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Politik Umwelt Verkehr

Die Porsche-Tram für Köln ein Traum

Freitag, 20. Mai 2016 | Text: Stefan Rahmann | Bild: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Über den Bahnverkehr auf der Bonner Straße diskutierten KVB-Chef Jürgen Fenske und der Verkehrsexperte Heiner Monheim. Stefan Rahmann hat dem Streit zugehört.

„Wir sind ein bisschen spät dran“, räumte Professor Heiner Monheim gleich zu Beginn seiner Ausführungen ein: „Aber noch lange nicht zu spät“, machte er der überwiegenden Mehrheit seiner Zuhörer Hoffnung. Die waren in die Lutherkirche gekommen, um sich aus erster Hand über den Weiterbau der Nord-Süd-Bahn von der Haltestelle Marktstraße bis zum Verteilerkreis Süd zu informieren. Erste Hand hieß: Auf dem Podium saßen mit KVB-Chef Jürgen Fenske, Klaus Harzendorf, Leiter des Amtes für Straßen und Verkehrstechnik, und Gerd Neweling, Chef im Amt für Brücken und U-Bahn-Bau, echte Hochkaräter. Von denen kam in den ersten zwei Stunden der Veranstaltung allerdings keiner zu Wort. Nach den Begrüßungsworten von Ottmar Lattorf vom Nabis e.V., der den Abend organisiert hatte, äußerte sich Monheim in epischer Breite zum öffentlichen Personenverkehr in Köln im Allgemeinen und danach auch noch im Besonderen.

 

Der Verkehrsexperte und emeritierte Professor der Uni Trier, der unter anderem im Landesverkehrsministerium gearbeitet hat, plädiert für ein Moratorium bei der Verlängerung der Bahn. „Schließlich haben wir Zeit gewonnen“, verwies er auf den verspätet erteilten Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung. Die hatte den Beschluss, der Voraussetzung für die Aufnahme der Bauarbeiten ist, der Stadt Anfang Mai zugesandt. Zu spät, um sofort mit den Arbeiten zu beginnen, da Bäume nicht während der Vegetationsperiode vom 1. März bis 30. September gefällt werden dürfen. 233 Bäume müssen für den Neubau fallen. Zeit genug also, um nochmal über alles nachzudenken? Monheim jedenfalls hat sich Gedanken gemacht.

 

„Die Bonner Straße hat etwas Besonderes. Sie hat eine Busspur. Warum lässt man die Straßenbahn als kleinere Tram nicht einfach über diese Spur fahren. Das wird deutlich billiger als der Bau eines eigenen Gleiskörpers für die Stadtbahn mitten auf der Bonner Straße mit Bahnsteigen, die fast einen Meter hoch sind?“ Der Verkehrsexperte verwies auf Wien. Dort würden Trambahnen, entworfen von der Firma Porsche, mit einer Einstiegshöhe von drei Zentimetern fahren. Dementsprechend unauffällig seien auch die Haltestellen. Trambahnen würden im Verkehr „mitschwimmen“, während die Stadtbahnen, die auch auf der Bonner Straße zum Einsatz kommen sollen, auf höhere Geschwindigkeiten ausgerichtet seien. Das sei außerhalb von Wohngebieten erwünscht, innerstädtisch aber nicht sinnvoll. Monheim hat auch einen Plan, wie die Stadtbahnen, die ja an der Marktstraße aus dem Tunnel kommen, mit den kleineren Trambahnen verknüpft werden sollen. „Backe an Backe“ nämlich. „Es ist genügend Platz da, um den Fahrgästen einen Wechsel von einer Bahn in die andere mit wenigen Schritten zu ermöglichen.“

Kritik an Gleisen in Mittellage

Monheim kritisiert aber vor allem die Gleise in Mittellage, weil sie die Bonner Straße bis auf wenige Übergänge „unüberwindbar“ teilen würden. Darunter würden auf jeden Fall die Händler rechts und links der Straße leiden. Immerhin seien für die Bonner Straße sogenannte Rasengleise geplant. Durch das Grün würde – immerhin -die Lärmbelastung durch die Bahnen halbiert.

