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Kolumne

Schlaraffenland ist anderswo

Mittwoch, 7. November 2012 | Text: Wassily Nemitz

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Schnell noch zum Rewe, ein paar Kölsch am Kiosk oder zum Abendessen eben an der Dönerbude halten – das kennt jeder. Die Lieblings-Schokolade ausverkauft? Kein Problem, der nächste Supermarkt ist gleich um die Ecke und verkauft dasselbe wie alle anderen. Was vergessen? Macht nichts, die Supermärkte haben bis spät abends geöffnet, auch samstags.


Höchstens sonntags wird es in Köln mit der Versorgung schwieriger. Trotzdem war ich es bislang gewohnt, Dinge immer dann zu kaufen, wann und wo ich es will. War es mir zu teuer, bin ich eben woanders hingegangen.

Damit ist es hier vorbei. Obwohl Kgautšwane angeblich 150.000 Einwohner hat (wo die alle sein sollen, ist mir nach wie vor ein Rätsel), gibt es hier exakt einen Supermarkt. Dort werden neben Lebensmitteln auch Kleidung, Baumaterialien und Drogerie-Artikel verkauft. Wer sich unter dem „Rietfontein Supermarkt“ einen Konsumtempel mit fünf Kassen, Fleischtheke und Einkaufsmusik vorstellt, liegt falsch: Vielmehr gibt es zwei Verkaufsräume – einen mit kalten Getränken, Obst und anderen „Get away“-Produkten und einen anderen mit Kleidung, riesigen Reis- und Maissäcken und Hygieneartikeln. Draußen lagern Baumaterialien. Ist ein Produkt zu schwer, wird es angeliefert: Ein Mitarbeiter fährt dann mit Traktor und Anhänger los und stellt die Ware vor die Tür.

Schnell noch zum Rewe, ein paar Kölsch am Kiosk oder zum Abendessen eben an der Dönerbude halten – das kennt jeder. Die Lieblings-Schokolade ausverkauft? Kein Problem, der nächste Supermarkt ist gleich um die Ecke und verkauft dasselbe wie alle anderen. Was vergessen? Macht nichts, die Supermärkte haben bis spät abends geöffnet, auch samstags.


Höchstens sonntags wird es in Köln mit der Versorgung schwieriger. Trotzdem war ich es bislang gewohnt, Dinge immer dann zu kaufen, wann und wo ich es will. War es mir zu teuer, bin ich eben woanders hingegangen.

Damit ist es hier vorbei. Obwohl Kgautšwane angeblich 150.000 Einwohner hat (wo die alle sein sollen, ist mir nach wie vor ein Rätsel), gibt es hier exakt einen Supermarkt. Dort werden neben Lebensmitteln auch Kleidung, Baumaterialien und Drogerie-Artikel verkauft. Wer sich unter dem „Rietfontein Supermarkt“ einen Konsumtempel mit fünf Kassen, Fleischtheke und Einkaufsmusik vorstellt, liegt falsch: Vielmehr gibt es zwei Verkaufsräume – einen mit kalten Getränken, Obst und anderen „Get away“-Produkten und einen anderen mit Kleidung, riesigen Reis- und Maissäcken und Hygieneartikeln. Draußen lagern Baumaterialien. Ist ein Produkt zu schwer, wird es angeliefert: Ein Mitarbeiter fährt dann mit Traktor und Anhänger los und stellt die Ware vor die Tür.


So schlecht klingt das Ganze gar nicht? Zwei Nachteile hat der Supermarkt aber mindestens. Erstens: Er ist knapp vier Kilometer entfernt, mit dem Taxi oder per Anhalter kommst du auf immerhin einen Kilometer ran – wenn denn jemand vorbei fährt. Zweitens: Die Auswahl ist klein, viele Produkte werden nur in einer Ausführung angeboten. Beispiel: Hier im Dorf sind in allen Häusern die gleichen Fensterrahmen eingebaut. Die Qualität ist zwar eher mäßig – andere gibt es aber nicht. Das gleiche bei Glühbirnen – außer einer „klassischen“ Glühbirne, die nach zwei Tagen kaputt geht und einer Energiesparlampe mit fürchterlichem Licht gibt es nichts.


