Ich leiste mir das.

 

Ich brauchte nach der Diagnose den Kontakt zu meinem Körper. Ich besprach das mit Erik und sagte, dass ich nicht wisse, wie regelmäßig oder intensiv ich trainieren könne. Er war sofort für mich da und ganz zuversichtlich. Er sagte, wir finden auf alle Fälle etwas für dich, egal, was es ist. Und so war es auch. Er hat mich wahnsinnig unterstützt. Sport ist sehr wichtig für unsere Gesundheit. 4 Stunden die Woche reichen aus. Viele fangen aus gesundheitlichen Gründen an. Bei Erik im Club wird man sehr gut betreut.  Es ist sehr familiär. Es ist nicht so groß und so voll. Jeder bekommt seinen eigenen Schlüssel und kann kommen und gehen, wie es passt.

 

Viele fangen aus gesundheitlichen Gründen an.

 

Wenn man mal zwei Wochen nicht da ist, kriegt man eine SMS. Wo bist du? Was ist los? Nach meiner Brust-OP war Erik der Erste, der eine SMS geschickt hat.“. Dieses familiäre Gefühl kennt auch Martina von Erik und seinem Team. Auch sie hat schon die SMS mit ‚Wo bist du?’ erhalten:  „Nach dem Köln Marathon letztes Jahr haben wir alle zusammen gefeiert, dass alle ins Ziel gekommen sind – mit Pizza!“.

Die Vorbereitung auf den Halbmarathon ist hart. Sie will auch dieses Jahr beim Köln Marathon Staffel laufen und freut sich sehr auf New York. Astrid fährt nicht mit, sie schafft die 21 km noch nicht.

 

Text: Aslı Güleryüz

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