Alle Jahre wieder
Mittwoch, 4. März 2026 | Text: Judith Levold | Bild: Judith Levold
Geschätzte Lesezeit: eine Minute
Zum 17. Mal nun schon jährt sich die in der Nachkriegszeit beispiellose Kölner Katastrophe: Zwei Menschen kamen ums Leben, als das Stadtarchiv am Ende der Severinstraße infolge von Bauarbeiten an der Nord-Süd-U-Bahn am 3. März 2009 um genau 13:58 Uhr in einen Hohlraum unter dem Gebäude stürzte.
Nicht abgeschlossenes Kapitel
Für die Angehörigen und die Bewohner*innen des Viertels, für Nachlassgeber*innen, Restaurator*innen und die Archivalien aus tausend Jahren Kölner Geschichte – für sie alle begann eine schwere Zeit, ein Kapitel, das bis heute nicht abgeschlossen ist, auch wenn ein neues und modernes Stadtarchiv am Eifelwall längst eröffnet wurde.
Zukunft Waidmarkt immer noch „in Arbeit“
Was jedoch mit dem Ort des Einsturzes geschehen soll, wie er künftig gestaltet und „bespielt“ und wie dort vor allem würdig der Katastrophe gedacht werden soll – all das ist nach wie vor noch in Arbeit. Im vergangenen Jahr hat es auf Betreiben der Stadt eine künstlerische Intervention gegeben, eine Aktivierung des Ortes, seiner Umgebung und Anlieger*innen.

Der Pavillon der Gruppe Observatorium aus dem vergangenen Jahr (Foto: Markus Küll)
Schon im November 2024 hatte damit die Rotterdamer Künstlergruppe Observatorium mit Beobachtungen, Interviews und Zeichnungen begonnen, um von Mai bis August 2025 einen Pavillon auf dem Waidmarkt zu errichten. In den konnten die Kölner*innen ihre Erinnerungen, Gedanken, Dokumente oder Zeichnungen bringen und in den Austausch mit Anderen gehen. Das Konvolut all der Hinterlassenschaften, das „Logbuch der Zwischenzeit“, beherbergt inzwischen das neue Stadtarchiv.
Ein Buch zur Kunst am Waidmarkt entsteht
Derzeit arbeitet Observatorium-Mitglied André Dekker an einem Buch über seine Kunstaktion. Auch in diesem Jahr und in den folgenden werden künstlerische Auseinandersetzungen rund um den Einsturzort des alten Stadtarchivs fortgesetzt. Das bestätigten bei der Gedenkfeier Kulturdezernent Stefan Charles und Oberbürgermeister Torsten Burmester.

OB Torsten Burmester rief um 13:58h zu einer Schweigeminute auf (Bild: Judith Levold)
Obligates Schweigen
Letzterer machte es ein bisschen anders, als seine Vorgängerin Henriette Reker bei den Gedenkfeiern der vergangenen Jahre: Er sprach direkt zu Beginn, kurz und knapp, um sich dann unter die Menge der Besucher*innen zu mischen und mit möglichst vielen Anwesenden reden zu können. Erst später trat er erneut ans Rednerpult und forderte zur Schweigeminute um 13:58 Uhr auf, die vom einsetzenden Glockengeläut der Südstadt-Kirchen begeleitet wurde.
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