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Kultur

„Eine Hand voller Sterne“

Montag, 16. April 2018 | Text: Jörg-Christian Schillmöller | Bild: Oliver Köhler

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Solche Dinge geschehen ganz, ganz selten: Eines Abends klingelt das Handy bei Markus Köninger. Er ist gerade bei Freunden, in Gedanken woanders. Am anderen Ende der Leitung ist der syrische Bestsellerautor Rafik Schami. Er hat die Fernseh-Doku über sich im SWR-Fernsehen gesehen – mit Animationen von Markus Köninger. Und Rafik Schami fragt Markus: „Wollen Sie aus meinen Roman ‚Eine Hand voller Sterne‘ eine Graphic Novel machen?“

Charme im Bahnhofscafé

Markus sagt sofort zu. „Rafik Schami war charmant“, sagt er. „Er spricht sehr gut Deutsch, er hat nur einen ganz leichten Akzent.“ Das liegt daran, dass Rafik Schami seit vielen Jahren in Deutschland lebt. Er floh in den Siebziger Jahren aus Syrien – wegen der Zensur. Im Interview mit der Deutschen Welle sagte er 2015, dass er mittlerweile wohl heimkehren könnte. Aber, sagt Rafik Schami: „Ich hätte es makaber gefunden, zurückzukehren, im Fernsehen aufzutreten und kulturelle Vorträge zu halten, während Freunde von mir im Gefängnis sitzen.“
Dieser Anruf liegt nun fast zwei Jahre zurück. Ihm folgte ein Treffen von Rafik Schami und Markus Köninger in Weinheim, denn dort hat der Verlag Beltz&Gelberg seinen Sitz. „Rafik Schami und ich haben uns im Bahnhofscafé getroffen, im Sonnenschein. Das war ein schönes Kennenlernen“, erzählt Markus. Später kamen die Menschen vom Verlag dazu. Das Projekt nahm Form an. Es ging um das WIE, nicht um das OB.

Zutaten schon da

Eine Hand voller Sterne von Markus Köninger

Auch ich sitze mit Markus Köninger im Café, in der Caffèbar am Ubierring. Es ist morgens zehn Uhr im kalten Köln. Vor uns liegt die Graphic Novel „Eine Hand voller Sterne“. 140 Seiten sind es geworden, mit den Zeichnungen von Markus in markanten schwarzen Strichen und als Farbe nur das sandige Ocker – in Anlehnung an die Lehmhäuser im alten Damaskus. Denn „Eine Hand voller Sterne“ spielt in der syrischen Hauptstadt. Das Buch ist die Geschichte eines Jungen auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Der Ich-Erzähler ist Sohn eines Bäckers und beginnt, Tagebuch zu schreiben. Er verliebt sich in Nadia, sucht Rat bei Onkel Salim, gründet eine Bande mit dem Namen „Schwarze Hand“. Eines Tages beschließt er, eine Untergrundzeitung ins Leben zu rufen. „Es geht um Freiheit, um Meinungsfreiheit – und um den Kampf für die Wahrheit“, sagt Markus.

Die Geschichte spielt lange vor dem Krieg heute in Syrien, aber alle Zutaten für den Konflikt sind schon da: Widerstand wird in diesem Land nicht geduldet. Es gibt Spitzel der Regierung, immer wieder verschwinden Menschen: Sie werden inhaftiert, gefoltert, sie sollen zum Schweigen gebracht werden. „Ich hatte einen Heidenrespekt vor dem Thema Syrien“, sagt Markus. „Es ist ja eine Verantwortung, das in Bilder zu bringen. Ich hatte mit dem Thema noch nie etwas zu tun, und dann hast Du plötzlich den Auftrag für eine Graphic Novel, in der es in gewisser Weise um die Vorgeschichte dieses Krieges geht.“

