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Südstadt

Sonntags Cord-Pantoffel kaufen! – Lükes liebes Leben

Montag, 10. Juni 2013 | Text: Reinhard Lüke | Bild: skydinner

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Manchmal geht die Moderne irgendwie an mir vorbei. Viele Trends bekomm´ ich einfach nicht mit. Am Freitag war Nachtflohmarkt im Baui. Hab´ ich jedenfalls einer Ankündigung auf dieser Seite entnommen. Ich war nicht da, aber es war vermutlich eine nette Veranstaltung. Wobei ich mich, als ich davon las, schon gefragt habe, wie so was aussieht. Stehen da womöglich in stockfinstrer Nacht Wühltische mit allerlei Krimskrams, in dem Interessierte nach Herzenslust herumwühlen, um dann mit allen Sinnesorganen außer den Augen ihre Kaufentscheidungen treffen? Läuft das so ähnlich wie Blind Dinner, wo man im Dunkeln auf Tellern herumstochert? Offenbar nicht. Habe mich inzwischen informiert und weiß, dass nächtliche Trödelmärkte schon lange in Mode sind. In Wuppertal lockt ein Veranstalter seit Jahren mit: „Mehrere tausend Quadratmeter voll ausgeleuchteter Freifläche bieten Platz für kilometerlange Trödelstände in einmaligem Flair zwischen Stadion, Wupper und der weltberühmten Schwebebahn“. Voll ausgeleuchtet, also. Taghell sozusagen. Nur nachts. Und das Bonner Brückenforum bewirbt sogar mit einem nächtlichen „Mädelsflohmarkt“. Obwohl mich solche Ankündigungen immer etwas verwirren.

Hirsch wählt Reh

Wie früher die Ankündigung „Damenwahl!“. Wann immer in meinen Jugendzeiten der Plattenaufleger in meiner Land-Disco dieses Kommando in sein knarzendes Mikro brüllte, wusste ich nie, wer da jetzt wen wählen sollte. Die deutsche Grammatik ist da ja nicht eindeutig. Und einen Tanzkurs, wo man solche korrekten Verhaltensweisen vermutlich beigebracht bekommt, hatte ich nicht besucht. Natürlich nicht. In den frühen 70ern waren Tanzschulen für Jugendliche, die auch nur halbwegs alle Latten auf dem Zaun hatten, ungefähr so attraktiv wie Kaffeekränzchen bei Onkel Franz und Tante Erika. Und ähnlich gut besucht. Aber inzwischen weiß ich ja, dass es sich bei der „Damenwahl“ um ein neckisches Ritual handelt, um der Evolutionsbiologie für ein paar Minuten spielerisch wieder zu ihrem Recht zu verhelfen. Wo die Etikette im Patriarchat ansonsten beim Paartanz dem Herrn das Wahlrecht zugesteht, ist´s bei der Damenwahl halt umgekehrt. Ganz wie in der Tierwelt, wo es bekanntlich die Weibchen sind, die letztlich entscheiden, welchen Racker sie im Interesse der Arterhaltung über sich ergehen lassen. Man kennt die Bilder aus Naturfilmen. Da verhaken sich in Brunftzeiten kapitale Zwölfender im Kampf mit ihren Geweihen, rammen irgendwelche Ochsen wie blöde ihre Köpfe gegeneinander oder bekämpfen sich sonstige Mannestiere bis aufs Blut, um die Gunst eines Weibchens zu erlangen, das derweil in aller Gemütsruhe daneben steht und ein paar Grasbüschel verputzt. So geht´s im Tierreich zu. Nun komme mir keiner und behaupte, dass die Balzrituale beim Homo sapiens nicht viel raffinierter ablaufen und letztlich auch da die Weibchen…

