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Politik

Die Graswurzel-Frauen…

Mittwoch, 29. Januar 2014 | Text: Judith Levold | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

…scheinen Tradition zu haben bei den Kölner Grünen, zumindest im Wahlkreis 02, der Neustadt-Süd. Wenn Barbara Moritz sich demnächst aus dem Kölner Rat und der Berufspolitik zurückzieht, wird ihr Marion Heuser nachfolgen, sofern die Grünen diesen Wahlkreis wieder „holen“. Zumindest wird Heuser, studierte Archäologin und Neu-Grüne (sie trat erst 2013 in die Partei ein), die übrigens in der Annostraße, Ecke Buschgasse aufwuchs, für die Kommunalwahl im Mai kandidieren. So haben es die Kölner Grünen bei ihrer letzten Mitgliederversammlung abgesegnet, zuvor war sie bereits vom Ortsverein 1 einstimmig zur Kandidatin gekürt worden. Keine kleinen Fußstapfen, in die sie da treten darf. Barbara Moritz, im Veedel bekannt wie der sprichwörtlich bunte Hund, hat in gut fünfundzwanzig Jahren Kommunalpolitik, seit 2000 als Vorsitzende der Grünen-Ratsfraktion, einiges erreicht in Köln und mit ihrem stadtentwicklungspolitischen Schwerpunkt eine Querschnittsaufgabe bearbeitet. Von der Einrichtung des Vringstreffs als Anlaufstelle für die Obdachlosen, die mit der Stollwercksanierung vertrieben wurden, über die Entsiegelung der Mittelstreifen und deren Nutzung als bespielbare Flächen für die Bürger, bis zur beliebten Skateranlage an der Südbrücke – an der Umsetzung vieler Projekte hat Barbara Moritz ausdauernd mitgewirkt.

 

Meine Südstadt: Wieso hören Sie auf?
Barbara Moritz: Ich höre ja nicht auf, mich politisch zu betätigen, ich will mich nur nicht mehr als Mandatsträgerin engagieren. Ich finde, es reicht jetzt auch mal, ich bin dreiundsechzig Jahre alt, nach so einem viertel Jahrhundert kann man mal aufhören. Aber ich werde mich weiter einmischen, politisch arbeiten. Ich komme ja aus der Bürgerinitiative, hab ja dort angefangen, einen Kinderladen gegründet, mit der BISA unter anderem (Bürgerinitiative Südliche Altstadt, Anm. der Redaktion) für den sozialverträglichen Stadtumbau gekämpft…

Marion Heuser: …ist bei mir ähnlich. Ich komme auch aus der Bürgerbewegung, habe mich früh in der Initiative gegen den Hafenausbau in Godorf engagiert. Und es ist vielleicht auch nicht schlecht, das Staffelholz abzugeben, wenn man das schon so lange macht.

Barbara Moritz: Das haben wir gemeinsam, dass wir beide keine Parteigewächse sind. Sondern immer über die Themen gekommen sind, nicht über die Partei. Und eben das Realistische, das Realpolitische. Ich hab es immer als meine Pflicht angesehen, Lösungen zu präsentieren, die real umsetzbar sind…

Geht da nicht einiges verloren, muss man da nicht zu viele blöde Kompromisse machen?
Marion Heuser: Das ist ein naives Bild, dass man in der Demokratie alles durchsetzen kann. Als Bürgerinitiative ist man natürlich völlig frei, zu fordern, was immer man will, aber als politisch Arbeitender wird man in seine Grenzen verwiesen, durch Verordnungen, Bestimmungen, die Komplexität der Vorgänge einfach. Und da ist es dann wichtig, dass man sich so ein bisschen die Bürgerinitiativen-Mentalität bewahrt, um auch wirklich weiter an den Bürgern dran zu sein und für sie Politik zu machen…

Barbara Moritz: …Ich hab´ mich anfangs immer so als U-Boot der Bürgerinitiativen begriffen. Man braucht ganz einfach Macht, um Ideen umzusetzen…

Marion Heuser: …und Durchhaltevermögen. Und man muss sich Verbündete suchen…

Barbara Moritz: …Richtig. Inhaltlich Verbündete, auch über Parteiprogramme hinweg oder über Rollen hinweg. Also wenn ich als Politikerin begründet etwa gegen ein neues Justizzentrum an der Alteburgerstraße bin, dann suche ich nach realisierbaren Alternativen, gleichzeitig hilft mir natürlich das Engagement aus der Bürgerschaft, weil es die Argumente stärkt.

