×
In eigener Sache

Dir gefällt unsere Arbeit?

meinesuedstadt.de finanziert sich durch Partnerprofile und Werbung. Beide Einnahmequellen sind in den letzten Monaten stark zurückgegangen.
Solltest Du unsere unabhängige Berichterstattung schätzen, kannst Du uns mit einer kleinen Spende unterstützen.

Paypal - danke@meinesuedstadt.de

Aufgeschnappt: Hoher Besuch im Vringstreff – das Dreigestirn kütt +++ Auch 2022 heißt es wieder „eins zum anderen“ +++ Gotland für Gotland e.V. in Direktvergabe +++ Neueröffnung: Aus Kabul wird S-Bar +++ Neueröffnung: Café SchnickSchnack +++

Kultur

Perlen für die Ohren

Sonntag, 24. Oktober 2010 | Text: Reinhard Lüke | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Mit seinem Label „Meyer Records“ produziert Musik- und Schallplatten-Liebhaber Werner Meyer Schallplatten für Musik- und Schallplatten-Liebhaber. Schallplatten heißen Blue Note, Nonesuch, Glitterhouse oder Rough Trade. Von mir aus auch noch Ariola oder Sony. Jedenfalls nicht Meyer. Und wenn man dann doch eine Produktion einer Firma namens Meyer Records in den Händen hält, denkt man, dass so ein Label-Name eigentlich doch nur einer Schnapsidee entsprungen sein kann oder als dick aufgetragenes Understatement gemeint ist.
„Weder noch“, sagt Werner Meyer und nippt in seinem Büro am Kaffee. „Der Name ist aus purer Not geboren. Nachdem ich mir tagelang alle möglichen Phantasienamen ausgedacht hatte und die Dame von der Registrierungsstelle am Telefon bei jeder Nennung „Gibt´s schon“ sagte, hab´ ich dann eher aus Spaß gefragt, wie es denn mit „Meyer“ aussehe. Meyer Records gab´s noch nicht. Natürlich nicht. Aber seit 2005 gibt es sie eben doch. Von der audiophilen Fachpresse in höchsten Tönen gerühmt, macht Werner Meyer Platten, die vermutlich nie in irgendwelchen Hitparaden auftauchen, weil sie vor allem ihm selbst gefallen müssen. Und der Musikgeschmack des 51jährigen ist so breit gefächert wie eigenwillig. So finden sich in seinem Katalog Singer/Songwriter wie Robert Coyne (Sohn des legendären, 2004 verstorbenen Kevin Coyne) oder der New Yorker Poet Eric Anderson, die Schweizer Chanson-Interpretin Esther Fellner, aber auch Salonmusik der Schmonzetten, die Jazz-Funk-Soul-Truppe The Flying Groove Cowboys oder die Sopranistin Lilia Milek, die, unterstützt vom Markus Reinhardt Ensemble, Männer(!)-Arien interpretiert. Und dann existiert da noch so etwas wie eine Schweden-Connection bei Meyer Records. Nun hat der Normalsterbliche von (im weitesten Sinne) Pop aus Schweden seit den Zeiten von Abba nichts mehr gehört, aber Werner Meyer hat gleich mehrere Künstler aus dem Land von Wasa, H & M und Ikea unter Vertrag. Darunter Jan Erik Lundqvist, der mit rauchiger Stimme Songs von Leonard Cohen auf Schwedisch interpretiert. Wie kommt man auf so einen? „Zufall“, sagt Meyer. „Irgendwo hab´ ich mal ein Lied von ihm gehört und ihm daraufhin geschrieben. Daraus ist eine Brieffreundschaft entstanden. Bis wir uns zum ersten Mal getroffen und über eine Plattenproduktion geredet haben, hat es geraume Zeit gedauert.“ Überhaupt scheint der etwas andere Plattenboss mit all seinen Künstlern privat befreundet zu sein. Wenn er von gemeinsamen Abenden am Küchentisch in seinem Haus im Kölner Süden erzählt, klingt das zumindest weit mehr nach Wahlverwandtschaft denn nach einem Arbeitsverhältnis.

