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Südstadt

Die Pop-Up-Store-Frau

Mittwoch, 29. September 2021 | Text: Reinhard Lüke | Bild: Oliver Köhler

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Am Donnerstag öffnet Norma Wright wieder ein Mode-Geschäft. Für eine Woche.

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Man kennt das ja von der Severinstraße. Da hängen bunte Luftballons vor einem Laden und auf einem Transparent steht „Neueröffnung!“. Kommt man einen Monat später dort vorbei, heißt es „Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe“. Aber dass ein Laden extra nur für eine Woche geöffnet hat, dürfte auch in der Südstadt höchst ungewöhnlich sein.

In der Mainzer Straße gibt’s eine Woche lang Normas Finest.

Norma Wright macht das dagegen immer so. Viermal im Jahr öffnet sie für eine Woche einen so genannten Pop-Up-Store, in dem sie Kleidungsstücke und Accessoires ausgesuchter Designerinnen anbietet. (Es sind auch einige wenige Designer dabei, aber ich bleibe jetzt mal gendermäßig bei der weiblichen Form.) Ab morgen (30.9.) präsentiert Norma unter dem Titel „Normas Finest“ in den Räumen der Galerie 0 in der Mainzer Straße die Herbst-/Winterkollektionen von rund 15 Designerinnen.

Designerinnen-Mode in der Galerie: Normas Finest Pop-Up

Gut ein Drittel von denen sind regelmäßig dabei, die anderen zum ersten Mal. Es sind in der Mehrzahl Modemacherinnen, die in so kleinen Stückzahlen produzieren, dass sich ein eigener, ganzjährig geöffneter Verkaufsraum nicht lohnen würde. Massenware kommt Norma sowieso nicht in Haus. Wie ihre Designerinnen legt sie großen Wert auf Nachhaltigkeit bei der Herstellung der Stoffe und ebenso wichtig ist ihr, dass die Textilien fair produziert werden. So wie es die Kölner Designerin Christiane Strobel praktiziert, die ihre Kollektionen von Frauen mit körperlichen Behinderungen in Marrakesch fertigen lässt. So findet sich in den Pop-Up-Stores weniger hippe, als vielmehr hochwertige, zeitlose Mode.

Keine H&M-Ware, keine H&M-Preise – dafür nachhaltig und erlesen – Designerinnen bei Normas Finest

Und die gibt es natürlich nicht zu H&M-Preisen. Was Norma manchen Kundinnen aber erst erklären muss. „Ich verstehe nicht“, sagt sie im Gespräch, „warum manche Leute kein Problem damit haben, im Restaurant ein Flasche Wein für 50 Euro zu bestellen, aber ihnen 100 Euro für ein hochwertiges Designer-Kleid, das man über viele Jahre tragen kann, dann doch zu viel Geld sind.“ Doch wer von den Damen partout zu knauserig ist, kann in der Hoffnung, dass das avisierte Lieblingsstück noch dabei ist, natürlich auf den Sale spekulieren, den Norma zwei Mal im Jahr veranstaltet. Der für die Herbst-/Winterkollektion findet normalerweise im Februar statt und da gibt’s parallel auch hochwertige Karnevalskostüme, die vielfach aus Theaterfundi stammen. Hinsichtlich der Locations hat Norma über die Jahre mit der Galerie 0 und der Galerie Smend, ebenfalls in der Mainzer Straße, zwei verlässliche Vermieter gefunden, bei denen sie sich mit ihrem Store abwechselnd jeweils für eine Woche einquartiert.

Bunt wie die Kinderklamotten, die sich Norma früher in Holland suchte…Designerklamotten, fair produziert.

Wie die gebürtige Kölnerin und ausgebildete Krankenschwester überhaupt zur Mode kommen ist, hat viel mit ihren Kindern zu tun. „Als die noch klein waren“, erinnert sie sich, „fand ich die Kindersachen, die es hier zu kaufen gab, einfach trist und einfallslos. Da habe ich mich nach Alternativen umgesehen und vor allem in Holland fündig geworden. Das hatte dann auch den Vorteil, dass ich meine Kinder auf dem Spielplatz problemlos finden konnte. Sie waren immer die buntesten.“ Da andere Eltern wissen wollten, woher denn die auffälligen Klamotten stammten, begann Norma, diese in Köln zu vertreiben. In vorübergehend angemieteten Lokalen aber auch in Form von Hausverkäufen nach dem Modell der Tupperpartys. Auch für ihren Laden in der Teutoburger Straße, den sie ab 2012 zunächst unter dem Namen Normas Finest und später 1-24, sieben Jahre lang betrieb, war Kinderkleidung der Grundstock. Erst nach und nach rückten Kollektionen für Erwachsene in den Vordergrund.

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Auch der Laden hatte ein ungewöhnliches Konzept. Für gut drei Wochen hingen oder lagen die Stücke im Geschäft, danach wurde regelmäßig das komplette Sortiment ausgeräumt und gegen andere Ware ausgetauscht. Ein einigermaßen stressiges Unternehmen. Damit verglichen erscheint das Modell der Pop-Up-Stores doch als ein vergleichsweise geruhsames Geschäft. Doch ganz so entspannt nimmt sich das in der Praxis auch nicht aus. Die Planungen für jede Öffnung beginnen laut Norma jeweils ein Jahr vorher. Die Werbung für Normas Finest läuft vor allem über die Sozialen Netzwerke, aber Norma Wright ist in der Südstadt auch offline bestens vernetzt. So ist sie schon seit Jahren im Vorstand der Aktionsgemeinschaft rund um Bonner Straße/Chlodwigplatz (ABC) aktiv, organisiert die Modenschau auf dem Südstadtfest und die modisch interessierten Damen des Viertels wissen eigentlich immer schon über Mundpropaganda, wann Norma wieder öffnet.

Normas Finest
30.9 bis 6.10, Galerie 0, Mainzer Straße 37
geöffnet: Montag bis Freitag 11 bis 19 Uhr, Samstag u. Sonntag 13 bis 18 Uhr

Text: Reinhard Lüke

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