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Kultur

Kinoprogramm für das Odeon vom 23.09. bis 29.09.2010

Mittwoch, 22. September 2010 | Text: Gastbeitrag | Bild: Odeon Kino

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Wie gewohnt lest Ihr hier im Überblick, welche aktuellen Filme im ODEON laufen. In den Herbstferien läuft jeden Tag ein Kinderfilm, den Ihr mit Euren Kids schauen könnt. Am 24. September um 20:15 Uhr die beiden Regisseurinnen Sabine Gisiger und Sheela Birnstiel des Films „Guru“ den Fragen der Zuschauen stellen.

 

Fish Tank

1. Woche – ab 12 Jahren
Donnerstag, Samstag bis Mittwoch um 21:00 Uhr
Freitag um 17:45 Uhr

Drei Frauen, ein Mann, herbes Leben in idyllischer Themse-Landschaft – ein Film wie ein rauher Diamant, heftig, voll unerwarteter Zärtlichkeit und Hoffnung, ein cineastisches Wunder, zu Recht in Cannes mit dem Preis der Jury gekrönt! Viel Beifall und Beachtung fand Andrea Arnolds Sozialdrama „Fish Tank“ bereits bei den letztjährigen Filmfestspielen von Cannes, wo es mit dem „Großen Preis der Jury“ ausgezeichnet wurde. In einer tristen Hochhaussiedlung und ohne echte Perspektive wächst die 15-jährige Mia auf. Als sich der rebellische Teenager in den neuen Freund der Mutter verliebt, bleibt das nicht ohne Folgen. Neuentdeckung Katie Jarvis ist dank ihrer Präsenz der emotionale Dreh- und Angelpunkt dieser feinen britischen Produktion.

Grundeinkommen

1. Woche – ab 12 Jahren
Samstag um 13:00 Uhr

Die Kölner Initiative Grundeinkommen www.bgekoeln.de zeigt: Grundeinkommen ein Film-Essay von Daniel Häni und Enno Schmidt über die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens. Ein von der Arbeitsleistung unabhängiger Einkommensanspruch des einzelnen gegenüber der Gesellschaft. Ein Anspruch auf Einkommen für alle und ohne jegliche Bedingungen. Das ist das bedingungslose Grundeinkommen. Wer soll das bezahlen? Ist das noch gerecht? Wer arbeitet dann noch? Diesen und vielen anderen Fragen zum bedingungslosen
Grundeinkommen widmet sich das Film Essay. Seit dem Jahr 2005 setzt sich auch ‚dm‘ Gründer Götz Werner, einer der innitiativsten Unternehmer Deutschlands, öffentlich für ein bedingungsloses Grundeinkommen in Deutschland nach einem von ihm ab 1982 entwickelten Konzept ein. Die Finanzierung des Grundeinkommens beruht demnach auf der allmählichen Abschaffung der Einkommensteuer und der gleichzeitigen Erhöhung der Mehrwertsteuer als „Konsumsteuer“ auf über 50 %.
Mit anschließender Diskussion – Infos zur Kölner Initiative http://bgekoeln.de

 

GURU – Bhagwan, His Secretary & His Bodyguard
1. Woche – ab 12 Jahren
Donnerstag, Samstag bis Mittwoch um 19:00 Uhr
Freitag um 20:15 Uhr

Sonntag um 11:30 Uhr
Hugh Milne und Sheela Birnstiel gehören in den 70er Jahren zu den radikalsten Anhängern des spirituellen Lehrers Bhagwan Shree Rajneesh (später Osho), der vor allem westlichen Anhängern spirituelle und sexuelle Befreiung versprach. Ebenso radikal war in den 80er Jahren ihr Bruch mit einer Bewegung, die sich immer kommerzieller, totalitärer und paranoider gebärdete. In dem sehr unterhaltsamen Dokumentarfilm GURU erzählen beide ausführlich und sehr persönlich ihre Geschichte als Bhagwan-Jünger, die zugleich eine Geschichte des Lebensgefühls am Ende des vergangenen Jahrhunderts ist.

 

 

Jane’s Journey – Die Lebensreise der Jane Goodall
3. Woche – ab 12 Jahren
Samstag bis Sonntag um 14:00 Uhr
Eindrucksvoll setzt Regisseur Lorenz Knauer mit seinem Dokumentarfilm „Jane´s Journey – Die Lebensreise der Jane Goodall“, der preisgekrönten Grand Dame des globalen Artenschutz ein filmisches Denkmal. Die faszinierende Geschichte der weltbekannten Primatenforscherin, einer der außergewöhnlichsten Frauen unserer Zeit, führt über mehrere Kontinente von den südenglischen Stränden bei Bournemouth über Nebraska zu den afrikanischen Regenwäldern des Gombe Nationalparks in Tansania bis zu den schmelzenden Gletschern Grönlands. Das sehr persönliche Porträt der charismatischen Umweltschützerin und heute 76jährigen UN-Friedensbotschafterin, die bereits mit Mahatma Gandhi verglichen wird, macht Mut zur Hoffnung.

