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Verkehr

Unfallschwerpunkte in der Südstadt

Mittwoch, 16. November 2011 | Text: Gastbeitrag | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Immer wieder erreichen uns Meldungen von Verkehrsunfällen in der Südstadt – angefahrene Fußgänger, kollidierte Autos, Unfälle mit der Straßenbahn. Auch wenn es nicht täglich kracht: An einigen Orten ist die Südstadt gefährlich. Wo sind die Gefahrenpunkte? Dieser Frage sind Benedikt Schleder und Wassily Nemitz nachgegangen. Neben konkreten Orten sind ihnen dabei auch Phänomene aufgefallen, die an verschiedenen Stellen im Berichtsgebiet auftreten.

 

Der Chlodwigplatz – das Nadelöhr Südstadt
Die Situation: Als zentraler Verkehrsknotenpunkt in der Südstadt wird der Chlodwigplatz von zahlreichen Verkehrsteilnehmern genutzt: Fußgänger, Radfahrer, Autos, Busse und Stadtbahnen stoßen hier aufeinander. Die Regelung des Verkehrs erfolgt ohne Signalanlagen, der Kreisverkehr kreuzt die Gleise der Stadtbahn zweifach. Darüber hinaus gibt es zwei Personenübergänge der Bahn und zahlreiche Zebrastreifen über die Fahrbahnen.
Das Problem: Bei einer Straßenumfrage stellten wir fest, dass der Chlodwigplatz  häufig als unübersichtlich empfunden wird. Unter der Woche kann man morgens und am frühen Abend beobachten, warum: Der Verkehr staut sich die Bonner Straße und die Ringe hinunter, weil an den Zebrastreifen nicht enden wollende Fußgängerströme die Straße überqueren wollen. Zahlreiche Straßenbahnen halten den Straßenverkehr an den Übergängen auf, einscherende Busse blockieren ihn zusätzlich. Hält dann ein Autofahrer einfach auf dem Bahnübergang im Stau, müssen auch die Stadtbahnen halten und blockieren den anderen Übergang, so dass es nicht selten dazu kommt, dass der Verkehr komplett zum Stehen kommt.

Wo so viele Verkehrsträger aufeinander treffen, kommt es oftmals zu Unfällen. Nach Angaben der Unfallkommission der Stadt Köln passierten am Chlodwigplatz im Jahre 2010 acht offiziell festgestellte Unfälle, bei denen zwei Personen schwer und acht leicht verletzt wurden. An zwei Unfällen waren Fußgänger beteiligt. Nach Informationen der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) ist es am Chlodwigplatz im laufenden Jahr bereits zu acht Unfällen mit Straßenbahnen gekommen, im gesamten Jahr 2010 waren es elf. Zum Vergleich: An der Ulrepforte haben sich seit 2003 insgesamt nur drei Unfälle ereignet. Zahlreiche Südstädter empfinden den Chlodwigplatz als zu gefährlich, insbesondere, wenn sie als Fußgänger unterwegs sind – plötzlich herannahende, schlecht einsehbare Bahnen stellen für sie eine große Gefahr dar.

Die Lösung: Nach Auffassung der KVB sind keine Maßnahmen zur Verbesserung der Situation am Chlodwigplatz erforderlich. Die Installation einer Signalanlage für die Bahnen sei nicht nötig, da die Bahnen den Kreisverkehr in niedriger Geschwindigkeit passierten, sagte KVB-Pressesprecher Stephan Anemueller gegenüber „Meine Südstadt“. Die technische Aufsichtsbehörde (TAB) habe den Bereich „sehr genau“ geprüft, jedoch „keinen weiteren Handlungsbedarf gesehen.“ Die Stadt Köln sieht ebenfalls keinen Handlungsbedarf: In einem Bericht an die Bezirksvertretung Innenstadt schreibt die Verwaltung, dass bereits ausreichend Maßnahmen durch den Umbau des Chlodwigplatzes im Jahre 2008 (?) erfolgt seien.