Wenn uns der Weg zum Supermarkt zu weit ist, gehen wir in einen der beiden nahe gelegenen „Spaza-Shops“. Im von hier aus gesehen nächsten ist die Auswahl jedes Mal ein Glücksspiel – mal gibt es Bananen, mal Orangen, mal gar nichts außer kalten Getränken. Etwas weiter betreibt Shorn seinen kleinen Laden. Shorn ist Pakistaner, er verkauft hinter einem Gitter und trägt eine Pistole am Gürtel. Dafür ist sein Shop besser ausgestattet, die Produkte sind meist dauerhaft verfügbar. Sonderliche Auswahl bietet aber auch er nicht. Shorn und die anderen Spaza-Shop-Besitzer arbeiten nach dem gleichen Konzept: Neigt sich der Bestand dem Ende zu, fahren sie in die Stadt und decken sich neu ein. Je nachdem, wie viel Geld gerade verfügbar ist, gibt es dann mehr oder weniger bei ihnen zu kaufen. Shorn scheint das ganze etwas erfolgreicher zu betreiben als die anderen, bei ihm ist meistens volles Haus.


Der deutsche Software-Konzern SAP betreibt in Kgautšwane gerade ein Projekt, das es den Spaza-Shop-Besitzern einfacher machen soll zu planen: Da sie am Tag ihres Stadt-Besuchs dicht machen müssen, verlieren sie Einnahmen. Darüber hinaus entstehen für die Fahrt sogar zusätzliche Kosten. SAP will mit einer Smartphone-App und der Zusammenarbeit mit einem Großhändler ein Bestellsystem einführen, mit dem die Besitzer wöchentlich ihre Produkte ordern und direkt vor die Tür geliefert bekommen können. Ungefähr 30 Shops machen momentan mit, nächstes Jahr soll das Projekt endgültig starten.
Etwa alle zwei Wochen können wir unseren Konsum-Drang nicht mehr zurückhalten und fahren in eine der beiden nächstgelegenen Städte, Burgersfort oder Mashishing (bis 2006: Lydenburg) Dort gibt es je zwei Supermärkte, Schnellrestaurants, Drogeriemärkte und Modeläden. Müde und voll eingedeckt kommen wir abends immer wieder – und unsere Port-Monnaies sind um einiges leichter.


Ganz so weit geht es bei uns mit der kulturellen Anpassung an dieser Stelle offenbar nicht – obwohl wir auch ohne den Besuch in der Stadt nicht verhungern müssten und ein angenehmes Leben führen könnten, versuchen wir immer noch, den westlichen, von zu Hause gewohnten Lebensstil nachzuahmen und an sich nicht notwendige Produkte (Müsli mit bestimmtem Geschmack, Chips, Ketchup) zu kaufen, nur weil wir sie leckerer finden. Ganz so anders ist die Einkaufs-Situation hier also nicht – wenn ich unbedingt will, bekomme ich fast alles. Dass es nicht möglich ist, immer alles zu bekommen, bringt auch ein bisschen Selbstdisziplin mit sich – in Deutschland erwische ich mich nicht selten dabei, dass ich an sich sinnlose Produkte kaufe.


Einmal zurück in Köln, ist die Gefahr wohl noch größer – vielleicht kommt mir Rewe mit seinen langen Öffnungszeiten und der Einkaufsmusik (auf den Rewe-Song kann ich aber gerne verzichten) dann derart faszinierend vor, dass ich permanent von ihm Gebrauch mache – und ehrlich gesagt freue ich mich schon jetzt ein bisschen darauf…

Text: Wassily Nemitz

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