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Gesellschaft

Fahrräder für Alle! – Werkstatt aus dem Hotel Mado jetzt in der Ankerstraße

Mittwoch, 19. August 2020 | Text: Judith Levold | Bild: Judith Levold

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Wir stehen im Hinterhof des Flüchtlingsheims Ankerstraße 15, wo die Fahrradwerkstatt der Willkommen-In-Der-Moselstraße-Initiative gerade mit ein bisschen festlicher Anmutung (wieder-) eröffnet wird. Bisher hatten die Ehrenamtler im Hotel Mado an der Moselstraße gearbeitet, wo ebenfalls jahrelang Geflüchtete untergebracht waren, bis es jüngst geschlossen wurde.

Bewohner aus dem Mado und Fahrrad-AG – beide in neuem Zuhause.

Neben einigen der BewohnerInnen des Mado konnte jetzt auch die Fahrradwerkstatt hier unterkommen. Mit Werkstatt im Hof und Lager im Keller des Gebäudes.

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„Das Kölsch ist kalt, der Kaffee heiß und unsere Theke gesellig.“ so beschreibt Wirt Peter „Pitter“ Mathissen sein Lokal. Kaum einen Steinwu…

Viele Beteiligte

„Zuerst mal möchte ich allen danken für diese wirklich geniale Idee und den nicht nachlassenden Einsatz der Ehrenamtler“ begrüßt Bezirksamtsleiter Ulrich Höver alle Anwesenden, „das ist toll, dass hier ein neuer Standort gefunden wurde für diese wichtige Arbeit“ begeistert er sich. Und die anderen Beteiligten pflichten ihm bei: Vertreter des städtischen Wohnungsamtes, die das in die Jahre gekommene Haus im Besitz der Wohnungsbaugesellschaft GAG für die Unterbringung von Geflüchteten anmieten, die Heimleitung des Trägers Internationaler Bund, und natürlich die „Schrauber“ selbst, von der Fahrrad-AG der Willkommensinitiative. Nach vielen Absprachen haben sich alle einigen können, den Fortbestand des wichtigen sozialen Angebots durch den Umzug in die Ankerstraße, auch in der Nähe des alten Standorts Moselstraße, zu garantieren.

Walter Harings (Vorne, 3. v.l.) mit Bürgeramtsleiter Innenstadt Ulrich Höver bei der Eröffnung der Werkstatt im Hof der Ankerstraße 15

Walter Harings koordiniert ein bisschen die Gruppe der Fahrrad-Schrauber, angefangen hat der pensionierte Lokführer aber ganz anders in der Willkommensinitiative rund um die Geflüchteten im Hotel Mado, 2015 war das. „Zuerst hab ich da Deutschunterricht gegeben, aber dann kam die Idee von Ehrenamtlern auf, mit aus Fahrrad“Leichen“zusammengeschraubten neuen Rädern, Mobilität auch für Menschen mit wenig Geld herzustellen.“ Die Geflüchteten zum Beispiel, oder auch andere Menschen mit Köln-Pass, aus der ganzen Stadt. Das habe ihm gefallen, er arbeite gern handwerklich und es sei wichtig, das gemeinsam mit den Leuten zu machen, in Kontakt zu kommen, Gemeinschaft zu bilden. „Wir lernen sehr viel von den Geflüchteten, von ihrem Land, dessen Besonderheiten, ihrer Flucht. Und tauschen die Erfahrungen auch untereinander aus.“ so Harings.

Muss immer gewartet werden: Das Werkzeug der Schrauber.

Und wenn jemand mit zwei linken Händen komme und nicht mitschrauben kann, sei das auch kein Problem: „Für den finden wir eine andere Aufgabe, Werkzeug saubermachen oder Pedale sortieren oder sowas.“ erzählt er. Die Räder oder Einzelteile seien meist Privatspenden, aber auch viele, ihnen wohlgesonnene Händler, ließen das ein oder andere springen.

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Es gibt Menschen, die können diesen Laden nicht betreten, weil ihnen sofort schwindelig wird. Schade, denen entgeht was! Denn in den Regalen…

Funktionieren tut das alles vor allem, weil die Gruppe der Schrauber so gut funktioniert, obwohl deren Mitglieder völlig verschieden seien, so Harings. „Wir haben nicht einen gelernten Zweiradmechaniker, hier sind Schreiner, Schlosser, Physiotherapeuten und ein früherer Orthopäde – aber wir haben uns zu echten Reparaturexperten entwickelt.“ so Harings. Sein Teamkollege Rolf Mensebach, wie die meisten ebenfalls schon in Rente, weiß auch, warum es so gut läuft: „Hier will keiner mehr „Ober-Schrauber“ werden“. Deshalb verstünden sich die etwa 15 Fahrrad-Reparateure auch so gut und deshalb könne man auch seit Jahren so zuverlässig jeden Dienstag Anlaufpunkt für viele Menschen sein, die dringend ein Rad bräuchten.

Rolf Mensebach, schraubt und verteilt Reparatur-Wartenummern an die Kundschaft: Menschen, die sich selbst kein Rad leisten können.

Wegen des Andrangs verteilten sie inzwischen Wartenummern, die auf Brotboxen geklebt an das zuvor ausgesuchte Radgestell gehängt würden, „Das läuft seitdem, da gibts keine Diskussion mehr, wer zuerst da war oder so.“ berichtet Mensebach. Ist ein Rad fertiggestellt, so bekommen der oder die neue InhaberIn einen Fahrradpass. Den hat die AG in den Sprachen Französisch, Farsi, Arabisch, Paschtu, Deutsch, Englisch, Kurdisch und Tigrinisch vorrätig. Ganz Deutsch kommt darauf ein Stempel, und los kann die Fahrt gehen – Mobilität für alle, so die Devise.

Anregungen und Tipps für die Handhabung rund ums Organisieren habe man sich zu Beginn übrigens vom Kölner Verein „faradgang“ geholt – der ist auf dem Gelände des Gemeinschaftgartens Kölner NeuLand e.V. in der Alteburgerstraße zu finden und arbeitet mit grundsätzlich derselben Idee und dem Angebot regelmäßiger „Schraubertage“. Auch dass man die Räder schlussendlich gegen eine „Gebühr“ von 10€ den neuen BesitzerInnen übergebe, habe man sich dort abgeschaut. „Das ist wichtig, damit das Rad auch einen Wert hat und zugleich Wertschätzung bekommt. Das ist ja kein Almosen.“ so Walter Harings.

Ab sofort also jeden Dienstag, von 13 bis 18h: Dein neues Fahrrad aus dem Hof der Ankerstraße 15.

Text: Judith Levold

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