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Sport

WM-Torte

Montag, 21. Juni 2010 | Text: Reinhard Lüke | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Als ich am meteorologisch trüben Nachmittag an einer Kneipe mir um die Ecke vorbeigehe, bietet sich mir ein wunderbares Stillleben. Auch das „Liebelein“ an der Eiche macht in Public Viewing. Wozu sich die Örtlichkeit mit Deutschland-Fähnchen hübsch dekoriert und einem, unter der Markise platzierten Flachbildfernseher nebst Schatten spendendem Überbau präsentiert. Auf diesem läuft gerade die Partie Australien gegen Ghana und Reporter. Steffen Simon macht bereits zu Beginn des Spiels in der ihm eigenen Art und in einer Lautstärke auf höchste Dramatik,  dass seine Stimme über den ganzen Platz schallt. Allerdings hört ihm niemand zu. Kein einziger Tisch ist besetzt. Offenbar hat die avisierte Öffentlichkeit im Moment gerade Besseres oder zumindest Anderes zu tun hat. Es ist Fernsehen und keiner guckt hin – das hat was. Eine schöne Rachefantasie gegen alle selbstgefälligen TV-Nasen: Sie sitzen in irgendeinem Studio, sondern routiniert ihren Live-Sprech in die verschiedenen Kameras ab und keiner sagt ihnen, dass außerhalb des Studios im ganzen Land der Strom ausgefallen ist. Und tags drauf übermittelt die GfK die Quote von 0,0 Prozent. (Was einem Marktanteil von 0,0 Prozent entspricht.) Als ich eine halbe Stunde später den Ort des (Nicht)- Geschehens wieder passiere, haben zwei ältere Damen an einem Tisch Platz genommen, die jedoch dem Fernseher demonstrativ den Rücken zugewandt haben und sich auch von Steffen Simon ihre Erdbeertorte nicht vermiesen lassen.

Gegen Mittag hat Hotel-Türsteher Michael Steinbrecher beim ZDF einen doch eher unerwarteten Auftritt. Wie üblich steht er vor der deutschen Mannschaftsherberge am seinem Tischchen und hat diesmal den DFB-Koch an seiner Seite. Dabei macht Steini (oder will der jetzt auch „Herr Steinbrecher“ heißen?) nur den Mikrofon-Halter, die investigativen Fragen zum Wohl der deutschen Kicker kommen aus Mainz. Genauer gesagt, aus dem ZDF-Fernsehgarten. Von dort fragt die unbändig gut gelaunte Knutsch-Kugel Kiwi (oder will die jetzt auch…?), was Jogis (oder will der…) Buben sich denn vor und nach den Spielen so alles in die Backen stopfen. Belangloser Quatsch, natürlich. Aber fraglos ein denkwürdiges Highlight in der Karriere des Sportjournalisten (nun gut) Michael Steinbrecher.

Am späten Abend dann, das bemühte Laientheater der Sportkameraden Delling und Netzer neigt sich dem Ende zu, serviert mir die ARD mir einen neuerlichen Einspieler mit Franziska van Almsick. Durfte ich sie letztens auf Abenteuer-Safari auf dem Beifahrersitz eines Jeeps vor einer Elefantendame („Jetzt wird mir aber schon ganz schön mulmig.“) bewundern, stolziert sie nun in Begleitung eines tadellos Deutsch sprechenden, farbigen Begleiters durch Soweto. Erst hockt sie in einem Gottesdienst, erklärt anschließend, wie „total beeindruckend“ das aber gewesen sei und stöckelt anschließend durch eine Shopping-Mall.  Wenig später erklärt sie: „Wir haben einen ganz besonderen Platz in Soweto gefunden.“ (Wobei es sich um einen schnöden Golfplatz handelt.) Doch, sie hat wirklich „wir“ gesagt. Mit Verlaub, Frau van Almsick wusste bis kurz vor ihrem Abflug vermutlich nicht mal, wo Soweto liegt und hätte auf der Landkarte gerade einmal Afrika ausfindig machen können. Was einem Menschen, der einen Großteil seines Lebens in Schwimmhallen verbracht hat und nun auf einem fremden Kontinent im Gehen Texte irgendwelcher  Autoren aufsagen soll, freilich nicht anzulasten ist. Aber welche ARD-Granden sind eigentlich auf die Schnapsidee gekommen, die verdiente Schwimmerin als „Reporterin“ im Rahmen der Fußball-WM-Berichterstattung einzukaufen? Soweit ich weiß, hat Franzi (oder…) noch nicht mal Wasserball gespielt und von einem Lebensabschnittsgefährten mit dunkler Pigmentierung hab´ ich bei meinen (zugegeben seltenen) Friseurbesuchen in der Yellow Press auch nix gelesen.

Während der mäßig mitreißenden Partie Paraguay-Slowakei entdecke ich im Videotext einen neuen Service der ARD. „Texte der Nationalhymnen in deutscher Sprache zum Mitlesen“ heißt es da. Da mich das Libretto der slowakischen Hymne schon immer brennend interessiert hat, wähle ich umgehend die Videotextseite 150. Doch da das Spiel schön läuft, sind die nationalen Epen längst durch. Der Service wird offenbar nur während des Absingens vor Spielbeginn angeboten. Stattdessen lese ich da am unteren Bildrand kryptische Botschaften wie „Jetzt Chance für schnellen gegen Soߓ und wenig später: „Mittelfeld muss schnell überbrückt werden.“ Langsam dämmert mir, dass ich auf der Textseite für Hörgeschädigte gelandet bin, die mir für den Rest des Nachmittags zu einem fortwährenden Quell der Erheiterung wird. Stelle mir vor, dass da zum Wohle der akustisch Behinderten im Lande (die beneidenswerterweise noch nie eine Vuvuzela gehört haben) ein Student oder Volontär in der Sendezentrale an einer Tastatur hockt und eifrig versucht, das Offenbare oder das vom Reporter soeben Gesagte in halbwegs lesbare Sätze zu fassen und dabei die Orthographie nicht gänzlich aus den Augen zu verlieren. Besonders drollig wird´s immer dann, wenn die Kraft an der Tastatur Zwiegesprächen wie beim anschließenden Smalltalk Beckmann-Scholl hinterher hecheln muss. Was unweigerlich zur Folge hat, das bei der herkömmlichen Schuss-Gegenschuss-Auflösung einer Konversation der Text jeweils dem (im Wortsinn) zugeschrieben wird, der gerade etwas völlig anderes sagt.

Bei Italien vs. Neuseeland lese ich auf Tafel 150 Sentenzen wie „Gedränge im Mittelfeld“ und frage mich, ob sie solche Floskeln wenigstens im Stehsatz haben, aber die Info „Ecke für Italien“ lässt mich grübeln, ob man bei der ARD Hörgeschädigte nicht gleichzeitig für blind hält. Was nun wieder diesen besonderen Text-Service erübrigen würde. Sollte sich mal ein Rundfunkrat mit befassen. Oder gibt´s auch ein Angebot, das da „Fernsehen für Sehgeschädigte“ heißt? So viel Fairness müsste im Zuge der Gleichberechtigung von Behindertengruppierungen schon sein. Jetzt komm mir keiner mit Radio!

 

 

 

 

Text: Reinhard Lüke

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