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Gesellschaft

Einsamkeit und die Perspektive Jugendlicher darauf

Donnerstag, 21. Mai 2026 | Text: | Bild: Judith Levold

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Einsamkeit hatte ich persönlich immer eher bei alten Menschen vermutet. Deren Partner*innen und Freund*innen schon gestorben sind, die keine Familie (mehr) und kaum soziales Netzwerk haben. Doch wie jüngere Studien zeigen, ist das Phänomen auch unter Kindern und Jugendlichen immer mehr verbreitet.

Jung UND einsam?

Der Verein Junge Stadt Köln e.V. bringt jetzt das Thema in die COMEDIA und damit in die Öffentlichkeit.
Mit einer Ausstellung und Begleit-Akionen bis zum 30. Juni zeigen Kinder und Jugendliche selbst, was sie zu dem Thema in den letzten Monaten erarbeitet haben. In die COMEDIA, das „Zentrum für Kultur für junges Publikum NRW“, sind deshalb am Mittwochabend auch vor allem sehr junge Leute zur Vernissage gekommen – der Grüne Saal ist voll von ihnen und auf der Bühne machen sie die Ergebnisse ihrer Beschäftigung mit Einsamkeit hör- und sichtbar.

Einsamkeit=nirgends dazu gehören

Zwei Jungs nehmen auf der „Gemeinschaftsbank“ Platz und erzählen von ihrer Arbeit an einem Graffito im Ehrenfelder Skatepark, mit dem sie auffordern wollen, sich einer Community anzuschließen, um eben Einsamkeit zu durchbrechen: KOMM UNITY heißt ihr Werk. „Wir wollten, dass sich Leute wohlfühlen, wenn sie das sehen“, sagen sie.
Oder es klingen Liedzeilen aus einem kostenlosen songwriting-camp an und eine Liedermacherin intoniert gefühlvoll: „Kennst Du das auch, wenn der kalte Rauch auf der Zunge liegt, und sich um die Sorgen schmiegt?“.

Die Bühne der COMEDIA gehört an diesem Abend jungen Menschen (Bild: Judith Levold)

Kleine Videos sind zu sehen, mit denen zum Beispiel Jugendliche aus dem Jugendzentrum Meschenich ausdrücken, wie sie SocialMedia-(Über-)Konsum reflektiert haben, den sie zuvor als einen Faktor bei Vereinsamung identifiziert hatten. Und ein Textvortrag, der kurz ist, direkt berührt und wie ein poetry Slam von einer jungen Frau im Rollstuhl kommt: schwere Türen, die vor ihr zufallen, Hürden, wegen derer sie „draußen bleibt“, und die Erkenntnis: „Barrierefreiheit ist nicht Luxus, sie ist die Sprache, mit der man den Menschen sagt: Du gehörst dazu“.

Das Marmeladenglas. Für die Marmeladenglasmomente der Besucher*innen? Was das ist? Kommt in die Ausstellung und findet es heraus. (Bild: Judith Levold)

Mitmach-Ausstellung

Das „nicht dazu gehören“, sich einsam und damit wiederum allein fühlen, begegnet einem in der Ausstellung in Halle, Foyers und Treppenhaus oder Fassade der COMEDIA überall, und an mehreren sound- oder Bild-Stationen können Besucher*innen mitmachen: Texte da lassen, Zeichnungen und Bilder einfügen, Geschichten hören oder in einem Buch blättern.

Persönliche Gedanken von Einsamkeit

Mascha Krupka, eine junge Kölnerin, hat es kuratiert und dafür persönliche Tagebucheinträge zu Einsamkeitsgefühlen gesammelt. Die Tagebuchschreiber*innen fand sie über die SocialMedia-Aufrufe von Junge Stadt Köln, aber auch in ihrem Bekanntenkreis.

Der kleine Band mit Tagebucheinträgen – die in ihrer Verschiedenheit doch sehr verbunden sind, durch Einsamkeit. (Bild: Judith Levold)

Es sind sehr verschiedene, zugleich aber auch verbindende, anonymisierte Texte von Menschen, der/die jüngste 13, der/die älteste 87 Jahre.

Mascha Krupka (rechts) mit einer Freundin auf der Vernissage in der COMEDIA (Bild: Judith Levold)

„Dafür braucht man Mut. Seinen Text zu teilen“, sagt Mascha schon im Vorwort des kleinen Bändchen. Genau wie es Mut brauche, aus seiner Einsamkeit überhaupt wieder die Kraft zu finden, herauszutreten. „Das ist ja das Schwere, wieder auf andere zuzugehen, Dich einer Gemeinschaft anzuschließen“, sagt sie.

Mentale Gesundheit

Charlotte Burmester, bei Junge Stadt Köln e.V zuständig für schulische und außerschulische Angebote zu „mental health“, erzählt, dass sie festgestellt hätten, „dass mentale Gesundheit für junge Leute eine große Rolle spielt, nicht erst seit Corona, aber dadurch nochmal gepusht“. Und so hätte sie für die Ausstellung in all ihren Projektbereichen angefragt, ob sie etwas zum Thema Einsamkeit entwickeln und beisteuern wollten.

Sechs Wochen lang ist die COMEDIA, in Halle, Foyer und Treppenhaus Ausstellungsfläche. (Bild: Judith Levold)

Begleitend zur Ausstellung gibt es weitere Veranstaltungen, wie „Dinner der guten Botschaften: Gemeinsam Essen in entspannter Atmosphäre“, Embodiement Bewegungs-Workshops: (Zusammen) Körper sein, oder ein
Open Air Silent Kino „Der wilde Roboter“ (Kino mit Kopfhörer im Innenhof des COMEDIA Theaters). Die Termine dazu kann man auf der Homepage von Junge Stadt Köln e.V. finden, manche werden erst nach und nach eingestellt.

Text: Judith Levold

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