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Gesellschaft

Rückblick voraus 20/21: Reker, Woelki – Und Gott ist auch nicht unbeteiligt

Montag, 4. Januar 2021 | Text: Stefan Rahmann | Bild: Stefan Rahmann

Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten

Wer jetzt noch lacht, der hat Reserven? Ich weiß nicht, wie es Euch geht. Ich bin jedenfalls heilfroh darüber, dass es so gekommen ist, wie es gekommen ist. Wir haben nämlich alles in allem echt Schwein gehabt. Nicht auszudenken, das Virus hätte sich während der tollen Tage bei uns ähnlich intensiv verbreitet wie im nicht allzu weit entfernten Heinsberg. Während dort ab Mitte Februar die Zahl der Infizierten nach einer Karnevalssitzung sprunghaft stieg, feierten wir beim Rosenmontagszug am 24. Februar so ausgelassen wie immer. Ernst wurde es sechs Wochen später. Während der ersten Welle waren am 1. April tagesaktuell 886 Kölnerinnen und Kölner infiziert, 3.000 waren es am 1. November zur Hochzeit der zweiten Welle. Danach sank die Zahl auf 1590 am 3. Januar. 345 Kölner und Kölner sind an Corona gestorben. Insgesamt haben sich rund 25.000 Kölnerinnen und Kölner mit dem Virus infiziert. Die Gefahr einer Überlastung des Gesundheitswesens bestand nicht. Es wurden sogar Patienten aus Italien und Frankreich auf Kölner Intensivstationen behandelt.

Auch bei Gottesdiensten war Abstand die neue Nähe.

Wir haben im vergangenen Jahr unseren Sprachschatz erweitert. Warteten wir anfangs auf die Herdenimmunität nach Durchseuchung der Kohorte, verlassen wir uns jetzt auf FFP2-Masken und PCR-Tests. Bei FFP2 hätte man vor einem Jahr wahrscheinlich noch auf einen russischen Mittelstreckenraketen-Typ getippt. Jetzt harren wir alle geduldig der zwei Spritzen. Ende Januar sollen die Bewohnerinnen und Bewohner von Altenheimen geimpft sein. Ich fürchte, das alles zieht sich noch ganz schön hin.

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Und deshalb ist in Sachen Karneval jetzt erstmal Schluss mit lustig. Der Elfte im Elften, sonst Auftakt der fünften Jahreszeit, war ein Tag wie jeder andere. Der Appell von Stadtverwaltung und Festkomitee Kölner Karneval war eindeutig: „Bleibt zu Hause“. Und die Kölnerinnen und Kölner folgten der Aufforderung. Schweren Herzens. Und es wird erst einmal so bleiben: Sitzungen der Karnevalsgesellschaften, Weiberfastnacht und der Rosenmontagszug sind allesamt abgesagt.

Grüne stärkste Partei in Köln

Angesagt sind derzeit die Grünen. Die wurden bei der Kommunalwahl am 13. September erstmals stärkste Partei in Köln. Sie erreichten 28,5 Prozent der Stimmen. CDU und SPD kamen auf jeweils 21,5 Prozent. Damit besetzen Grüne und CDU 45 der 90 Ratssitze und hätten mit der Stimme der Oberbürgermeisterin eine hauchdünne Mehrheit.

Überlebensgroß auf einer Fassade an der Severinsbrücke: Die OB.

Fest im Sattel sitzt die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker nach ihrem Sieg bei der Stichwahl Ende September. Mit 59 Prozent der Stimmen distanzierte sie ihren Konkurrenten Andreas Kossiski von der SPD deutlich. Der kam auf knapp 41 Prozent. Reker wird auch weiterhin von einem Bündnis aus CDU und Grünen unterstützt. Zurzeit verhandeln Vertreterinnen und Vertreter beider Parteien über eine Zusammenarbeit. Auch die Partei Volt, die vier Sitze im Rat errang, ist mit im Boot. Mit einem Ergebnis der Verhandlungen wird nicht vor Februar gerechnet. In der vorherigen Ratsperiode waren die Grünen der kleinere Partner in einem schwarz-grünen Bündnis. Das hat sich gedreht. Die Aufsichtsratsposten in den städtischen Gesellschaften hat man den neuen Mehrheitsverhältnissen im Rat entsprechend bereits verteilt. Was Grün-Schwarz für die Südstadt bedeutet, bleibt abzuwarten.