„Wie soll der Erzähler aussehen?“

Das Original von Rafik Schami ist 250 Seiten lang. Markus hat beim ersten Lesen die ersten Bildideen. Eine grobe Vorstellung von der Stadt hat er auch: Für die SWR-Doku hatte er schon per Mail viele schöne, alte (und teils vergilbte Fotos) von Rafik Schami bekommen. „Ich erinnere mich an die Gasse, in der Schami als Kind gelebt hat. Der Blick geht aus dem Fenster, unten spielen Kinder Fußball. Es gab auch ein Foto vom Innenhof, mit rankenden Pflanzen“. Das ist das alte Damaskus, mit der biblischen Altstadt, in der es nach frisch gebackenem Brot riecht und in der verschiedene Religionen gut zusammen leben. Markus muss den Roman sortieren: Der Text ist in Tagebuchform geschrieben, und Markus schneidet ihn quasi auseinander. Er gruppiert ähnliche, sich wiederholende Szenen (Schule, Bäckerei, Onkel Salim). Er verdichtet Momente zu Bildern. Es läuft.
Aber die Hauptfigur schiebt er vor sich her. Wie soll der Erzähler aussehen? „Am Ende sagten einige Freunde, dass er ungefähr so aussieht wie ich selbst“ (er lacht). Der Ich-Erzähler hat einen wuscheligen Haarschopf, die anderen männlichen Figuren haben buschige Augenbrauen oder einen Schnauzbart. „Bei den Frauen war es schwieriger. Ich wollte nicht, dass man sie nur durch ihre Frisur unterscheidet“, sagt Markus. „Da rutscht man leicht ins Klischee. Und die Leser sollen ja nicht denken: Schon wieder so eine Männergeschichte.“
Markus ist froh, dass es die Figur der Nadia gibt: Sie wird die Freundin des Erzählers und steigt am Ende in die Untergrundzeitung ein. Eine weitere Frauenfigur, die Mutter des Erzählers, hat auch im Originalroman viele Szenen – aber da musste Markus kürzen. Und das war das Schwierigste: der Zeitdruck und die Notwendigkeit, ein 250-Seiten-Buch auf 140 Seiten zu bringen. Deswegen hat Markus alles digital gezeichnet – mit Grafikbildschirm und Photoshop. Da spart man das Scannen. Auch musste er überlegen, wie er die Seiten aufteilt, also in wie viele Kästchen, Spalten, Reihen. Inspiration dafür holt er sich zum Beispiel bei Cyril Pedrosas Buch „Drei Schatten“.

Kein Touristenführer

Eine Szene bleibt beim Lesen von „Eine Hand voller Sterne“ im Gedächtnis: Es ist die Szene, in der sein Freund Habib – ein Journalist – im Gefängnis gefoltert wird. Rafik Schami wird später sagen, dieser Moment sei Markus besonders gut gelungen. Denn zu sehen sind nur: ein schwarzer Raum, ein Tisch, zwei Menschen. Der Rest ist Einbildungskraft. „Ich wollte keine brutalen Bilder“, sagt Markus. „Die Geschichte erzählt ja aus der Sicht des Jungen.“ Immer präsent im Hintergrund: Damaskus. Konkrete Sehenswürdigkeiten findet man in der Graphic Novel aber kaum. „Es war mir wichtig“, sagt Markus, „die Geschichte nicht so explizit in Syrien spielen zu lassen. Es steckt etwas Universelles darin. Etwas, das überall und jederzeit passieren kann.“ Die Stadt bleibt aber nicht nur darum eher angedeutet. Damaskus ist zudem für die Figuren der Geschichte einfach etwas Alltägliches. Weil sie sich jeden Tag dort bewegen, weil sie alles kennen. Markus lacht wieder: „Das Buch“, sagt er, „ist ja kein Touristenführer“.

Über den Zeichner

Eine Hand voller Sterne von Markus Köninger

Markus Köninger ist 33 Jahre alt und stammt aus Achern im Schwarzwald (zwischen Karlsruhe und Freiburg). Er hat in Mannheim den Bachelor in Kommunikationsdesign gemacht und danach in Münster bei Felix Scheinberger seinen Master mit Schwerpunkt Illustration. „Eine Hand voller Sterne“ ist seine erste Graphic Novel. Ebenfalls von ihm ist der Comic „Wie nennen wir uns?“, erschienen im jaja-Verlag. Markus Köninger wohnt in der Südstadt, sein Büro ist in Ehrenfeld. Er hat zwei Skizzenbücher, ein großes und ein kleines, in denen er seine Zeichnungen sammelt – aus Susis Caffèbar, aus vielen Straßen, Brauhäusern oder Fitnessstudios. Durch die Skizzenbücher zu blättern, macht einen neidisch, weil man merkt, was es heißt, wenn einer mit wenigen Strichen aus dem Acrylmarker die Menschen und die Dinge festhalten kann.

Eine Hand voller Sterne

Eine Hand voller Sterne von Markus Köninger

Markus Köninger: www.markuskoeninger.de
Eine Hand voller Sterne: https://www.beltz.de/[…]

Text: Jörg-Christian Schillmöller

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