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Südstadt

Hans Abraham Ochs: Eine kurze Straße, ein langer Weg des Schweigens

Montag, 19. April 2010 | Text: Stephan Martin Meyer | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Es ist wohl die kürzeste Straße der Südstadt. Gerade einmal etwa 150 Meter ist sie lang. Unten Kopfsteinpflaster, links Büsche, rechts die Mauern der preußischen Rheinschanze, 1823 als Teil des inneren Festungsrings um die Kölner Innenstadt erbaut. Es gibt nur eine Hausnummer: Das alte Fort. Hier, im Übergang zwischen Römerpark und Friedenspark, wurde 1936 ein achtjähriger Junge erschlagen. Weil sein Vater Jude war (noch immer geistert in diesem Zusammenhang der absurde Begriff „Halbjude“ durch die Welt. Welch ein Erfolg für die Nationalsozialisten). Seine Mutter pflegte seinen kranken Vater, konvertierte zum Judentum und heiratete ihn schließlich. Ihre Söhne waren also nach jüdischem Brauch auch Juden.

Es ist in erster Linie der Journalistin Kirsten Serup-Bilfeldt zu verdanken, dass die Geschichte Hans Abraham Ochs´ ans Licht kam. Nachdem sie auf dem jüdischen Friedhof in Bocklemünd, direkt neben dem Westfriedhof gelegen, auf ein Grab mit der Inschrift „Hans Abraham Ochs. Umgekommen durch eine irregeleitete Jugend“ stieß, begann für sie eine lange Zeit teils frustrierender Recherchen. Sie brachte an den Tag, dass die Familie Ochs in der Trajanstraße 41 lebte. Dass Hans Abraham mit seiner Mutter und dem kleinen Bruder an jenem Tag im September 1936 in den Park ging. Eine Gruppe Jungs aus der HJ pöbelte ihn an, schlug ihn schließlich zusammen. An den Folgen ist er eine Weile darauf gestorben. Seine Mutter hat noch bis 1981 in Köln gelebt, der Bruder ist in die Niederlande gegangen, ein Onkel von ihm, der im gleichen Haus lebte, ging nach Kalifornien. Der Mord an dem Jungen wurde bis heute nicht gesühnt, Türen und Münder verschlossen sich vor Kirsten Serup-Bilfeldt, wenn sie in der Südstadt nach Zeugen suchte.

 

 

Eine Initiative setzte sich schließlich für die Errichtung eines Denkmals ein. Daraus ist in den folgenden Jahren nichts geworden. Immerhin: Eine Straße ist nach ihm benannt. Wir kommen an dem Straßenschild vorbei, lesen die kurze Inschrift und gehen weiter. Vor dem Haus in der Trajanstraße ist ein Stolperstein in das Pflaster eingelassen. Wir straucheln kurz, sind betroffen, vergessen das gelesene schnell wieder. Doch es bleibt ein schaler Geschmack zurück: Hier wurde ein Kind erschlagen. Und die ach so gerühmte Südstadt schweigt. Es ist nicht weit her, mit den großen Parolen, hier sei der Widerstand massiv gewesen. Hier habe man sich gegen die SS und die SA auf die Barrikaden gestellt. Das klingt in unseren Ohren heute so beruhigend, denn wir fühlen uns sofort mit den aufmüpfigen Südstädtern der 30er und 40er Jahre verbunden, sehen uns in ihrer Tradition. Aber wollen wir uns wirklich vorstellen, dass niemand etwas von dieser Tat mitbekommen hat? Nein, das ist eine fatale Illusion.

Es muss Zeugen gegeben haben. Die Menschen müssen über diesen Ausbruch der Gewalt miteinander gesprochen haben. Und es leben heute noch Menschen unter uns, die damals etwas davon mitbekommen haben. Niemand will sie pauschal für das, was geschehen ist, verurteilen. Aber wir sollten fragen, suchen, forschen. Wer lebte 1936 schon in der Südstadt? Was wurde von dem Vorfall erzählt? Wer ging mit Hans Abraham Ochs in die Schule? Wer war mit ihm befreundet?

Die Schülerstammlisten der Schulen sind im Krieg verbrannt. Die ehemalige Wohnung der Familie Ochs wurde „arisiert“. Die Nationalsozialisten haben ganze Arbeit geleistet: Das Leben des achtjährigen Jungen wurde restlos ausgelöscht.
Wenn wir wirklich Interesse daran haben, die Erinnerung an Hans Abraham Ochs wieder aufleben zu lassen, dann dürfen uns ein Straßenname und ein Stolperstein nicht reichen. Dann müssen wir beginnen, die Mauer des Schweigens zu brechen.

 

(Reproduktion: Hans mit ca. 4 Jahren, Fotograf unbekannt)
 

Text: Stephan Martin Meyer

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