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Südstadt

Glocken sind Sensibelchen

Dienstag, 28. Oktober 2014 | Text: Alida Pisu | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Was war das für ein ebenso bewegendes wie begeisterndes Fest zur Einweihung der drei neuen Glocken für die Lutherkirche! Groß und Klein, Alt und Jung, Gläubige und vielleicht auch Atheisten waren gekommen, wohl wissend, dass in dieser unkonventionellen und innovativen Gemeinde wirklich jeder willkommen ist.

Den Auftakt bildet ein Gottesdienst, den der Lutherchor unter Leitung des Kantors Thomas Frerichs würdig mit klassischer Musik begleitet. Pfarrer Hans Mörtter legt gleich ein überraschendes Geständnis ab: „Wir haben die Glocken schon, aber sie sind noch nicht bezahlt! Bei aller Unterstützung, die wir bekommen haben, fehlen noch 6.000 Euro, die wir zusammen kriegen müssen. Aber das klappt schon noch, denn letztlich waren wir vom ersten Moment an, als wir uns entschieden haben, der Überzeugung, dass wir es schaffen und so kommt der Rest auch noch zusammen! Ich merke immer wieder: wenn man eine Idee hat und die ist gut und man bleibt auf diesem Weg, dann bestätigt sich alles, dann wird alles richtig.“ Das glaubt man ihm aufs Wort, hat er doch schon bei vielen Aktionen durch Unerschrockenheit und langen Atem bewiesen, dass Glaube und tatkräftiges Handeln selbst scheinbar Unmögliches Realität werden lassen.

„Die neuen Glocken mit den Namen Osanna, Benedicta und Cantabona“, so Mörtter weiter, „klingen in Zukunft zusammen mit den dreien, die schon hängen. Der Krieg konnte sie nicht zerstören. Neues verbindet sich mit Altem, sie reden miteinander, kommunizieren bis in unsere Stadt hinein. Vielleicht kann sogar der Dicke Pitter sie hören. Wenn wir sie gleich einweihen, dann machen wir das alle zusammen. Fasst die Glocken ruhig an, ganz behutsam, denn Glocken sind Sensibelchen. Wenn man Steine drauf klopft, dann geben sie kranke und kaputte Töne. Man kann sie also nur streicheln und wenn ihr das macht, dann schenkt ihnen eure Kraft und eine Vision, die mitklingen wird, wenn sie läuten.“

Die Gottesdienst-Besucher lassen sich nicht lange bitten und strömen zu den Glocken. Sie sehen Ehrfurcht gebietend aus, wie sie da nebeneinander stehen, auf roten Samt gebettet, im Eingang der Kirche. Es ist ein unglaubliches Gefühl, sie mit den Händen zu umfassen, sie zu streicheln und unter den Fingern die harte Bronzehaut zu spüren. Wahnsinn, wie Gesichter sich verändern, wenn sie segnen, beten, eine Vision verschenken, sich im Trubel auf Momente der Stille einlassen. Und es sieht tatsächlich so aus, als hätten die Glocken bereits jetzt die Fähigkeit, Kraft zu geben, denn wer sie berührt hat, scheint von innen zu strahlen.

Das anschließende kulturelle Programm: ein Schwarm von Kindern folgt gebannt dem Puppentheater-Stück „Kasper und die drei Teufel“. Kinder und Erwachsene scharen sich um den Tisch der Bildhauerin Silke Speckenmeyer. Sie feilen und schmirgeln sich ihren persönlichen Glocken-Talisman. „Erstaunlich viele Engel sind heute entstanden“, freut sich Speckenmeyer und erläutert geduldig immer wieder neu Hinzukommenden, wie sie dem Stein die gewünschte Form abringen können.
Über die musikalischen Acts lässt sich durch die Bank nur eines sagen: große Klasse! Um nur einige zu nennen: ob Luna mit Songs wie Nina Hagens „Du hast den Farbfilm vergessen“, Nicola Müllers anspruchsvolle Schubert-Arien, De Familich mit ihren kölschen Tönen, die locker aufspielende, junge Formation Dime Chime oder Blues-Legende Richard Bargel: sie waren alle mitreißend.

 

 

Zwei besonders bewegende Momente jedoch müssen ausführlich geschildert werden. „In unserer Tradition wird alles mündlich überliefert. Unsere Alten sind unsere Bücher. Und als die Nazis unsere Alten ermordet haben, war das unsere Bücherverbrennung. Ein großer Verlust. Wir geben Acht auf unsere Alten. Aber ihr, ihr müsst auch achtgeben auf eure Eltern, als wären sie eure Kinder.“, so Frontmann Markus Reinhardt vom gleichnamigen Ensemble. Da ist die Tragik der Geschichte der Zigeuner greifbar nahe, die auf die Tragik unseres Umgangs mit alten Menschen trifft. Doch als Reinhardt ausdrücklich dazu einlädt, beim nächsten Lied mit zu tanzen, legen Hans Mörtter und Gattin einen derart frechen und flotten Tanz aufs Parkett, das klar wird: Leben siegt. Immer!

Nicht nur die Lutherkirche, auch die Fans des 1. FC Köln haben allen Grund, sich über die neuen Glocken zu freuen, enthüllt Esmeralda Quasimodo (alias Gaby Falk), die kölsche Ur-Enkelin des Glöckners von Notre-Dame. Hatte sie in der Kirche noch an die Fahrt nach Maria Laach erinnert, wo die Gemeinde beim Guss der Bronzeglocken zusehen durfte, legt sie bei einer Turm-Führung die Jahrzehnte alte Verbindung zwischen Lutherkirche und FC endlich offen dar. „1962, im Jahr der Grundsteinlegung der neuen Lutherkirche, wird der FC zum 1. Mal deutscher Meister. Das ist kein Zufall!“, erklärt Esmeralda beschwörend und man wagt nicht, ihr zu widersprechen. Wie auch, die Vorstellung ist einfach zu schön, dass der Klang der neuen Glocken, erstmals zu hören am 1. Advent, bis ins Geißbockheim dringt und dort zu Höhenflügen beflügelt. Ein Blick auf die aktuelle Tabelle zeigt: der FC steht gut da. Und das kann doch nun wirklich kein Zufall mehr sein!

Wer die letzte Gelegenheit nutzen will, die Glocken zu „streicheln“, bevor sie in den Kirchturm gehängt werden: Sonntag, 2.11.2014 NACH dem Gottesdienst, der um 11.15 Uhr beginnt. Lutherkirche, Martin-Luther-Platz 2-4?50677 Köln
 

 

Text: Alida Pisu

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