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Umwelt

Die geheimen Gärten der Südstadt: Marios Dschungel

Montag, 3. Oktober 2011 | Text: Maja Majer-Wallat | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Vor Jahren hatte ich das Glück, mit der Autorin des Buches „Die geheimen Gärten Venedigs“ einige dieser Schönheiten zu besuchen. Jahre später sitze ich in unserem „Hofgarten“ in der Volksgartenstraße, immer neugierig auf andere Gärten und Menschen um mich herum, die mit mir eine Gemeinsamkeit teilen: den grünen Daumen.

 

Von dem Wunsch, meine Neugier zu stillen, bis zur Idee, über die „geheimen Gärten der Südstadt“ zu berichten, war’s nicht weit: In loser Folge wollen wir Höfe und Gärten der Südstadt suchen, finden und beschreiben, grüne Entdeckungen aus dem Veedel vorstellen. Hinweise sind willkommen! Wir freuen uns über Tipps und Termine zum Thema. Die wenigsten dieser Orte sind so sichtbar wie die Bananeninsel am Kreisel, Bonner-, Teutoburger- und Rolandstraße. Die meisten befinden sich im Hinterhof und bleiben weitgehend unsichtbar für die Öffentlichkeit. Von einem dieser Orte wollen wir heute erzählen…

Marios Garten
Mit dem Fahrrad fahre ich bei leichtem Nieselregen in die Teutoburger Straße und bin sehr gespannt auf die erste Gartenentdeckung. Mario, ein freundlicher Südstädter, öffnet und schon bald sind wir mitten im Grünen. Wir blättern in einer Mappe, in der er den Verlauf der Entwicklung von einem ungestalteten Hinterhof zu einem tropisch anmutenden Dschungelgarten liebevoll dokumentiert hat.

 

2006 im April fing alles damit an, dass Mario den Hausbesitzer fragte, ob er sich um den Hof kümmern dürfe. Er durfte. Zu diesem Zeitpunkt gab es nur Giersch, Hortensien, die nicht blühen wollten, weil ihnen das Licht dazu fehlte, und Betonplatten. Ein Klassiker ästhetischer Verwahrlosung. Zunächst musste der Istzustand analysiert und ein Plan entworfen werden. Eine Grundstruktur mit Beeten und einem Weg musste festegelegt werden. Die Steine hierfür, die urige Grauwacke, kamen aus der Eifel. Die lästigen Betonplatten – „Wohin damit? Die sind so schwer!“-, alte Kantensteine von Bürgersteigen wurden zur Wurzelsperre für einen drei Meter hohen Bambus. Fünfzig Zentimeter tief müssen sie in den Boden eingelassen werden, damit der durchsetzungsfähige Bambus nicht den ganzen Garten erobert, sondern als grüne, bewegte Wand, die dunkle Ziegelmauer versteckt und Sichtschutz bietet. Zwei serbische Fichten, die dem Boden Energie und dem Garten Licht entzogen, mussten gefällt werden.

Buddha Lounge

An ihrem Standort hat Mario eine stabile Laube aus Holz gebaut. Asiatische Anmutung mit farbigen Stoffen, ein Diwan und eine umgebaute Hollywoodschaukel laden ein zum Klönen und Träumen. Wir tun es der Skulptur gleich, deren Blick in den Garten gerichtet ist und sitzen in der „Buddha Lounge“ mit Blick auf ein kleines Gewässer, nicht etwa am Himmalaya sondern in einem Garten in der Südstadt. Es gibt köstlichen, brasilianischen Kaffe und selbstgebackenen Kuchen. Wasser ist die Stimme des Gartens, sagt Mario, und so hat er einen kleinen Brunnen gebaut aus einer Gummibütte, etwas Teichfolie, Umwälzpumpe und einem Filter für die gute Wasserqualität. Hier wohnen jetzt zwei glückliche Goldfische, und es murmelt und rieselt, und tatsächlich verstärkt die ungewohnte Geräuschkulisse den Eindruck in einer anderen Welt zu sein.

 

Seit der Garten fertig ist, geht Mario nun direkt vom geteerten Parkplatz hinter dem Haus in seinen Garten. Eine neue Lebensqualität. „Ich schaue dann zuerst nach den Pflanzen und nach den Fischen, und kann so langsam in in den Freizeitmodus hinübergleiten“. Mario hat im seinem Garten eine reale Welt geschaffen, die zu seinem Beruf als Web-Designer einen wohltuenden Ausgleich schafft. Sorgen machen ihm nur die angefressenen Blätter. Ein Dickmaulrüssler hat eine Pflanze befallen und muss mit Nematoden bekämpft werden. Da ist zumindest vorübergehend mal kein Platz für Gedanken ans Büro.

Mario mag’s tropisch und üppig. Gar nicht so einfach, wenn es kaum Sonne und insgesamt wenig Licht gibt. Die Wahl der Pflanzen ist da der Passepartout zum Gärtnerglück. Zwei Hanfpalmen waren aus Bonn nach Köln mit ihm umgezogen und setzen ein südliches Zeichen in derweil stattlicher Höhe. Sie sind auch in unseren Breiten gerne zu Hause, weil sie bis zu 12° minus vertragen. Mit ihnen vertragen sich eine rötliche Zimmeraralie und drei raumhohe Bananen. Zwischen den Wegplatten und am Rand der Rabatten kuscheln Pfennigkraut und Bubiköpfchen, sowie weicher und glänzender Schildfarn, der sich in diesem Jahr erstmals vermehrt hat. Die orientalischen Lilien blühen schon zum dritten Mal. Eine europäische Sumpfschwertlilie und Fleißige Ließchen tupfen Farbklekse in das vielfältige Grün.

 

Das Grün ist überhaupt flächendeckend, beruhigend. Die endlose Vielzahl der Blattformen sagt mir viel über die Achtsamkeit des Gartenliebhabers. Er komponiert pflanzliche Formen und Farben, und das nicht nur am Boden, sondern auch entlang der Wände. So lugen zwischen dem dunkelgrünen Efeu verschiedene Bromelien, sogenannte Aufsetzer, hervor. Mit ihren auffallenden Blütenständen verstärken sie das Urwaldgefühl in diesem kleinen Paradies. Seit dem Frühling 2010 spenden rote Papageientulpen Feuer und Flamme und wärmen das Herz des Gärtners, der diese Farben besonders liebt und zusätzlich verschiedene Buntnesseln erprobt und für gut befunden hat.

Bisher war sie mir gar nicht aufgefallen, die grüne Regentonne. Sie sitzt in einer Holzbox und der Zulauf von der Dachrinne ist über eine Pergola geführt und so kräftig mit Clematis begrünt, dass Mario mich darauf aufmerksam machen musste. Sonst hätte ich diesen wichtigen Teil seines Gartens gar nicht bemerkt. Was mag mir sonst noch alles entgangen sein? Ja, beim Hinausgehen verabschiedet mich noch ein kleinblütiger echter Jasmin. Eins ist sicher. Ich komme gerne wieder.
 

Geheime Gärten der Südstadt from Meine Südstad

Text: Maja Majer-Wallat

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