Markus Lenzen ist Architekt des Planerbüros „Artefactum“, war als ehemaliges Mitglied der Interessengemeinschaft Severinstraße an den Planungen und der Neugestaltung der Severinstraße beteiligt und beschäftige sich in seinem Studium auch mit Inhalten der Verkehrsplanung. In einem Interview mit „Meine Südstadt“ beschrieb Lenzen die aktuelle Problematik um den Chlodwigplatz als „anarchisches Verkehrsverhalten“ und sieht Lösungsansätze des Konflikts lediglich in der Lenkung und Ablösung der Verkehrsströme: „Dies wäre durch eine Ampelschaltung denkbar, so dass Bahnen, Fußgängern und Kraftfahrzeugen eine strikte Reihenfolge zugewiesen wird“.

 

Das grundlegende Problem seien die unaufhörlichen Fußgängerströme zwischen Severinsviertel und Südstadt, die durch fehlende Querungshilfen der Ringe auf den Zebrastreifen an der Straßenbahnhaltestelle „Chlodwigplatz“ konzentriert und kanalisiert würden. „Als zweiter Lösungsansatz wäre eine Unterführung der Fußgänger denkbar“, formuliert Architekt Markus Lenzen. Diese mit Abstand sicherste Option für Passanten stellt sich jedoch in der detaillierten Betrachtung als  eine „kostspielige und unglaublich aufwendige Angelegenheit“ dar. Lenzen begründet dies mit dem Verlauf und der Kreuzung von Gas-, Wasser-, Strom-, Telefon- und Fernwärmeleitungen sowie der Streckenführung der unterirdischen Nord-Süd-Stadtbahn. Letztendlich sei aus verkehrsplanerischer Sicht eine elektronische Lenkung der Verkehrsströme neben einer unwahrscheinlichen Fußgängerbrücke die wirtschaftlichste Lösung zur Entzerrung der unübersichtlichen Lage rund um den Chlodwigplatz.

Gefährliche Bus-Rennstrecken in der Südstadt
Die Situation: In der Südstadt verkehren drei Buslinien – 106, 132 und 133. Insbesondere die letzteren beiden haben auf ihrer Route einige enge Straßen im Severinsviertel zu durchfahren und sind fast schon chronisch verspätet. Bis zur Eröffnung der Nord-Süd-Stadtbahn (nach derzeitigem Stand voraussichtlich im Jahre 2018) werden die Busse weiterhin quer durch die Südstadt fahren müssen.
Das Problem: In unserer Straßenumfrage stellte sich heraus, dass das Fahrverhalten der Busfahrer oftmals als völlig rücksichtslos gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern gesehen wird. So würden Busse zum Beispiel an der Bananenrepublik die Vorfahrt missachten und seien am Severinswall viel zu schnell unterwegs.
Die Lösung: KVB-Pressesprecher Stephan Anemueller behauptete auf Anfrage gegenüber „Meine Südstadt“: „Die Straßenverkehrsordnung wird von uns jederzeit eingehalten.“ Da die Südstadt zu den „schwierigeren Stadtgebieten unseres Fahrdienstes“ gehöre, könne es dennoch mal etwas „ruppiger“ werden. Das solle aber nicht sein. Beschwerden könnten Bürger an das Verbesserungsmanagement der KVB richten (Formular via www.kvb-koeln.de). Die betreffenden Fahrer würden dann auf das Fehlverhalten hingewiesen und nachgeschult, erklärte Anemueller.

Zu eng, zu schnell, zu voll: die Vorgebirgsstraße
Die Situation: Die Vorgebirgsstraße ist als südliche Verlängerung der Nord-Süd-Fahrt eine stark frequentierte Route, die darüber hinaus als Bindeglied zwischen Ringen und Gürtel fungiert.
Das Problem: Obwohl die Straße eigentlich zweispurig geplant und gekennzeichnet wurde, wird sie zu verkehrsstarken Zeiten vierspurig genutzt, da die Straßenbreite das zulässt. Radfahrer beklagen, dass sie sich größtenteils nicht mehr trauten, die Straße zu nutzen. Grund dafür sei die Verstopfung der Straße mit Autos.
Die Lösung: Architekt Markus Lenzen spricht bei der inoffiziellen vierspurigen Nutzung der breiten, aber dennoch zweispurigen Vorgebirgsstraße von einem Versäumnis bei der Beschilderung: „Kommend aus Richtung Innenstadt ist der Übergang in eine zweispurige Verkehrsführung für Autofahrer nicht ersichtlich“. Lenzen schlägt hier „eine deutliche Bodenlinierung und eine Aufforderung zum Reißverschlussverfahren“ vor. Alternativ hierzu ist die Installation eines Fahrradwegs, der den Anschein einer vierspurigen Verkehrsführung eindämmen würde.