Andreas Hupke einstimmig wiedergewählt

Die Grünen haben jetzt in der für unser Veedel wichtigen Bezirksvertretung Innenstadt acht von 19 Mandaten. Jeweils drei Vertreter gehören der SPD und der CDU an, zwei entsenden die Linken, und die FDP, die Klimafreunde und Die Partei sind mit jeweils einer Person vertreten. Einstimmig zum Bezirksbürgermeister wählte die Bezirksvertretung Andreas Hupke von den Grünen.

Andreas Hupke (l.) vor Ort und in seinem Element. Hier in der Baugrube der Roten Funken mit deren Präsi Heinz-Günther Hunold an der Ulrepforte.

Das kann man bis auf Widerruf als gutes Zeichen für ein gedeihliches Miteinander der Fraktionen in Zukunft werten. Bewegung sollte in den kommenden Jahren kommen in Sachen Fußgängerzone Severinstraße. Vorher dran sind allerdings die Breite Straße und die Ehrenstraße. Das Milieu soll mit Satzungen geschützt werden, bezahlbare Mieten sollen mit einer Erhöhung des Anteils geförderter Wohnungen von 30 auf 50 Prozent über das Kooperative Baulandmodell erreicht werden. Die Grünen in der Bezirksvertretung wollen auch anregen, dass bei der Kölsch-Herstellung möglichst bald auf die Zugabe von Glyphosat verzichtet wird. Das scheint auf jeden Fall kurzfristig mehrheitsfähig.

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An Glyphosat im Kölsch lag es wahrscheinlich nicht, dass der Kardinal am Jahresende aufgrund seiner Äußerungen im öffentlichen Ansehen aus dem Gleichgewicht geriet. Seine Exzellenz Erzbischof Rainer Maria Woelki hatte zunächst schonungslos offene Aufklärung aller Missbrauchsfälle im Bistum mit Namensnennung der Täter gefordert und bei der Münchner Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl ein entsprechendes Gutachten in Auftrag gegeben. Das hält Woelki jedoch wegen „durchgreifender methodischer Mängel“, wie er sagt, unter Verschluss. Stattdessen soll der Kölner Strafrechtsexperte Björn Gercke bis März ein neues Gutachten erstellen. Dem Kardinal wird von seinen Kritikern insbesondere vorgehalten, dass er den Fall eines Pfarrers, der ein Kind missbraucht hatte, nicht beim Heiligen Stuhl in Rom gemeldet hat.

Der Kardinal hat weiß Gott ein turbulentes Jahr hinter sich.

Für Irritationen sorgte Woelki dann am Jahresende während der Christmette mit einer Entschuldigung. Er entschuldigte sich allerdings nicht für eigenes Fehlverhalten, sondern dafür, dass die Gläubigen aushalten müssten, dass ihr Oberhirte kritisiert wird. Auf den Fußball übertragen ist das so, als würde FC-Torwart Timo Horn – Gott behüte – in der ersten Halbzeit acht Stück kriegen, davon sieben klar Haltbare, sich anschließend vor die Kameras stellen und um Verzeihung bitten. Aber nicht für seine Leistung und die krachende Niederlage, sondern dafür, dass seine Fans ertragen müssten, dass er als Nummer eins des FC in Frage gestellt wird. Jetzt wartet die Öffentlichkeit auf das Gercke-Gutachten. Und den Umgang des Erzbischofs damit.

Am Archiv, da tut sich was

Es tut sich was an der Einsturzstelle des Stadtarchivs. Die Erleichterung auf dem Podium war mit Händen zu greifen, als Oberbürgermeisterin Henriette Reker im Juni bei einer Pressekonferenz den Vergleich vorstellte, den die Stadt mit der Arge Los-Süd ausgehandelt hatte. 600 Millionen Euro bekommt die Stadt von den in der Arge zusammengeschlossenen Firmen, die am Bau des Gleiswechsel-Bauwerks am Waidmarkt und damit am Einsturz des Stadtarchivs beteiligt waren. Der Rat hat den Vergleich mit großer Mehrheit gebilligt. Henriette Reker hatte am Tag vor der Pressekonferenz den Vertrag unterzeichnet. „Die Kämmerin noch nicht. Die muss erst die richtige Kontonummer raussuchen. So viel Geld bekommen wir ja auch nicht oft.“

Bergungsarbeiten nach dem Einsturz des Archivs.

