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Lükes Liebes Leben

Kiffen in Ostwestfalen – Lükes liebes Leben

Montag, 24. April 2017 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Was alle Kundigen zum AfD-Parteitag gesagt haben: Ich sehe das total ähnlich und habe dem nichts hinzuzufügen. Die Protestveranstaltung unserer Frohsinns-Funktionäre am Aachener Weiher habe ich allerdings nicht ganz verstanden. Warum nicht gleich am Fühlinger See oder in Düsseldorf? Haben sie mit risikofreien Bekenntnissen und Kölsch-Mucke mal eben 10 000 potentielle Demonstranten vom Heumarkt abgezogen. War das der Sinn der Nummer? Und überhaupt. Ich bin ja immer vorneweg, wenn es um Errungenschaften der politischen Willensbildung geht, aber muss man für Parteitage gleich welcher Couleur wirklich für zwei Tage eine komplette Innenstadt sperren, nur damit die Funktionäre anschließend Fotos mit Dom im Hintergrund in die Welt pusten können? Auch in Sauerland und Eifel gibt es doch schmucke Hotels mit großen Ballsälen.

Bayern zugekackt
Aber die Worte der Woche kamen ohnehin von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, der nach dem Aus seiner Truppe bei Real mit Blick auf den Schiri erklärte: „Ich muss sagen, ich habe heute zum ersten Mal so etwas wie wahnsinnige Wut in mir, Wut, weil wir beschissen worden sind. Wir sind beschissen worden, im wahrsten Sinne des Wortes.“ Hoppla. Grassiert da aktuell eine eklatante Metaphern-Schwäche bei den Bayern? Mahnte unlängst Philipp Lahm, man solle nicht immer das Salz in der Suppe suchen, gab es nun also den „Beschiss im wahrsten Sinne des Wortes“. Mit Verlaub, Herr Rummenigge, wann und wo soll denn die schändliche Fäkal-Attacke durch den Schiri (oder haben da gleich alle vier Referees ihre Hosen runtergelassen?) auf den Latrinen oder gar in den Kabinen des ehrwürdigen Bernabeu stattgefunden haben? Während der Halbzeitpause oder erst nach dem Schlusspfiff? Hat das denn niemand mit seinem Handy festgehalten? Da müsste sich bei der UEFA doch auch rückwirkend was machen lassen. Schiri scheißt auf Bayern-Profis. Das geht ja wohl gar nicht. Da könnt´ ich glatt trübsinnig werden.

Indianer in Ostwestfalen
Wenn mich hin und wieder so ein satter Schwall Melancholie anfällt, mich der graue Frühjahrshimmel in den Blues treibt, selbst ein Friseurbesuch nicht hilft, ich Sinatras „Only the Lonely“ Song für Song mehrfach mitgebrummt hab´ und die Katze mich nur noch mitfühlend anschaut – dann hilft nur eines: www. Alfen.de. Dahinter verbirgt die Website meines Heimatdorfes im Ostwestfälischen und die ist mir in solch misslichen Lagen ein ebenso steter wie verlässlicher Quell der Freude. Da erfahre ich in Text und Bild von Wandertagen und Modenschauen der Landfrauen-Gemeinschaft, Ehrungen und Neuwahlen im Schützenverein, schönen Erfolgen der Fußballer in der Kreisliga B und den Lustbarkeiten bei den letzten Karnevals-Sausen.

Ja, auch der närrische Frohsinn hat da inzwischen Einzug gehalten. Dazu gibt’s Fotos, auf denen Menschen zu sehen sind, mit denen ich einst die dörfliche Grundschule besucht habe und die da nie weggezogen sind, sondern im elterlichen Garten ein gemütliches Eigenheim für sich und ihre Familien errichtet haben. Auf der Homepage sehe ich sie zum Stichwort „Karneval“ in Cowboy- oder Indianer-Kostümen (mehr Auswahl ist da scheint´s nicht) mit ostwestfälisch hängenden Mundwinkeln -Paderborner Pils zur Hand- unverwandt bis stoisch in die Kamera grienen. Als Bildunterschrift steht dann da: „Alfen war wieder außer Rand und Band!“. So wunderbar, so erquickend.

