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Kultur

„Biotop für Bekloppte“ – Heimatkunde, die Spaß macht!

Sonntag, 6. Februar 2011 | Text: Kathrin Rindfleisch | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Das Freie Werkstatt Theater war fast bis auf den letzten Platz ausverkauft, als am vergangenen Sonntag die Jungs und Mädels der ehemaligen Kinder-Kult-Sitzung Ziegenbart zu knapp zwei Stunden Heimatkunde einluden und dabei, ganz nebenbei, Köln als ein Biotop für Bekloppte outeten. Nicht, dass wir das nicht irgendwo schon wussten, aktuellstes Indiz in dem Zusammenhang ist sicher der U-Bahn-Bau. Aber auch Geschichten wie die der heiligen Ursula und ihrer 11.000 Jungfrauen, oder die der aus Mailand gestohlenen Gebeine der Heiligen drei Könige beweisen schon längst: die Kölner sind clever, verschlagen und furchtbar korrupt. Und weil auch die kleinen Menschen ein Recht darauf haben, zu wissen, in welcher Stadt sie hier leben, gibt´s die höchst zweifelhafte Stadtgeschichte Kölns jetzt von jungen Kölnern für junge Kölner in einer sehr unterhaltsamen Unterrichtsform.

 
Jürgen Becker, Kölner Kult-Kabarettist und verkannter Lehrer, hat diese Unterrichtsstunde der besonderen Art für das Ensemble aus ehemaligen Ziegenbartlern vorbereitet. 1991 startete er im Spielplatz mit der unterhaltsamen Kölner Stadtgeschichte sein Soloprogramm, jetzt bringt Jürgen Becker mit Regisseur Joschi Vogel und in musikalischer Begleitung von Ellen Müller am Akkordeon, die heiter-erschreckende Wahrheit über Köln und seine Bewohner mit einer Mischung aus gespielten Szenen und einem moderierten Diavortrag für ein siebenköpfiges Ensemble auf die Bühne. Die Ensemble-Mitglieder sind allesamt Jugendliche, die der Ziegenbartsitzung – der Kinder- und Jugendsitzung in Stunkmanier, die im letzten Jahr mit ihrem Zehnjährigen auch zugleich ihre letzte Sitzung feierte – „entwachsen“ sind. Weil sie aber nur dem Format entwachsen sind und nicht der Bühne, gehen die Jugendlichen, die zum Teil schon auf über elf Jahre Bühnenerfahrung zurückblicken können, nun mit einem Jugendkabarett in die nächste Runde. Das ist höchst unterhaltsam, urkomisch und keinesfalls nur was für Karneval. Und vor allem ist es was für große und kleine Leute. Das Programm ist angelegt „für Schulkinder und danach das Alter bis zur Oma. Von 6 bis 106 Jahren“ und tatsächlich sind die Lacher generationenübergreifend. Auch wenn in manchen Szenen die Gründe für Lacher verschiedene sind – in der Dombauszene beispielsweise lachen die Großen über faule Kölner, die 600 Jahre immer wieder auf den nächsten Tag verschieben, was letztendlich ein korrekter Preuße innerhalb von 32 schafft, während die kleinen Zuschauer den Versuch der Kölner, Mithilfe von Taubenkacke die Domspitzen zu bauen, herrlich witzig finden – von dieser Unterrichtsstunde sollten sich die Schulen mal eine Scheibe abschneiden: Informatives und Lehrreiches kann auch spannend und lustig sein. Und damit im Kopf bleiben. Die Szene mit dem singenden Erzbischof Rainald von Dassel, bepackt mit Shoppingtüten aus Milano und `ner Tupperdose mit den Gebeinen der Heiligen Drei Könige zumindest, vergessen die Kids sicher nicht so schnell. Schließlich durften sie, in bester Kasperletheatermanier, alle zusammen die Namen der Könige auf die Bühne grölen. Und selbstverständlich – schließlich sind wir in Köln – kannten die alle.
 
Neben den witzig-originellen Szenen und den unglaublichen (wahren!) Geschichten, die keinem noch so fantasievollen Autor einfallen könnten, ist es dem Schauspieltalent der jungen Kabarettisten zu verdanken, dass das „Biotop für Bekloppte“  knapp zwei Stunden herrliche Unterhaltung garantiert. Die Figuren, die mehr oder weniger maßgeblich die Geschichte unserer Stadt beeinflusst haben, bieten aber auch jede Menge Potential für spielwütige Jungschauspieler. Da ist die deftig-kesse Wirtin aus der Ubierschänke, der Kölsch-bekloppte Höhner-Frontmann Henning Krautmacher, OB a.D. Fritz Schramma, der mit seiner ewigen Leier vom Nichtsahnenden ein gefundenes Kabarett-Fressen ist, und selbst aus den beiden kriecherischen Domherren, die den Bürgermeister Gryn dem Löwe zum Fraße vorgeworfen haben sollen, haben die Jungs und Mädels auf der Bühne alles raus geholt.
 
Das Zusehen hat so viel Spaß gemacht, das hat glatt über die Länge beim Diavortrag der Ursula-Geschichte hinweggeholfen, und auch die wenigen Texthänger sind nicht tragisch, eher charmant, ist es schließlich auch eine ganze Menge Text, den sich die sieben Nachwuchskabarettisten da in ihre Köpfe geschaufelt haben!
Gut gelernt! Hat man als Zuschauer auch. Will man Köln verstehen, muss man den Karneval verstehen und will man den verstehen, muss man zu den „Bekloppten“ gehen…!
 
 
Die nächste Aufführung im Freien Werkstatt Theater im Zugweg 10 ist heute Abend um 18 Uhr, Kartentelefon 0221 / 32 78 17. Die weiteren Termine, sowie mehr Infos zum Ensemble gibt es unter www.ziegenbartsitzung.de und unter www.fwt-koeln.de.

Text: Kathrin Rindfleisch

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