Verkehrs-Tohuwabohu auf der Severinstraße
Die Situation: Die Severinstraße wurde im Jahr 2010 vollständig neu gestaltet, nachdem sie insbesondere im Teilabschnitt im Bereich des Kartäuserhofs seit 2003 zur Dauerbaustelle degradiert worden war. Bürgersteige und Fahrbahn sind höhengleich und „nur“ durch Poller voneinander getrennt. Auf der gesamten Straße herrscht Tempo 20, Fahrradfahrer dürfen in beide Richtungen fahren. Außerdem gilt im Gegensatz zur früheren Straßengestaltung Rechts-vor-links als Vorfahrtsregel.
Das Problem: Niemand hält sich so recht an die Regeln: Autofahrer fahren in den seltensten Fällen Tempo 20 oder langsamer, Radfahrer rasen ebenfalls häufig ohne Rücksicht auf Fußgänger die Straße entlang und die Fußgänger laufen oftmals ohne auf den Verkehr zu achten über die Fahrbahn. Auch an die neue Vorfahrtsregelung hält sich kaum jemand, häufig kommt es zu Beinahe-Kollisionen. Tempokontrollen oder ähnliches finden so gut wie nie statt.
Die Lösung: Als ehemaliges Mitglied der IG Severinstraße war Markus Lenzen in die Neugestaltung der Severinstraße involviert. Anlieger und Passanten forderten damals  „mehr als nur Geschwindigkeitsbeschränkungen durch Schilder“, beispielsweise durch regelmäßige Kopfsteinpflasterung oder Tempohemmschwellen auf dem geraden Straßenverlauf. Dieser Kritik setzt Lenzen eine plausible Entscheidung der IG Severinstraße entgegen: „Durch den Einsatz physischer Geschwindigkeitsbegrenzungen entsteht eine gewaltige Lärmbelästigung durch das immer wiederkehrende Abbremsen, das Überfahren der Schwelle und anschließende Beschleunigen der Fahrzeuge“. Um Ruhestörungen in den Abend- und Nachtstunden zu vermeiden, entschied man sich für eine Straße mit Fußgängerzonencharakter, sodass Autofahrer gezwungen sind, langsamer zu fahren – offenbar bislang erfolglos.

Weitere Unfallschwerpunkte/ -phänomene


Zugeparkte Radwege, unter anderem auf der Bonner Straße oder am Eifelplatz. An letzterem kam es aufgrund der schwierigen Situation zu acht Unfällen mit Radfahrern, bei denen acht Personen leicht verletzt wurden.

Lösung: Konsequentes Abschleppen von Falschparkern. Nach Informationen der Stadt werden Maßnahmen zur Verbesserung der Situation „geprüft“.

 

„Raserei“ auf der Dreikönigenstraße, vor der Grundschule Zwirner Straße.
Lösung: Verstärkte Tempokontrollen, bauliche Einschränkung der Straße. Leider wollte uns die Polizei keine Auskunft geben, wie viele Schulkinder bereits an dieser Stelle verunglückten und welche Maßnahmen seitens der Polizei geplant werden.

 

Missachtung von Zebrastreifen und Fußgängerüberwegen, unter anderem an der Bonner Straße auf Höhe des Waffenladens und auf der Volksgartenstraße zwischen Martin-Luther-Platz und Vorgebirgsstraße.

Lösung: Verstärkte Kontrollen.

Fazit: Die Lösung von Verkehrsproblemen erscheint auf den ersten Blick einfacher, als sie ist. Wir stellten im Laufe unserer Recherchen fest, dass es für kaum einen der benannten Aspekte eine „ultimative“ Lösung gibt – die meisten Lösungen gehen auf Kosten der Freiheit anderer Verkehrsteilnehmer.

Eines steht jedoch fest: Eine der wichtigsten Maßnahmen für erhöhte Sicherheit ist das eigene, korrekte und umsichtige Verhalten.

Wassily Nemitz und Benedikt Schleder

Text: Gastbeitrag

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