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Kultur

Kein grauer Herr mehr sein

Mittwoch, 30. März 2016 | Text: Elke Tonscheidt | Bild: Thienemann Verlag

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Auf über 70 Kinderbücher hat es Joachim Friedrich gebracht. Allein seine wohl bekannteste Kinderbuchreihe ‚4 ½ Freunde’ wurde weltweit bislang in 40 Sprachen übersetzt. Und auch er ist viel in der Welt herum gekommen, sein bewegtes Berufsleben beschäftigt ihn bis heute. Immer wieder spielt dabei Köln eine Rolle, vor allem die Südstadt, zu der er ein „besonders inniges Verhältnis“ hat. Elke hat den Schriftsteller getroffen und dabei auch etwas über seine alte Liebe zu Köln erfahren.

Meine Südstadt: Dass ‚Momo’ das Lieblingsbuch eines Kinderbuchautors ist, erstaunt nicht. Wohl aber, dass es Sie sogar zum Schreiben verführt hat, wie Sie sagen…
Joachim Friedrich: Das Bild dieser grauen Herren ist einfach extrem stark. Ich hatte sofort das Gefühl, einer dieser grauen Herren zu sein, die Michael Ende dort beschreibt.

Aber Sie sehen in Jeans und Kapuzenpulli ganz anders aus!
Das habe ich dann geändert – aber als damaliger Unternehmensberater trug ich auch immer einen grauen Anzug. Und wenn man Unternehmensprozesse beschleunigen soll, ‚stiehlt’ man im übertragenen Sinn die Zeit betroffener Mitarbeiter. Mir wurde schlagartig klar, dass ich etwas in meinem beruflichen Leben ändern musste…

Ihre berufliche Karriere begonnen haben Sie zunächst in Köln, bei der Lufthansa. Und auch die Südstadt ist Ihnen sehr vertraut, schon seit Anfang der 90er Jahre. Wie schauen Sie heute auf diese Stadt?
Seit meiner Zeit bei der Lufthansa habe ich ein inniges Verhältnis zu Köln im Allgemeinen und zur Südstadt im Besonderen. Dort hatte und habe ich immer noch das Gefühl im ‚echten’ Köln zu sein. Wenn ich nicht familiär und mittlerweile auch emotional so sehr mit dem Ruhrgebiet verbunden wäre, wäre die Kölner Südstadt ganz sicher ein Ort, an dem ich sehr gut leben könnte.

Weil es auch hier so viele Tauben gibt?
Die Idee zum Taubenkrimi hätte ich wirklich auch am Chlodwigplatz oder am Kölner Hauptbahnhof kriegen können… Und Sie spielen zu Recht auf diese Vögel an, weil sie mich schon immer fasziniert haben: Tauben sind einfach überall und doch übersieht man sie meistens – wenn sie nicht gerade das frisch gewaschene Auto oder die Fensterbänke bekleckern.

Was ist so besonders an ihnen?
Sie leben in total verschiedenen Welten. Fast kein Platz, keine Straße und erst recht kein Bahnhof, wo sie nicht sind. Aber sie leben eben auch als behütete Zuchttauben oder als Wildtauben auf Wiesen und in Wäldern. Ideale Bedingungen also, um über sie Geschichten zu erzählen.

Ihre Geschichten handeln von Helden, die nicht perfekt sind…
Ja, denn perfekte Menschen sind mir unheimlich. Außerdem gibt es für mich nichts Langweiligeres als Perfektion. Für mich werden Menschen erst durch ihre mehr oder minder kleinen Schwächen sympathisch. Ich glaube, gerade weil die Helden in meinen Geschichten nicht perfekt sind, gefallen sie meinen Lesern. Sie sprechen ihnen aus dem Herzen.

In Ihren Büchern erleben Kinder, dass Probleme lösbar sind. Vor allem dann, wenn sie selbst Ideen einbringen. Was fasziniert Sie an Kindern?
Sie haben diesen unverstellten Blick auf die Welt. Sie hinterfragen das Treiben von uns Erwachsenen und stellen uns oft genug bloß. Leider nehmen wir Erwachsenen sie nicht oft genug ernst.

Ihre drei Kinder sind schon groß; in Ihren Lesungen haben Sie aber immer wieder viel Kontakt zu Schülern. Wie sieht deren Alltag heute aus, wenn ein Kinderbuchautor drauf schaut?
Ich entdecke viel Wahnsinn, leider häufig keinen positiven. Sich über Computer, Smartphones und Co. zu beschweren, ist müßig. Damit wachsen Kinder auf. Wahrscheinlich empfinden sie es eher als Wahnsinn sich nicht damit zu beschäftigen. Der Wahnsinn, den ich meine, besteht eher aus dem ungeheuren Leistungsdruck, dem schon junge Kinder ausgesetzt sind auf der einen Seite, und der Perspektivlosigkeit auf der anderen Seite.

Das klingt gesellschaftskritisch…
Ich fürchte tatsächlich, dass Kindern ‚die Mitte‘ immer mehr verloren geht, die ihnen als Erwachsene die nötige Stabilität verleiht. Denn in welche Gesellschaft wachsen Sie hinein? In die, die wir ihnen hinterlassen – und das macht mir manchmal große Sorgen.

Wie erleben wohl gerade Kinder unsere derzeitige Flüchtlingsdebatte?
Lässt man sie einfach machen, gehen sie viel unkomplizierter damit um. Was ich mich vor allem frage, warum wir Menschen – oder zumindest ein Teil von uns – nicht aus der Vergangenheit lernen. Die ewig Gestrigen wird es wohl immer geben, ganz gleich wie weit wir in die Zukunft blicken.

Was kann man tun?
Meine Überzeugung ist: Wir können dagegen nur angehen, wenn wir unseren Kindern ein Leben vorleben, das, so hoffe ich zumindest, ein gutes Beispiel ist. Und dazu gehört, dass wir versuchen sollten, den Menschen, die in Not sind, zu helfen.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Joachim Friedrich hat viele Jahre an der Fachhochschule, also der ‚Alten Universität’ an der Claudiusstraße gelehrt, bevor er Mitte der 90er Jahre aus dem Hochschuldienst ausschied. Mittlerweile hat er wieder eine Stelle an einer privaten Fachhochschule übernommen, mit Hauptsitz in Essen. Da diese auch Veranstaltungen an der Kölner FH durchführt, ist er wieder regelmäßig hier. Für ihn schließt sich so der Kreis.

 

 

Elke hat den Kinderbuchautoren gleich zweimal interviewt – für „Meine Südstadt“ als auch für ihren eigenen Blog Ohfamoos .

Text: Elke Tonscheidt

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