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Kultur

Wenn Han Solo vorbeifliegt

Dienstag, 20. Juni 2017 | Text: Alida Pisu | Bild: Meyer Originals

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Wer glaubt, dass die heutige Jugend sich nur für Smartphone, Facebook oder chillen interessiert, den wird die neue Produktion “Far far away” des Jugendclub Comedia eines Besseren belehren. Die Jugendlichen setzen sich mit der Frage auseinander, was in der Welt geändert werden muss und entwickeln dazu ihre eigenen Utopien. In einer bewundernswerten Vielfalt und sie schrecken auch nicht davor zurück, den Finger in offene Wunden zu legen.

Zu Beginn aber wird erst einmal ein „Weltuntergang“ inszeniert: der Strom am Hauptbahnhof fällt aus, nichts funktioniert mehr, weder Smartphone noch Aufzug oder sonst was und schon liegen die Nerven blank. Eigentlich hat das überhaupt nichts mit dem Thema Utopie zu tun, dennoch zeigt die Szene exemplarisch, wie abhängig Menschen von Strom, von Technik, von Kommunikationsgeräten geworden sind.

Endlich – die Jugendlichen begeben sich auf die Suche nach ihren Utopien. Und werden fündig. Die erste Utopie: Weltraumreisen für alle! – Odyssee 2017. Schon der Bau des Raumschiffes ist vergnüglich anzusehen, da die Darsteller aus ihren Körpern in Windeseile ein Raumschiff zusammensetzen. Vom Sitz über die Tür bis zum Antrieb und fertig, es kann losgehen. Auf in ein großes schwarzes Loch, auch wenn draußen Temperaturen von  – 270 Grad herrschen, ein Kometenhagel Angst einjagt und Han Solo (Star Wars lässt grüßen) vorbeifliegt. Das hat viel Witz und Charme und die Musik dazu gibt der Weltraumreise eine heiter-beschwingte Note.

Auf der Erde allerdings warten die Probleme. Warum lernen wir in der Schule nur Vokabeln anstatt kreativ zu werden und auf die eigene Intuition zu hören? Und warum sind wir so auf unser Äußeres fixiert? Kann eine Utopie da nicht Alternativen aufzeigen, etwa die Utopie, dass es keine Schminke mehr gibt? Ja, das kann sie. In einer „Germanys Next Top Model“ – Persiflage, in der die Ensemble-Mitglieder sich wie Roboter bewegen und mit Netzstrümpfen über den Gesichtern ihre Lippen schminken. Schöner Schein ade.

 

Der Utopien-Bogen wird weit gespannt. Eine kleine Utopie: mit dem Hund bis ans Ende der Welt laufen zu können, um den äußeren Druck hinter sich zu lassen, steht neben den großen Utopien. Dass jeder das Recht hat, so zu leben, wie er ist. Dass kein Plastik mehr in den Ozeanen landet. Dass Frauen gleichberechtigt sind und ihr „Nein“ von Männern akzeptiert wird. Dass Unterschiede gewertschätzt und nicht verurteilt werden. Dass alle miteinander Utopia erschaffen könnten. Ein Land, mit einem Fluss voller Schokolade. Mit Tieren, die nicht eingesperrt sind, sondern in Freiheit leben. Hungersnöte und Krankheiten existieren nicht mehr. Wäre das nicht ein Land, in dem man gerne leben würde?

Sicherlich, dass jedoch Utopien auch gründlich schiefgehen können, zeigt das Dystopien-Ratespiel, bei dem die Zuschauer bekannte Filme und Romane erraten müssen (Dystopie: das Gegenbild zur Utopie, in der Literatur eine fiktionale, in der Zukunft spielende Erzählung mit negativem Ausgang, d. Redaktion). Gackern und Grunzen: „Farm der Tiere“. Ein summendes Geräusch: „Herr der Fliegen“. Das Publikum erweist sich als belesen und erkennt auch Filme wie „Matrix“ und „Die Welle“.

Die Inszenierung unter der Regie von Melanie Delvos arbeitet mit wenigen und einfachen Mittel, die allesamt höchst effektiv sind. Ein wiederkehrendes, intensives Motiv ist das Gruppenbild, in dem alle wie eingefroren mit der Hand an der Stirn Ausschau halten nach einer neuen Utopie. So sieht Sehnsucht aus!

Das gesamte Ensemble ist mit einer Leidenschaft und Spielfreude bei der Sache, die zu spüren ist und sich auf den Zuschauer überträgt. Die Themen sind durchweg schwierig und komplex, umso bemerkenswerter, dass der Humor, mit dem sie abgehandelt werden, sie in gewissem Sinne als lösbar erscheinen lässt.

Denn, auch wenn der letzte Satz „Wird es einen Moment geben, in dem Utopien nicht mehr nötig werden?“ wohl leider mit „Nein“ beantwortet werden muss, so macht es doch Hoffnung, die jugendlichen Darsteller zu sehen. Mit den Gedanken, die sie sich gemacht haben. Mit den Fragen, die gestellt wurden. Mit dem Mut, die eigenen Empfindungen und Wünsche öffentlich zu machen. Die Welt ist nicht verloren, wenn wir es den Jugendlichen nachmachen und auch unsere Utopien entwickeln.
Das Premieren-Publikum dankte dem Jugendclub Comedia mit donnerndem Applaus. Der Jugendclub wiederum dankte den Mitarbeitern der Comedia, allen voran Regisseurin Melanie Delvos, für die Unterstützung und für das, was sie gelernt und mitgenommen haben. Diese Inszenierung wird keiner von ihnen vergessen. Und das ist auch gut so!

 

“Far Far Away” vom Jugendclub Comedia
Regie: Melanie Delvos
Mit: Jwan Al Sorani, Havva Sümbül Baran, Hannah Browers, Tamara Desus-Marques, Jessi Ganse, Alessa Genske, Laura Germann, Luke Mott, Julia Schöneck, Jonah Reimann, Sara Staubermann, Mira Wenzel, Jill Winkel

 

Die nächsten Termine: 20., 21. Juni 2017
Comedia Theater – Vondelstraße 4-8, 50677 Köln?

 

Text: Alida Pisu

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