Für die geplante Parkpalette am Verteilerkreis machte Monheim eine Rechnung auf, die man in dieser Form noch nicht gehört hatte. „Die Parkpalette soll 600 Plätze haben. Das ist wenig bei einem Verkehrsaufkommen von 10.000 Autos täglich auf der Bonner Straße. Aber nehmen wir an, die Palette ist besetzt und es fahren 600 Autos weniger in die Innenstadt. Dann werden die Parkplätze, die die vorher besetzt haben, von der Stadt bewirtschaftet. Auf bewirtschafteten Parkplätzen findet täglich fünf Mal ein Wechsel der Autos statt. Mit Hin- und Herfahrten haben Sie also ein Mehrfaches des jetzigen Autoverkehrs.“

Köln braucht mehr Schiene

KVB-Chef Fenske war sich mit Monheim immerhin  einig, dass „Köln mehr Schiene braucht“. Das wars dann  aber auch mit den Gemeinsamkeiten. „Sie entwerfen hier ein Bild von Stadtbahnen, das nicht der Realität entspricht“, sagte Fenske zu Monheim gewandt: „Wenn wir hier auf der grünen Wiese Straßenbahnen bauen würden, gäbe ich Ihnen recht. Aber wir müssen uns, was die Stadtentwicklung angeht, in bestimmten Rahmenbedingungen bewegen. Im Vergleich zu Köln hat Wien ein geschlossenes U-Bahn-System. Das kommen die Bahnen nicht aus den Tunneln und müssen sich den Straßenraum mit Autos teilen.“ Deshalb sei es in Köln nicht möglich, mit der Porsche-Tram zu fahren. „Dann müssten wir 200 Hochbahnsteige umrüsten. Das würde Milliarden kosten und die Barrierefreiheit auf Jahrzehnte verhindern.“ Einen Umstieg an der Marktstraße auf die Porsche-Tram hält Fenske für unmöglich, weil Umstiege immer störanfällig seien.  „Umsteigefreie Beziehungen sind immer besser weil schneller.“ Außerdem würde eine Tram ohne eigenes Gleis Gefahr fahren, im Autostau auf der Bonner Straße zu stehen.

Am Ende prüfen die Rechnungshöfe

Darüber hinaus müsse man einen weiteren Aspekt beachten, der alles andere als unerheblich sei: Die Zuschüsse. 750 Millionen fließen allein vom Bund über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz. Der verkehrliche Mehrwert der Nord-Süd-Bahn, der gefördert werde, hänge davon ab, dass alle drei Baustufen bis zum Verteilerkreis wie geplant gebaut würden, sagte Fenske: „Ansonsten sind die Zuschüsse gefährdet. Und da reicht es nicht, mal eben mit einem Minister zu sprechen. Am Ende kommen die Rechnungshöfe und prüfen. Stellen Sie sich mal vor, Köln müsste die Gelder zurückzahlen.“ Aus Fenskes Sicht ist alles ganz einfach: „Ein Moratorium macht keinen Sinn, weil sich keine neuen Erkenntnisse ergeben werden. Das neue Angebot der Nord-Süd-Bahn wird ein Qualitätssprung im öffentlichen Verkehr und städtebaulich absolut verträglich sein.“

Prozessuale Risiken

Müssen es jetzt die Gerichte richten? Monheim weiß, dass Bürger überlegen, gegen die Bahn zu klagen. „Wir sind ja nicht prinzipiell gegen eine Straßenbahn auf der Bonner Straße. Wir sind nur gegen die, die Sie planen“, sagte der Verkehrsexperte in Richtung Fenske und empfahl dem: „Nehmen Sie die Bürger mit. Sonst laufen Sie in prozessuale Risiken.“
 

Text: Stefan Rahmann

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