Suchthilfezentrum Perlengraben im Stadtrat
Dienstag, 12. Mai 2026 | Text: Judith Levold | Bild: Judith Levold
Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten
Gestern hat der Rat der den Baubeschluss für das Suchthilfezentrum am Perlengraben gefasst. Bis zuletzt hatten Gegner*innen des Standortes, allen voran aus der IG Pantaleonsviertel versucht, ihn zu verhindern.
Für ein Hilfszentrum, auch in my backyard
Nicht nur demonstriert und petitioniert haben die Akteure aus der IG Pantaleon, sie waren auch zum Podium beim Lokalzeit-Stadtgespräch auf WDR5 eingeladen.
Parallel dazu hatte die Initiative „Süd bleibt solidarisch“ eine Info-Veranstaltung in der Kartäuserkirche organisiert.
Die Gruppe hatte sich in Reaktion auf die starken Proteste von Anfang des Jahres gegen das Zentrum Perlengraben gegründet. Ihre Mitglieder sind genau wie die in der IG Pantaleon, auch Nachbar*innen aus den Vierteln, angrenzend an den Perlengraben. Allerdings sind sie für das Suchthilfezentrum – generell und auch bei ihnen nebenan, am Perlengraben.

In der Kartäuserkirche standen Menschen den Gästen Rede und Antwort, die Sucht, Suchterkrankte und Suchthilfezentrum wirklich aus nächster Nähe kennen (Bild: Judith Levold)
Sachlicher Informationsaustausch
Zusammen mit der Melanchthon- und der Karl-Rahner-Akademie besetzten sie ihr Podium mit Leuten aus der Praxis, die von ihren Erfahrungen im Umgang mit Sucht, Suchterkrankten und aus Suchthilfezentren berichten konnten und Fragen aus dem Publikum beantworteten.
Im Gegensatz zum Lokalzeit-Stadtgespräch verlief der Abend – vielleicht der würdevollen Atmosphäre in einer Kirche geschuldet – gänzlich ohne aggressive Zwischenrufe, auch kritische Fragen der Anwohner*innen trugen diese in sachlichem Tonfall vor.

Dokumentieren von Podium und Besucher*innen – es blieb einfach friedlich in der Kartäuserkirche bei der VA zum Suchthilfezentrum (Bild: Judith Levold)
Schlafen, um überhaupt Perspektive zu entwickeln
Stefan Lehmann, Leiter des Drogenkonsumraums am Neumarkt etwa, ist fest davon überzeugt, dass sich das Zentrum trotz der Entfernung zum Neumarkt füllen werde, denn wie schon sein Kollege Sebastian Dückers von der Caritas Drogen-Beratungsstelle in Krefeld feststellen konnte: „Die `Szene´ geht da hin, wo das Hilfs-Angebot gut ist.“ Auch wenn der Handel natürlich passiere und man das auch nicht wegbekomme werde. Aber, so Stefan Lehmann, das Suchthilfezentrum biete Schutzraum, so dass die Suchterkrankte zum Beispiel endlich einmal schlafen könnten. So eine Schlafmöglichkeit sei enorm wichtig, um dann mit den Leuten überhaupt an Perspektiven arbeiten zu können.
Offene Szene von der Straße weg
In Krefeld habe man so eine „offene Szene“, sogar mit vielen Drogentourist*innen von außerhalb, vom zentralen Stadttheaterplatz in ein Suchthilfezentrum 15 Minuten fußläufig entfernt hin verlagern können – und habe damit gute Erfahrungen gemacht. Es sei einfach die „offene“ Szene, die einen Sog von noch mehr Erkrankten provozieren könne, nicht ein geschlossenes Hilfezentrum. Die Sogwirkung gehe verloren, sobald die Szene von der Straße verschwunden sei.
Es ist nicht gefährlich, einen Kranken anzuschauen
Was die Konfrontation im Veedel mit Suchterkrankten angehe, wie man sich da am besten verhalte und wie schwierig das für Kinder, Schülerinnen und Schüler womöglich sei, will eine Zuhörerin wissen.
Darauf hatte Torsten Weigert vom NRW Netzwerk Ehemaliger Drogenkonsumierender eine klare Antwort: „Die tun Kindern und Jugendlichen nix“, befand er. „Und die sogenannte `Anfixung´ kommt eher über die eigene peergroup, nicht über Konsumierende.“
Man müsse eben auch kindgerechte Prävention betreiben. Ergänzend dazu wies Angelika Schels-Bernards vom Drogen- und Suchtausschuss der Freien Wohlfahrtspflege NRW noch darauf hin, dass es „ja, verstörend sein kann, einen derart Erkrankten zu sehen. Aber es ist nicht gefährlich, jemand Kranken anzuschauen.“
Gegen Spaltung agieren
Die Auseinandersetzung weiter zu suchen, auf Ansprechpartner und Verhaltenstipps zu bestehen, den Blick zu weiten und im Gespräch zu bleiben gegen Spaltung – das rieten die Podiumsgäste den Anwesenden und der Initiative „Süd bleibt solidarisch“.

Demo Banner mit klarer Botschaft: Nicht nur Ja zum Suchthilfezentrum, sondern auch dann noch, wenn’s bei mir um die Ecke stehen soll. (Bild: Klaus Adrian)
Und die hat sich auch vor der Ratssitzung wieder aufgemacht, um allen, die ins Rathaus gingen zu zeigen: Wir sind dabei, wir unterstützen das Vorhaben, jetzt möglichst zügig das Elend auf den Straßen der Innenstadt zu lindern. Und denen zu helfen, die im Gegensatz zu allen öffentlichen Befürworter*innen oder Gegner*innen des Suchthilfezentrums, ganz sicher eines sind: Ganz unten.
Der Rat hat dann übrigens am Abend den Bau des Suchthilfezentrums beschlossen.
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