Nachtwanderungen für Konsumenten

Egal, wenn Frauenflohmarkt oder -wie letztens in den Kalker Köln-Arkaden- eine „Ladies Shopping-Night“ angesagt ist, weiß ich inzwischen natürlich, dass da keine Damen feilgeboten werden. So was gibt´s ja nur noch im Puff. Oder bei RTL. Da heißt das dann „Bachelor“. In Kalk konnten sich Konsumentinnen übrigens nicht nur an einem umfangreichen Warenangebot, sondern auch noch an einer Strip-Show erfreuen. Weshalb auch nur Kundinnen als 18 Jahren Einlass gewährt wurde. Und wer hat sich da wohl im Sinne der Evolutionsbiologe nackig gemacht? Genau. Die Frauen sind jedenfalls beneidenswert fein raus. Prospekte für eine „Gentlemen`s Shopping-Night“ oder einen nächtlichen „Männer-Trödel“ sind mir bislang jedenfalls noch nicht untergekommen. Macht aber nichts. Frauen stören mich beim Einkaufen eher weniger. Egal zu welcher Tageszeit. Ich finde ja nur die Blüten des Event-Marketings so faszinierend. Und bin immer wieder total verblüfft, wenn selbst die dämlichsten Einfälle auch noch funktionieren. Die Effizienz von „Bastel“- oder „Elektro-Kamin-Partys“ beim Teleshopping leuchtet mir ja inzwischen total ein. Aber warum zu Museums- oder Theaternächten Menschen in Massen die Kultur-Kathedralen stürmen, verstehe ich beispielsweise nicht. Man lässt sich im Gedränge an Exponaten und Inszenierungs-Auszügen vorbeischieben, kriegt eigentlich gar nichts mit, findet´s aber irgendwie toll. Wissen diese Leute nicht, dass diese Lokalitäten auch das ganze Jahr über zu gängigen Öffnungszeiten begehbar sind? Vermutlich schon. Aber die Vorstellung, nächtens oder auch nur am späten Abend total legal irre Dinge tun zu können, während man um diese Zeit sonst nur gewohnheitsmäßig an der Matratze horcht, versetzt viele Menschen offenbar in totale Erregung. Dabei haben sich die Marketing-Fuzzis die Nummer doch nur bei den Pfadfindern abgeguckt. Nichts lässt Kinder in einem Zeltlager so sehr frohlocken, wie die Aussicht auf eine Nachtwanderung. (Oder tut´s da heute die Ankündigung eines langen DVD-Abends bis nach Mitternacht?) Aber fürs Normalvolk muss es ja nicht mal finster sein. Da reichen schon „verkaufsoffene Sonntage“ (welche Wortschöpfung!) oder Straßenfeste bei Tageslicht wie „Der längste Desch“ oder am vergangenen Wochenende das „Brückenfest“ auf der Severinstraße, zu denen viele Einzelhändler lediglich ihr Standard-Sortiment feilbieten.

Luftige Leckerli verputzen

Da reisen dann Menschen aus entlegenen Stadtteilen an und stehen bereitwillig im Deichmann Schlange, um ein neues Paar Cord-Pantoffel zu erstehen, das sie sich auch unter der Woche völlig stressfrei in irgendeiner anderen Filiale der Schlappen-Kette hätten zulegen können. Grandios finde ich unter diesem Aspekt ja auch die total spektakuläre Versuchsanordnung namens  „Dinner in the Sky“, die am letzten Wochenende wieder am Schoko-Museum buchbar war. Da kann man sich für schlappe 70 Euro an einem Tisch festschnallen lassen, der dann von eine Kranwagen 50 Meter bin die Höhe gehievt wird, damit die zahlende Kundschaft dort diversen Leckerli verputzen kann. Vorausgesetzt, irgendwelche Winde pusten ihr das Essen nicht vorher vom Teller. Dolle Sache. Aber ich will ja nicht meckern. Manche Fortschritte weiß ich ja durchaus zu schätzen. Schließlich erinnere mich ja noch an Zeiten, in denen man samstags bis zum frühen Nachmittag seine Einkäufe fürs Wochenende erledigt haben musste.  Und wer bis freitags nachmittags kein Geld abgehoben hatte, konnte allenfalls Freunde anpumpen oder das WoE bei Brot und Wasser im Bett verbringen. Es sei denn, er hatte ein Postsparbuch, mit dem man auch samstags bis 14 Uhr noch Geld abheben konnte. Geldautomaten gab´s noch nicht. Nun hab´ ich zwar gelesen, dass der erste deutsche Bankomat schon 1968 ausgerechnet im verschnarchten Tübingen aufgestellt wurde, aber ich wüsste nicht, wo Anfang der 80er in Köln so ein Ding gestanden hätte. Und so ein Plastikkärtchen mit zeitloser Zugangsberechtigung zum Bargeld hatte ich jedenfalls nicht. Aber womöglich ist die Moderne ja schon damals irgendwie total an mir vorbei gegangen.
 

Text: Reinhard Lüke

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