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Kultur

Märchenstunde trifft Steam-Punk – Rumpelstilzchen im Metropol Theater

Dienstag, 27. November 2018 | Text: Evelyn Maria Denda | Bild: Evelyn Maria Denda

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Als Kind habe ich die Grimmschen Märchen geliebt – und Ausflüge in den Märchenwald gehörten zum wochenendlichen Pflichtprogramm. Seitdem ist viel Zeit vergangen – doch die Liebe zu den Märchen konnte sich das Kind in mir erhalten. Das Metropol Theater im Veedel schafft mit seiner Inszenierung von „Rumpelstilzchen. Kein Kindermärchen“ (Regie: Matthias Brandebusemeyer), der Erzählung ein völlig neues Gewand zu geben. Und zeigt, dass Märchen keineswegs nur zum Kindern Vorlesen sind. Meinesuedstadt war zu Gast im Metropol Theater. Bei wahrhaft Augen- und Ohrenschmaus in der Erzählung, wie die Müllers-Tochter an den König verkauft wird und aus Stroh Gold spinnen soll.

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Steam-Punk trifft Märchen – Da bleibt kein Krönchen gerade

Schon die Spielstätte ist wie gemacht für das Setting: Das Kellergewölbe wirkt wie ein Ort, der aus einem Märchenbuch entsprungen ist. Während Bühne und Zuschauerraum noch hinter einem Vorhang verborgen sind, warten die Zuschauer bei französischen Chansonklängen und einem kleinen, aber feinen Getränkeangebot an der Bar darauf, dass es los geht.

Für die nächsten 75 Minuten sind dann alle Teil der Märchenwelt: Die ebenerdige Bühne zieht von Anfang an mitten ins Geschehen. Die gut zwanzig ZuschauerInnen, alle Altersklassen sind vertreten, lassen sich sofort vom Bühnengeschehen mitreißen.
Die Dialoge zwischen König (Manuel Rittich) und des Müllers Tochter (Mareike Marx) schaffen von Anfang an, Elemente aus dem Ursprungsmärchen mit Wortwitz, Sarkasmus und aktuellen Thesen zu unser aller Wertesystem so zu vermischen, dass sich ein rundherum stimmiges Bild ergibt. Das Gleiche trifft auch für die Kostüme der Schauspieler zu. Während Müllers Tochter in ihrem Kostüm wie geradewegs aus dem Märchenbuch gefallen wirkt, ist der König mit allen Facetten eines Steam Punks ausgestattet. Inwieweit sich auch die Müllerin im Verlauf des Stücks innerlich und äußerlich wandelt, dass sei hier noch nicht verraten. Nur so viel: Zwei Welten treffen aufeinander, die der Wunsch, (weiter) hoch hinaus zu kommen, verbindet. Und damit wirft das Stück aktuelle Fragen nach dem Wert eines Menschen auf.

Was ist er wert, der Mensch?

So stellt die Müllers Tochter zwar fest, dass man niemanden verkaufen könne, als sei er eine Ware, stellt sich aber dann schnell selbst die Frage, ob sie bei ihrem Verkauf wohl ein Wertobjekt oder ein Restposten gewesen war. Mit solchen Sequenzen, die nahtlos in den traditionellen Märchen-Handlungsverlauf eingebettet sind, gelingt es dem Stück, zu bewegen, ohne „moralischen Zeigefinger“ zu erheben. Die Zuschauersympathie schwankt zwischen Mitleid, Verständnis, Zweifel und Unverständnis – wie weit würden wir gehen, um die eigene Situation zu verbessern? Was sind die Werte, die wir niemals aufgeben würden? Welche Werte „muss man sich leisten können“? – Diese Fragen stellt man sich im Verlauf des Stückes mehrmals und zu welcher Antwort man kommt, kann gut nach dem Theaterabend diskutiert werden.

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Wenn aus Stroh Gold wird

Treibendes Element der gesamten Handlung ist die Aufgabe, die der König der Müllers-Tochter stellt – genau, jeder Märchenkenner weiß: Sie soll Stroh zu Gold spinnen, um sich ihre Position am Hof zu sichern. Die Realitätsferne, die ein solches Vorhaben zeigt, wird im Stück selbst demaskiert und Rumpelstilzchen ist auch (k)ein Retter in der Not…
Begleitet von stroboskopischem Licht betritt, oder vielmehr: Erobert das Rumpelstilzchen (Jan Kaerlein begeistert hier mit starkem Ausdruck) mehr als einmal die Bühne. Stimmgewaltig, athletisch und gruseliger, als jede Märchenverfilmung es leisten könnte. Inwieweit es ihm gelingt, Stroh in Gold zu verwandeln, ob es ihm gelingt, der Müllerin ihr Kind zu entwenden und – die Frage der Fragen – ob und wie die Müllerin seinen Namen erraten wird, das lassen wir hier offen. Verraten sei nur, dass der Begriff ‚märchenhaft‘ ein vollkommen neues Gewand bekommt. Zurecht handelt es sich um „Kein Kindermärchen“.

Abwechslung von vorweihnachtlicher Idylle gefragt?

Falls auch Ihr ein bisschen Abwechslung vom vorweihnachtlichen KlingKlang und Gemütlichkeitstreiben wollt – das Stück wird nochmal am 28., 29. und 30. November gegeben. Und im kommenden Jahr gibt es dann ein neues „Kein Kindermärchen“ – wir sind gespannt.

Text: Evelyn Maria Denda

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