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Kultur

Ein wahrer Sohn – „Hamlet“ im Theater im Sachsenring

Montag, 17. Oktober 2011 | Text: Gastbeitrag | Bild: Wolfgang Weimer

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

 

Die „Hamlet“-Inszenierung, derzeit im „Theater am Sachsenring“ zu sehen, ist ein Spiel mit Bühnenelementen: Aus Spanholz gefertigte und durch Scharniere verbundene Rahmen werden umfunktioniert, sobald der Schauspieler durch sie hindurch schreitet – in eine andere Szene und einen anderen Zustand hinein. In die Zerrissenheit, Gewissenhaftigkeit, in den Wahn, Zweifel, in die Erkenntnis, Liebe, den Hass, den Verrat, in den Mord und das Nicht-Sein.

 

Ein Rahmen als Spiegel, zwei Rahmen als Buch, drei Rahmen als Grab. Für das elterliche Gemach – alle Rahmen als Stern. Alle Rahmen als Burgmauern, alle Rahmen als Wände, durch die man hindurchgeht oder sich dahinter versteckt. Die Rahmen als Gassen, als Fugen und als Entourage für Hamlets Welt.

Zum Stück: Der Geist der vorherigen Königs von Dänemark (König Hamlet) erscheint seinem Sohn, um diesem das Versprechen abzuringen, seinen Mord, der von seinem eigenen Bruder (Claudius) und jetzigem König Dänemarks begangen wurde, zu rächen. Prinz Hamlet greift, um den Mörder zu entlarven und um sich selbst nicht zu gefährden, zu einer List und stellt sich – dem Wahnsinn verfallen. So kann er Dinge bei Hofe behaupten, für die er sonst sein Leben aufs Spiel setzen würde. Alle Versuche des Königspaares (Hamlets Mutter Gertrude hat geschwind ihren Schwager geheiratet) mit Hilfe der Hofleute, Hamlet auszuspionieren und sogar ein von König Claudius, der die von Prinz Hamlet die ausgehende Bedrohung spürt, in Auftrag gegebenen Mordplan, seinen Neffen (jetzt auch Stiefsohn) und Thronerben endgültig zu erledigen, schlagen fehl. Jedoch – sie enden tragisch!

Als Hamlet schließlich eine fahrende Schauspielertruppe den Königsmord nachspielen lässt, verrät König Claudius durch seine tiefe Betroffenheit seinen Frevel und Brudermord. Es kommt zu Intrigen und  Verwechslungen und einem Showdown, in dem sich alle Hauptfiguren entweder selbst oder  aus Versehen, meist jedoch gegenseitig umbringen. Einziger Überlebender ist Horatio, Hamlets Studienkollege und bester Freund.

In der Tragödie – tränenreich und auf charmante Weise verspielt inszeniert, wird heiter gemenschelt, gemein geäfft und drollig getollt. Der Humor erst macht das Elend und den Kampf des Protagonisten mit seinen Zeitgenossen für die Zuschauer erträglich.

 

Es gibt die beiden Totengräber als hirnlose piepsige Ratte (Signe Zurmühle) und körperlich ausschweifenden, derben Alkoholiker (Katja Gorst). Die Schauspieltruppe von Prinz Hamlets (er selbst als Montagsmaler, die anderen als sehr unterhaltsames Schaf und hemmungslose Sänger), in wahrhaftig mittelalterlicher Manier gegeben. Die Hofleute Güldenstern und Rosenkranz: verräterische, hinterhältig blasierte Erotik-Eidechsen. Den sich ständig selbst reglementierenden König Claudius (Max Heller), der seine Augenklappe verloren hat und dem seine Uniform, unter der es ambivalent brodelt, fantastisch steht. Den Polonius mit witzigem Rollenwechsel (Max Heller), die Königin (Katja Gorst) als sittenlose BH-Trägerin (aufgemotzt durch royale Schulterpolster) mit einem außergewöhnlichen empathischen Vermögen, welches sich anmutig offenbart, als sie vom Ertrinken der Ophelia berichtet. Die süße, naive, gehorsame und sehr verliebte, sehr traurige und emotional starke Ophelia. Den männlichen, duelliersüchtigen und großherzigen Laertes mit verwegener Schnute (Signe Zurmühle). Den Wind. Die großartige Atmosphäre. Die Zeit. Das Herz.

Und natürlich den Hamlet, alias David N. Koch. Als Sympathieträger mit einer markanten Stimme ausgestattet und erinnerungswürdig gespielter Tollheit. Treffsicheres, handwerklich klar erkennbares Vokabular, sorgfältig gesetztes Timing und den Schalk in den Augen. Charmante und von uns dankbar entgegen genommene, unfreiwillige Drolligkeit. Dem Wechselbad der Wahnwitzigkeit emotional angeschlossen, direkt und verssicher. Es sind das Kind und die Spielfreude in ihm, die ihn als wahren Sohn entpuppen.

Hamlet von William Shakespeare (Eine Rachetragödie)
Inszenierung: Joe Knipp

Katja Gorst – Gertrude (Hamlets Mutter); Totengräber als Alkoholiker; Schauspieler; Hofleute, Güldenstern.
David N. Koch – Hamlet (Sohn des ermordeten und Neffe des gegenwärtigen Königs).
Max Heller – König Claudius (König von Dänemark); Geist von Hamlets Vater; Polonius (Oberkämmerer); Horatio (Hamlets Freund), Schauspieler.
Signe Zurmühle – Ophelia (Tochter des Polonius); Laertes (Sohn des Polonius); Totengräber als Ratte, Schauspieler; Hofleute, Rosencrantz.

Isabel Hemming?

Die Autorin lebt in Köln, einen großen Teil davon in der Kölner Südstadt. Sie ist Schauspielerin und arbeitet auch als Schauspieldozentin www.isabelhemming.de.

Text: Gastbeitrag

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