Werner Meyer - Platenproduzent, Fotograf und GrafikerWie kommt man denn überhaupt auf die Idee, ein eigenes Label zu gründen? Auf den geäußerten Verdacht, dass es beim dem Repertoire kaum ums große Geldverdienen gehen kann, hat Meyer nur ein müdes Lächeln übrig. Auch wenn durch die Zusammenarbeit mit einer größeren Vertriebsfirma dafür sorgt, dass die Scheiben inzwischen auch bei Discountern wie Saturn zu haben sind, reich wird man mit so was nicht. Hier produziert eher ein Liebhaber für Liebhaber. So erscheinen sämtliche der audiophilen Produktionen von Meyer-Records auf Vinyl. Und nicht auf irgendwelchen Labberscheiben, sondern auf schweren 180-Gramm-Platten. Was unter Kennern als die Königsklasse des Hörgenusses klingt. Dass es (fast) alle Einspielungen auch auf CD zu kaufen gibt, ist eher ein Zugeständnis an den digitalen Zeitgeist und den Umstand, dass selbst viele Musikinteressierte ihre Plattenspieler längst auf den Müll geworfen haben. Dazu kommen ebenso aufwändig wie liebevoll gestaltete Klapp-Cover, die Werner Meyer selbst designt. Und auch die meisten Fotos darauf stammen von ihm. Was nicht nur die Kosten senkt, sondern auch nahe liegt. Denn als Broterwerb betreibt Meyer zusammen mit seiner Frau, Petra Münchrath, ein Graphik-Design-Studio und darüber hinaus ist er auch noch als Fotograf für Theater wie  Comedia und Der Keller unterwegs. Und im Theater in der Kleingedankstraße kam ihm damals auch die Idee mit dem Platten-Label. „Es war bei einer Abschlussinszenierung der Schauspielklasse von „Frühlingserwachen“ 2004“, erinnert er sich, „als Schauspielerin Anna Sittler auf der Bühne zur Gitarre ein Lied sang. Ein magischer Moment für mich und weil ich es schade fand, solche Momente nicht festhalten zu können, kam ich auf die Idee mit dem Label.“ Mit Anna Sittler hat Meyer inzwischen mehrere Songs aufgenommen und auch dem Theater Der Keller ist er auch als Produzent bis heute treu geblieben. Seit der Spielzeit 2007/08 präsentiert Meyer-Records zusammen mit dem Theater jeweils am letzten Montag des Monats Konzerte mit Musikern des Labels. Als Moderator fungiert dabei regelmäßig die Blues-Ikone Richard Bargel, der unter Blues-Fans in aller Welt vermutlich bekannter ist als in der Kölner Südstadt. Neben Solo-Einspielungen sorgte der Sänger und Gitarrist zusammen mit dem Ex-BAP-Gitarristen Klaus `Major` Heuser auch für den bisherigen Bestseller von Meyer-Records. Der mitreißende Mitschnitt eines Keller-Konzertes vom Februar dieses Jahres verkaufte sich unter dem Titel „Richard Bargel Live w/ Major Heuser & Band“ verkaufte sich binnen der ersten drei Wochen nach Erscheinen rund 2000 Mal als CD. Dass dazu noch 500 Vinyl-Exemplare über die Theke gingen, macht den Schallplatten-Liebhaber Werner Meyer zwar auch nicht reich, aber doch ein bisschen stolz. Noch was, worauf er besonders stolz ist. Meyer denkt kurz nach und fingert sich eine HB aus der Schachtel. „Ja, auf die Aufnahme mit Willy deVille“, sagt er dann. „Mein Freund, der Filmemacher  Diethard Küster, hat unter dem Titel „Beautiful Losers“ eine Dokumentation über mehrere Musiker gedreht. Darunter auch Willy deVille. Darin spielt der inzwischen verstorbene, große alte Mann des weißen Südstaaten-Blues zusammen mit dem Gitarristen Freddy Koella  „The Ballad of Jesse James“. Die Aufnahme entstand nachts in einer Bar in New Orleans, die später bei der Hurrikan-Katastrophe 2005 zerstört wurde. Den Track gibt es weltweit exklusiv auf dem Sampler „Meyer Records Vol 2“. Darauf bin ich schon stolz.“

Heute Abend (25.10) steht im Theater der Keller der Kölner Sänger und Gitarrist Udo Schild auf der Bühne, der seine Songs mit Elementen aus Folk, Jazz und Soul verbindet. Beginn: 20:00 Uhr. Infos, Katalog und Hörbeispiele zu Meyer Records unter www.meyerrecords.com

 

Text: Reinhard Lüke

In eigener Sache

Dir gefällt unsere Arbeit?

meinesuedstadt.de finanziert sich durch Partnerprofile und Werbung. Beide Einnahmequellen sind in den letzten Monaten stark zurückgegangen.

Solltest Du unsere unabhängige Berichterstattung schätzen, kannst Du uns mit einer kleinen Spende unterstützen.

Paypal - danke@meinesuedstadt.de

Artikel kommentieren

Ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen. Ich stimme zu, dass meine Angaben und Daten zur Beantwortung meiner Anfrage elektronisch erhoben und gespeichert werden. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per E-Mail an kontaktnoSpam@meinesuedstadt.de widerrufen.

Meine Südstadt Partner

Alle Partner

Meine Südstadt Service


Parkstadt Süd

Parkstadt Süd – Info-Homepage der Stadt ist online

Eifelwall wird für Autoverkehr gesperrt

Parkstadt Süd: Stadtteilbüro öffnet

Aufgeschnappt

Hoher Besuch im Vringstreff – das Dreigestirn kütt

Auch 2022 heißt es wieder „eins zum anderen“

Gotland für Gotland e.V. in Direktvergabe

Die Südstadt auf Instagram.