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Kultur

Buchempfehlung: Willy Russel „Der Fliegenfänger“

Samstag, 1. Mai 2010 | Text: Gastbeitrag | Bild: Heyne Verlag

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Hungrig nach neuen verrückten Welten, um aus dem Alltag auszubrechen, führte mein Weg geradewegs zur Buchhandlung am Chlodwigplatz. Verzweifelt im Dschungel der gedruckten Seiten wendete ich mich an den Buchhändler: „Hätten sie wohl einen Tipp für ein skuriles Buch zwischen Murakamis „Hard Boild Wonderland oder das Ende der Welt“,  Sch(w)ätzings: „Der Schwarm“ oder Mc Courts: „Die Asche meiner Mutter?“ – „Oh natürlich, da hätte ich beispielsweise Russels „Der Fliegenfänger“  

Auf der Rückseite las ich: Eine ganz persönliche Unabhängigkeitserklärung- Der Tag an dem der 11-jährige Raymond Marks in einer Schulpause per Zufall das „Fliegenfangen“ erfindet, ändert alles. Das harmlose Spiel wird katastrophal missverstanden, Raymond fliegt von der Schule und beginnt ein tragikomisches Leben als Außenseiter und Sonderling. Wie es ihm dennoch gelingt, sein ganz persönliches Glück zu finden, schildert dieser überaus komische und gleichzeitig warmherzige Roman. – „Wie ein englischer Huck Finn – todkomisch, todtraurig, sensationell.“ Der Stern“ (habt ihr eigentlich schonmal schlechte Rezensionen auf der Rückseite gelesen???) – na gut, hört sich ja vielversprechend an – und es geht auch noch um Schüler…

Auf der Couch habe ich mich dann über meinen neuen Fund hergemacht und, was soll ich sagen, auf meiner Stirn klebte für viele Stunden ein Schild mit der Aufschrift „Büro zur Zeit geschlossen!“. Ein Pageturner oder – auf kölsch – Sigge-wigger-Buch. Dieses Buch vereinigt unglaublich witzige Szenen und Sprüche mit traurigen und verzweifelten Ereignissen, die einen als Leser sowohl physisch, als auch psychisch mitnehmen. Manchmal wäre ich gerne ins Buch gesprungen und hätte einige verha… können – oder auch umarmen und küssen.

„Der Fliegenfänger“ ist eine Art Roadmovie. Raymond ist auf der Reise nach Grimsby, wo er auf Raten seines Onkels (Raymond redet von ihm immer als „mein Drecksonkel“), einen Job antreten soll, um endlich ein ordentliches Leben zu führen und in der Hoffnung, seine Mutter glücklich zu machen. Die Fahrt stellt sich als Odyssee heraus. Alles, was Raymond bisher erlebt hat und wieso er überhaupt in diese verquere Lebenslage geraten ist, schreibt er in Briefen an sein Idol Morrissey (ehemaligen Star der Band „The Smith“). Mit der Zeit stellt er fest, dass es „einemillionprozentig in Ordnung ist, nicht normal zu sein“.

Der Roman ist fast wie ein Krimi, da die Hauptfigur ständig unter Beschuss der Gesellschaft steht, ob durch Missverständnisse oder würdeloser Unmenschlichkeit. Raymond versucht, diesem zu entkommen. Seine sehr reflektierten Gedankengänge spiegeln seine „andere“ Sicht der Begebenheiten und Beweggründe wieder. Es ist ganz typisch für ihn, seine Gedanken (oft verhasste) laut auszusprechen, wohl in der Bewusstheit, dass er sich so auch selbst wieder ins Abseits katapultiert (ähnlich einer „Self-fulfilling prophecy“) und seiner Rolle als Außenseiter und Sonderling gerecht wird. Aber vielleicht auch gerade zum Trotz: ich bewunderte seine Konsequenz der Ehrlichkeit! Wie gut, dass er seine Super-Oma hat, die voll und ganz hinter ihm steht und auf Konventionen keinen Wert legt. (Kann ich die mieten?) Wunderbar überhaupt die vielen gut gezeichneten Charaktere, die ihn auf seinem Weg zum Erwachsenwerden und schließlich zu seinem persönlichen Glück begleiten…
Nach 525 Seiten und mit Tränen in den Augen öffnete ich (leider) wieder das Büro …
 

Empfohlen von Claudia J.-B.

 

 

Willy Russel: „Der Fliegenfänger“
Roman
Wilhelm HEYNE Verlag München, 2001
ISBN : 978-3-453-86428-3
8,95 Euro
Originalausgabe: THE WRONG BOY, London 2000

Text: Gastbeitrag

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