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Kultur

Mondberge

Dienstag, 13. November 2012 | Text: Jörg-Christian Schillmöller | Bild: Stephan Martin Meyer

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Eigentlich wollte er auf dieser Reise für seinen ersten Roman recherchieren: Unser Autor Stephan Martin Meyer ist vor einiger Zeit für den gerade erschienenen Afrika-Thriller „Mondberge“ nach Uganda gereist – und nach drei Tagen im Nebel des Ruwenzori-Gebirges höhenkrank geworden. Dem Buch hat es nicht geschadet: „Mondberge“ ist ein spannender, politischer und mystischer Krimi über eine Reisegruppe geworden, die im Ruwenzori von Rebellen entführt wird. Berg-Gorillas inklusive.

Meine Südstadt: Stephan, wie wird man höhenkrank?
Stephan Martin Meyer: „Wir sind zuerst von Brüssel nach Entebbe geflogen, das ist ein reicher Vorort der Hauptstadt Kampala, in dem auch der Flughafen liegt. Danach sind wir dann einen Tag lang durch das Land gereist, vom Victoriasee an die Grenze zum Kongo.“

Genau wie die Reisegruppe im Buch.
„Stimmt. Nur dass meine Wanderroute dann eine andere war. Wir haben auf 1.600 Metern begonnen und sind gleich am ersten Tag innerhalb von acht Stunden weitere 1.600 Meter gestiegen, bis zum Camp auf 3.200 Metern Höhe.“

Klingt anstrengend.
„Es ist vor allem das Klima. In dieser Region von Uganda ist es sehr feucht. Unten im Tal herrscht so ein warmes Dschungelklima, oben wird es kälter, aber es bleibt feucht.“

Woran hast Du gemerkt, dass es nicht mehr ging?
„Am dritten Wandertag habe ich schlapp gemacht. Ich hatte nicht gut geschlafen in der Höhenluft, die über 3.000 Meter nur noch ein Drittel des normalen Sauerstoffgehaltes hat. Mir wurde schwindlig, und ich bin dann mit einem unserer Guides hinter der Gruppe hergelaufen. Das Schlimmste war, dass ich mich nicht mehr konzentrieren konnte. Ich hatte so einen Tunnelblick und keine Augen mehr für die Landschaft. Ich bekam genau die Symptome, über die ich vorher gelesen hatte.“

Ärgerlich.
„Ja, und ich war einer der Jüngsten in der Gruppe. Wir waren ungefähr 30 Personen: acht Reisende, drei Guides und an die 20 Träger, weil man alles, auch die Lebensmittel, selbst in das Gebirge mitnehmen muss.“

Und dann musstest Du abbrechen.
„Das haben die Guides entschieden, also dass ich nicht mehr weiterdurfte. Ich bin dann mit einem von ihnen und zwei Trägern abgebogen und wieder ins Tal gewandert. Es ging mir schnell besser.“

Fehlte Dir durch den Abbruch nicht etwas Wesentliches, also die Erfahrung des Gebirges, in dem das Buch spielt?
„Erstmal hat natürlich mein Co-Autor Andreas Klotz mir viel beschrieben, er war ja auch mehrmals dort. Und ich habe meine eigenen Erfahrungen in den Roman einfließen lassen. In dem Buch wird die Figur des Tom höhenkrank, allerdings schwerer als ich.“

 


In dieser Landschaft der Ruwenzori-Gebirges wird die Vorstellung von den Geistern der Mondberge real.

 

Ganz klar: Die Geister des Ruwenzori, von denen in dem Roman oft die Rede ist, haben Deinen Aufstieg verhindert.
„Das kann man so sehen (er lacht). Aber sie haben mir auch eine Erfahrung geboten, die ich sonst nicht gemacht hätte: Ich konnte unten in Kilembe drei Tage im Backpacker-Hotel wohnen und in die ugandische Gesellschaft eintauchen. Das waren vielleicht die spannendsten Tage.“

Wie kommt ein Kölner an einen Roman aus Uganda?
„Andreas Klotz hat mich gefragt. Und ich war noch nie in Afrika.“

Hattest Du dann nicht erst recht Ehrfurcht davor, über etwas zu schreiben, das Du kaum kennst?
„Ich kann mich gut in Dinge hineinarbeiten. Ich habe mich mit einer Afrikanistik-Professorin in Köln getroffen und viele Bücher gelesen und Filme gesehen, zum Beispiel ,Der letzte König von Schottland‘, ,Gorillas im Nebel‘ und die dazugehörige Dokumentation über die Gorilla-Forscherin Dian Fossey.“

