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Tagebuch eines Brasilianers im Süden – Teil 5

Donnerstag, 8. Juli 2010 | Text: Gastbeitrag | Bild: Ernesto Solis

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Es ist grauenhaft, ich hasse Fußball in Brasilien, alle Sonntage strecken die Männer ihre Köpfe aus dem Fenster heraus, um den Namen ihres Fußballvereins zu brüllen. Aber jedes 4. Jahr strecke ich auch den Kopf aus meinem Hals heraus, um wie ein Wahnsinniger “Brasil“ zu schreien. An diesem Tag war es nicht anders, als Holland auf uns traf und unseren Traum vom guten Spiel über Bord warf. Doch, denn die Brasilianer brauchten lange, um warm zu werden, wenn sie so weit sind dann wollen sie glänzen … wenn man sie nicht lässt, wie es Holland machte, dann sind sie SAUER und können nicht mehr spielen. Sie wollen mit ihrer “Fußballkunst” glänzen, wie in einer Karnevalsschule, sie wollen nicht wettstreiten, das ist ihnen zu anstregend.

Als das Spiel zu Ende war, schauten mich die Leute besorgt an, ein Argentinier sagte mir: “Ich werde dir etwas sagen, was du nicht glauben wirst, das Leben geht weiter”. Jemand hätte ihm dasselbe sagen sollen, als die Argentinier am nächsten Tag einen Schlag ins Gesicht von 4 zu 0 von den Deutschen bekamen. Eine besorgte Freundin gab mir etwas zu trinken, damit ich meine Nerven beruhigen konnte – “trink diesen Tee, der ist gut zum Entspannen!” sagte sie. Im diesem Augenblick habe ich bemerkt, wo ich mich befand, es war der Garten eines schönen bürgerlichen Hauses. Aber es war kein gewöhnlicher Garten, ich hatte schon ähnliche gesehen, so ein “Schrebergarten” wo die Menschen hier ihr freien Tage verbringen. Es sind für mich sehr ungewönliche Orte, voll ordentlicher bunter Blumen, Tierskulpturen aus Plastik, Gartenzwergen, Wachspelikanen, Strandkörben, wie in einem Walt Disney Film.

 

Eine Gruppe bezaubernder Tänzerinnen saß neben mir, etwas weiter weg gab es einen Haufen Bratwürste. In diesem Moment kam ein alter Mann, der wie ein Lastwagenfahrer aussah, mit einem elektrischen Klavier unterm Arm rein. Er baute sein Klavier auf und auch ein Mikrofon dazu. Eine der Tänzerinnen ging zu ihm, sagte etwas in dieser Sprache, die ihr redet, und fing an zu singen. Ich war beeindruckt! Ihr Stimme war “voll” mit jeder Menge “Soul”, und ihr Repertoire  aus Jazzstandards war ausgesprochen vielfälltig . Sogar “My Way” von Frank Sinatra hat sie mutig und eigenwillig interpretiert.

Der Lastwagenfahrer und Klavierspieler hat nicht viel zur überragenden Performance beigetragen, obwohl er sich tierisch angestrengt hat. Das machte aber nichts. Die Stimme der Sänger enfaltete so viel Kraft, dass ich schon die Gartenzwerge tanzen sah, die ordentlich beschnittenden Blumen wiegten sich im Rhytmus der Musik, die Flamingos wippten mit den Krallen und schauten den Blumen zu. Im Nachbarhaus schauten die Menschen klatschend aus den Fenstern, die Goldenager (70 – 80 Jahre) lächelten entrückt wie in einer Milchwerbung. Meine Bekannte schaute mich so entrückt an, da verstand ich sofort, dass in meinen Drink ein guter Schuß LSD oder eine ähnliche chemische Droge von ihr eingeschleußt worden war. Es war eine dieser Substanzen, die uns mit Pflanzen sprechen lassen und selbst einen Waldschrat sympatisch aussehen lassen.

Ich dachte, es ist Zeit zu gehen und genau in diesem Augenblick trat eine andere Tänzerin, als Bauchtänzerin verkleidet auf, sie bewegte ihren Körper in einer Art und Weise wie ich es noch nie gesehen habe. Der Bauch tanzte, und bewegte den ganzen Körper mit. Sie war bestimmt blond mit sehr heller Haut, eine typische Deutsche halt, die ich vorher kaum wahrgenommen habe. In ihrem früheren Leben muss sie eine arabische Heilerin oder eine Zigeunerin gewesen sein, die ganze Königreiche mit einem Schwung ihres Beckenbodens zur Strecke brachte. Dieses wunderbare, andersartige Fest wurde abrupt durch einen Nachbarn mit den Worten “Macht die Musik aus und haltet die Klappe!” beendet. Nach einer kurzen Pause schrie wiederrum ein 80 jähriger aus unserm Garten “Arschloch! Arschloch!“ Und wir alle intonierten im Chor.

Ernesto Solis

 

Lesen Sie auch die andere Folgen von „Ein Brasilianer im Süden“

 

Teil 1/ Teil 2 / Teil 3/ Teil 4/ Teil 6/ Teil 7/ Teil 8

 

Interview mit Ernesto Solis lesen Sie hier.

 

Text: Gastbeitrag

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