Marion Heuser ist ja momentan stellvertretende Bürgermeisterin im Stadtbezirk Rodenkirchen, warum soll genau sie als Kandidatin für den Südstadt-Wahlkreis antreten? (Wahlkreis 02, Neustadt-Süd)
Barbara Moritz: Ich hab Marion angesprochen, als ich mich mit dem Rückzug gedanklich zu beschäftigen begann. Hab mich gefragt: wer könnte gut diesen Wahlkreis übernehmen? Und ich habe sie in ihrer politischen Arbeit beobachtet. Da war mir wichtig, dass sie eine sehr menschenzugewandte Persönlichkeit hat und eben vom Inhalt her motiviert ist, nicht von der Parteikarriere. Ich freue mich total, dass sie die Kandidatin geworden ist und werde sie auch im Wahlkampf unterstützen.

 

Frau Heuser, werden Sie die Politik von Frau Moritz fortsetzen, Stichwort Stadtentwicklung?
Marion Heuser: Ich habe schon etwas andere Schwerpunkte, bin besonders am Sozialen interessiert. Aber durch die Arbeit in der Bezirksvertretung ist man ja Generalist und die Stadtentwicklung, also nicht nur baulich, sondern auch sozial, ist ja ein integriertes Thema, ämterübergreifend…

Barbara Moritz: …Grüne Sozialpolitik IST Stadtentwicklungspolitik. Wenn Du Leute überzeugen willst, brauchst Du soziale Empathie

…und auch Visionen? So ein riesiges neues Stadtquartier, wie das im Sanierungsgebiet rund um den Großmarkt bis zum Rhein hin entstehen soll, da muss es doch Grüne Ideen geben, oder?
Marion Heuser: Sicher, ich klammere ESIE ja nicht aus, und da werden ja auch die sozialen Belange wichtig sein. Insofern setze ich natürlich die Politik von Barbara fort, auch im Hinblick auf umweltverträgliche Mobilität – den Radverkehr stärken. Oder speziell in der Südstadt: Wir müssen genau im Auge behalten, was mit dem Chlodwigplatz passiert. Und unbedingt die Vielfalt dieses Viertels erhalten. Deshalb will ich auch dafür arbeiten, dass sich die Bürger einbringen können, zum Beispiel für den Erhalt des Bürgerhaus Stollwerck.

Das sind ja enorm viele Baustellen und auch enorm viel gegenläufige Interessen in einer Großstadt…ist das nicht alles frustrierend langatmig, wenn man was umsetzen will?
Barbara Moritz: Ja, ich bin schon auch oft frustriert gewesen, weil die Dinge nicht so umgesetzt wurden, wie ich sie ursprünglich mal vorhatte. Und das ist so ein Rauf und Runter. Manchmal lieg´ ich schon im Bett und frage mich: Lohnt sich das alles?

Finanziell ja wohl eher nicht, oder?
Barbara Moritz: Nee, ganz und gar nicht. Seit 2000 habe ich keine Altersvorsorge mehr und 17,50€ für eine achtstündige Ratssitzung… da würde in der freien Wirtschaft keiner für arbeiten. Und zwar leidenschaftlich arbeiten. Aber das ist so eine manische Sache, ´ne Mentalitätssache. Ich kann meinen Mund nicht halten…

Marion Heuser: …ja, dieses sich Einmischen. Das ist wichtig. Wenn ich mich als Mitglied einer Gemeinschaft fühle, dann auch für die Gemeinschaft wirklich was zu machen.

Frau Heuser, Frau Moritz – danke für das Gespräch!
 

Text: Judith Levold

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