In dem Buch geht es auch um indigene Volksgruppen, die zurückgezogen im Ruwenzori leben: Realität oder Fiktion?
„Die Bayira leben tatsächlich in der Region des Ruwenzori, in Kongo ebenso wie in Uganda. Nach der Unabhängigkeit Ugandas in den Sechziger Jahren gab es Bestrebungen, diese alten Königreiche zumindest symbolisch wieder mit repräsentativen Befugnissen auszustatten. Das betraf zum Beispiel die Volksgruppe der Tooro. Denen wurden die Bayira zugeschlagen, sehr zu deren Unmut. Es gab einen aktiven Widerstand dagegen, der später auch militärisch wurde. Ein anderer Teil der Bayira aber zog sich tatsächlich in den Ruwenzori zurück und praktizierte eine autarke, autonome Lebensform, unabhängig von der Welt. Viele Stämme sind später zurückgekehrt in den Alltag, aber theoretisch könnte es noch eine Splittergruppe geben, ganz tief im Ruwenzori.“

In einem geheimnisvollen Tal wie in Deinem Buch.
?„Das ist Fiktion. Aber es gleitet so hinüber aus den Fakten in das, was sein könnte.“
Was ist jetzt mit den Geistern?

??„Das ist Volksglaube. In Ostafrika sind Naturreligionen noch sehr verbreitet. Der Glaube besagt, dass die Vorfahren eben noch unter uns sind, uns beschützen. Es gibt bestimmt 20 unterschiedliche Geister mit unterschiedlichen Funktionen. Die Namen der Geister im Buch sind insofern real.“

Es geht auch um Kindersoldaten und um Rebellen. Ist es ein politisches Buch?
„Ja, unter anderem. In der Region werden Menschen unter unmenschlichen Bedingungen wie Sklaven gehalten, etwa in den Koltan-Minen, oder als Kindersoldaten. Und in Stuttgart läuft gerade der Prozess gegen Ignace Murwanashyaka. Er ist Hutu und Anführer der FDLR, einer ruandischen Rebellengruppe. Er hat in Mannheim gelebt, er hat Familie – und es gibt die Anschuldigung, dass er von Deutschland aus Kriegsverbrechen im Kongo mitbefohlen hat. Per SMS. Der Wortlaut einer SMS, der auch in unserem Roman auftaucht, ist belegt: ,Verursacht eine humanitäre Katastrophe. Löscht das Dorf aus.‘ Das war angeblich ein Befehl von Ignace Murwanashyaka. Mir geht es auch darum, dass diese Leute unbehelligt unter uns leben.“

In dem Roman herrscht dauernd Nebel. Musste das sein?

??„Die Realität ist neblig (er lacht). Wenn man sich den Ruwenzori von oben anschaut bei Google Earth, dann sieht man nichts außer Wolken. Es ist fast immer neblig. Selbst wenn es ein klarer Tag ist: Das kann sich in einer halben Stunde ändern.“

Ein dankbares dramaturgisches Element.
„In dem Nebel lässt sich tatsächlich viel verstecken. Ich glaube nicht an Gott und Geister, aber in diesem Nebel, den ich dort erlebt habe, konnte ich mir das unglaublich gut vorstellen, dass es dort eine Existenz oberhalb meiner Wahrnehmung gibt. Wenn, dann dort.“

Und nicht, sagen wir, in der Eifel.
„Nein, weil man dort immer wieder die Zivilisation wahrnehmen würde. Da gibt es klare Wege, vielleicht eine Bank, einen markierten Aussichtspunkt. Im Ruwenzori gibt es das nicht. Man darf da auch nicht allein hinein. Erstens weil es ein Nationalpark ist, und zweitens, weil man die Wege erst gar nicht findet.“

Vielen Dank, Stephan.

Der Roman „Mondberge“ von Andreas Klotz und Stephan Martin Meyer ist im TiPP 4 Verlag Rheinbach erschienen und kostet 16,90 Euro.

www.mondberge.de

 

 

Stephan Martin Meyer hat auch ein Reisebericht für „Meine Südstadt“ direkt nach seine Rückkehr geschrieben, hier lesen Sie Teil I und II.

Text: Jörg-Christian Schillmöller

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