Mit dem Vergleich sei der Weg frei für den Weiterbau der Nord-Süd-Bahn. „Damit vermeiden wir ein jahrelanges Ringen vor Gericht und wir müssen kein Risiko eingehen. Denn wie die Gerichte entscheiden, weiß man ja vorher nicht.“ Weiterbau heißt für die Südstadt, dass die Severinstraße vor dem Friedrich-Wilhelm-Gymnasium bis auf Weiteres nur für Fußgänger und Radfahrer, die schieben, passierbar ist. Und in der Grube wird daran gearbeitet, dass irgendwann die U-Bahn auch tatsächlich fährt. Vielleicht sogar schon 2027.

„Ring frei“ gilt jetzt auch auf dem Ubierring

„Ring frei“ heißt es seit dem vergangenen Jahr auch auf dem Ubierring. Dem Südstädter Reinhold Goss und vielen Mitstreitern und –streiterinnen ist es zu verdanken, dass die Verwaltung auf immer mehr Abschnitten der Ringe Autospuren in Radspuren umwandelt. Der Zusammenbruch des Verkehrs blieb aus. Die Umwandlungen werden in 2021 weitergehen.

Ring frei auf dem Ubierring: Bei Rot schon sehr frei interpretiert.

Und auf der Nord-Süd-Fahrt auch. Gespannt darf man sein auf die Lösungen am Barbarossaplatz und am Tunnel unter dem Kaufhaus Peek und Cloppenburg. Ob mit der Verlängerung der Nord-Süd-Bahn über die Bonner Straße bis zum Verteiler in diesem Jahr begonnen wird, weiß Gott allein. Aber zu dem später mehr. Aber nicht nur die Radwege sind Kölns Antwort auf den Klimawandel. Der ist nämlich auch Grund für den Abbau des letzten Hundeklos der Stadt. Das findet man An der Eiche. Aber nicht mehr lange. Die Verwaltung teilt mit: „In den immer heißer werdenden Sommermonaten häufen sich mittlerweile die Beschwerden der Anwohner, weil der auftretende Gestank durch Hundekot unerträglich ist.“

„Obdachlose mit Zukunft“ ziehen um

Die „Obdachlosen mit Zukunft“ (OMZ) haben eine, auch wenn sie mit der nicht glücklich sind. Eine Gruppe von Wohnungslosen hat 2020 ein leer stehendes Bürohaus auf dem Großmarktgelände besetzt. Dort haben die Aktivisten sogar eine Kunstausstellung auf die Beine gestellt (Titelbild mit Andre Salentin). Auf Intervention zahlreicher Unterstützerinnen und –stützer hat die Verwaltung ein Haus an der Gummersbacher Straße gefunden, in das die Wohnungslosen umziehen können. Termin ist wohl der 18. Januar. Der Abriss des Hauses an der Gummersbacher ist allerdings auch schon geplant.

Der Abriss der Langen Hallen auf dem Großmarkt schreitet voran.

Wenn das besetzte OMZ-Gebäude und die Langen Hallen auf dem Großmarkt abgerissen sind, beginnt die Verwaltung mit der Anlage eines Pionierparks, der den Bürgerinnen und Bürgern eine Anmutung von Grüngürtel verschaffen soll, der ja irgendwann parallel zur Bahntrasse in Richtung Südbrücke entstehen soll. Ende 2020 erreichte die Öffentlichkeit die Nachricht, dass das Land der Stadt die Grundstücke rechts und links von der Alteburger Straße verkauft hat. Damit ist auch das Gelände des NeuLand-Gartens städtisches Eigentum. Die Gärtnerinnen und Gärtner, zu denen auch der Autor dieser Zeilen zählt, warten jetzt ab, wie die Stadt mit dem Projekt verfährt. Noch wissen sie nix.

Mein Bierchen mit Gott

Aber wenn Ihr wüsstet, was mir Ende Mai passiert ist. Ich saß im Rheinauhafen mit einer Flasche Kölsch in der Hand und sah versonnen den lärmenden Jet-Ski-Fahrern bei ihren tollkühnen Manövern zu. Plötzlich setzte sich Gott mit knapp zwei Metern Abstand neben mich auf die Mauer unter dem Kran und machte sich auch ein Bierchen auf. Wir prosteten uns freundlich zu. Ich beobachtete ihn aus den Augenwinkeln. Routiniert wischte er sich den Schaum aus dem Bart. Schließlich nahm ich all meinen Mut zusammen und fragte den Allerhöchsten: „Ach du lieber Gott. Was machst du denn hier bei uns in der Südstadt?“ Er wandte sich mir zu mit einem Blick voller Milde und einem feinen Lächeln: „Home-Office, leeve Jung. Ich mach hier Home-Office.“ Also Leute, Optimismus im Veedel ist Gift für die Krise. Wir sind in bester Gesellschaft.

Text: Stefan Rahmann

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