Bob Marley auf dem Schützenfest
Doch bei meinem letzten Besuch der Seite hat es mich dann doch geschmissen. Nun pflegt der Ort zwar seit Jahren eine auskömmliche Partnerschaft mit einem Dorf in Frankreich, aber jetzt soll allen Ernstes auch ein „Deutsch-Karibischer-Freundschaftskreis“ seine Arbeit aufnehmen. Ostwestfalen und Karibik? Eine fürwahr bemerkenswerte Verbindung. Ich bin mir ziemlich sicher, dass in den 18 Jahren, die ich diesem Dorf verbracht habe, kein einziger Mensch ortsunüblicher Hautfarbe da auch nur mal durchgefahren ist. Falls doch, wollte er da bestimmt nicht anhalten. Und jetzt ein „Deutsch-Karibischer-Freundschaftskreis“! Das muss der Fortschritt sein. Aber wie kommt so was zustande? Alfen.de informiert: „Während seiner Kreuzfahren durch die Karibik hat Hr. Hansmeier Einblicke in die Lebensweise der freundlichen Jamaikaner gewonnen“. „Diese Partnerschaft ist einmalig in ganz Deutschland“ informiert Konrad Hansmeier. Bei einem Besuch in der Jamaikanischen Hauptstadt Kensigton nahm diese Initiative seinen Anfang.

Während eines Landausfluges wurden die ersten zarten Bande mit dem City Major Adam Stewart geknüpft. Während einer Sonderveranstaltung im Bob Marley Museum haben die beiden sich kennen gelernt.“ Die kleine Rechtschreibschwächen des Verfassers lassen wir jetzt mal außer Acht, Kensington (oder was sollte er mit „Kensigton“ gemeint haben?) und Kingston kann man ja durchaus schonmal verwechseln und der „Major“ soll vermutlich der Mayor sein. Wobei Google mir sagt, dass jener Herr Stewart keineswegs der Bürgermeister von Kingston ist sondern lediglich bei der Tourismus-Behörde arbeitet. Sollte Konrad Hansmeier da womöglich auf einen Blender hereingefallen sein? War´s am Ende gar kein Gespräch auf Augenhöhe? Denn Konrad Hansmeier von der CDU ist nicht irgendwer sondern Ortsvorsteher in Alfen.

CDU-Ortsvorsteher mit Dreadlocks
Zugegeben, die ganze Komik dieser westfälisch-karibischen Freundschaft erschließt sich womöglich nur, wenn man wie ich in unmittelbarer Nachbarschaft zu Konrad Hansmeier aufgewachsen ist. Der Typ ist ungefähr in meinem Alter, trägt einen kecken Oberlippenbart und hat m. W. -wie man im Dorf so sagt- einen guten Posten beim Amt im nahen Paderborn. Dass er offenbar seit Jahren als kreuzfahrender Globetrotter in der Karibik unterwegs ist und bei Landgängen tollkühne Abenteuer erlebt, war mir allerdings nicht bekannt. Musikalisch hätte ich ihn auch eher bei Helene Fischer oder den Amigos als bei Reggae einsortiert und dass von dem Mann mal irgendein Funkenschlag ausgehen könnte, hätte ich nun wirklich nicht für möglich gehalten. Wie man sich täuschen kann. O-Ton Ortsvorsteher über seine Erlebnisse auf Jamaika; „Schnell sprang der Funke über. Es gibt genauso viele Parallelen wie Unterschiede zwischen den Alfenern und den Jamaikanern. Die Jamaikaner sind genauso bodenständig wie die ostwestfälischen Alfener und feiern können beide gleichermaßen. Allerdings gibt es auch viele Dinge die wir voneinander lernen können.“ Uff. Profunder Hobby-Ethnologe auch noch. Egal.

Die Vorstellung, dass da in Alfen irgendwann Marihuana-Schwaden überm Kirchplatz aufsteigen könnten, sich der ortsansässige Frisör in Dreadlocks übt, womöglich neben dem Kriegerdenkmal feierlich eine Bob-Marley-Statue enthüllt wird und Konrad Hansmeier, begleitet vom Spielmannszug des Schützenvereins, dazu „No woman, no cry“ anstimmt, zaubert mir unwillkürlich ein Lächeln ins Gesicht. Was meine Katze mit Erleichterung registriert. Gibt´s endlich wieder Fressen. Der deutsch-karibischen-Freundschaft sei Dank.

Text: Reinhard Lüke

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