 

Jud Süß – Film ohne Gewissen
1. Woche – ab 12 Jahren
täglich  um 16:00 und 20:30 Uhr
Berlin 1939. Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels (Moritz Bleibtreu) will das Kino als Medium missbrauchen, um das Judentum zu diskreditieren und vor dem Zuschauer die systematische Verfolgung der Juden zu legitimieren. Geplant ist ein NS-Propagandafilm mit dem Titel „Jud Süߓ. Ein Film, der mit antisemitischen Klischees und rassistischen Stereotypen arbeiten soll, um den Juden als geldgierigen und skrupellosen Volksfeind zu instrumentalisieren. Das Drehbuch ist geschrieben und der Regisseur, Veit Harlan (Justus von Dohnanyi), verpflichtet. Nun fehlt lediglich noch die wichtigste Figur in diesem diabolischen Spiel, der Hauptdarsteller.
Der nur mittelmäßig erfolgreiche Theaterschauspieler Ferdinand Marian (Tobias Moretti) kommt da wie gerufen. Zwar weigert der sich zunächst, sich vor den Nazi-Karren spannen zu lassen, doch muss auch er dem Drängen eines Goebbels bald nachgeben. Dabei nutzt er die Last der Rolle als Chance, der Figur des Juden Joseph Süß Oppenheimer möglichst sympathische Züge zu verleihen und so gegen die gewollte Karikatur anzuspielen. Damit aber verhält er sich genauso wie von Goebbels geplant.
Es gibt keinen Film von Oskar Roehler, über den man nicht diskutieren könnte oder diskutieren müsste. Wo kann man die prägende Kraft von Filmen und das Kalkül besser thematisieren, als im Kino.

Lotta zieht um
11. Woche     
Sonntag um 13:30 Uhr
Kinderfilm nach der gleichnamigen Erzählung von Astrid Lindgren. Lotta haßt ihren kratzigen Pulli – weil sie ihn aber unbedingt anziehen soll, nimmt sie einfach eine Schere und löst das Problem auf ihre Weise: Sie zerschneidet ihn. Danach ist ihr allerdings nicht besonders wohl – und so beschließt sie, auszuziehen. Zu Tante Berg.
In Tante Bergs Schuppen darf sie sich häuslich einrichten und das gefällt ihr erst mal sehr gut. Ihre Geschwister und die Mutter kommen sie besuchen, aber sie will nicht wieder zurück. Als es ihr gerade nicht mehr so gut gefällt, kommt glücklicherweise der Vater, um sie noch einmal zu bitten, doch nach Hause zurückzukehren…
Drei weitere Geschichten von Lotta, der selbstbewußten Fünfjährigen, die nicht nur Kindern riesigen Spaß machen.


Mademoiselle Chambon
6. Woche    Ab 12 Jahren
Sonntag um 11:45 Uhr
Mit „Mademoiselle Chambon“ seinem bittersüßen Beziehungsdrama aus der französischen Provinz, gelingt Regisseur Stéphane Brizé (Man muss mich nicht lieben) ein weiteres Meisterwerk des leisen Erzählens und der Zwischentöne. Konsequent zelebriert der 44jährige Franzose subtil den Reiz des Schweigens, die Symbolik von Gesten und Blicken und inszeniert so Leidenschaft ohne sentimentales Pathos. Vor allem die hervorragende Besetzung mit dem inzwischen getrennten Schauspielerpaar Sandrine Kiberlain und Vincent Lindon verleiht seiner auf den ersten Blick unspektakulären Liebesgeschichte den Charme einer empfindsamen Romanze. Eine wunderschöne Liebesgeschichte.

Mary & Max – oder: Schrumpfen Schafe, wenn es regnet?
5. Woche – ab 12 Jahren
Samstag bis Sonntag um 15:15 Uhr
Adam Elliot ist mit Mary & Max ein überraschendes kleines Meisterwerk gelungen, das wieder einmal beweist, wozu das gerne als Kinderunterhaltung belächelte Animationskino abseits von Effektgewitter wirklich imstande ist. Denn wenn die Erzählerstimme davon berichtet, dass Mary und Max sich gegenseitig viel zu geben haben – „each nourished the other“ –, dann hat man längst vergessen, dass da nur Knetfiguren einander Briefe schreiben; und ehe man es sich versieht, wird man hineingerissen in Momente großer Traurigkeit und stillen Glücks.

Pianomania – Auf der Suche nach dem perfekten Klang
3. Woche – ab 12 Jahren
täglich um  17:00 Uh, außer Freitag
Man muss kein Musik- oder gar Klassikfan sein, um Gefallen an dieser unterhaltsamen und faszinierenden Dokumentation über die Zusammenarbeit eines perfektionistischen Klaviertechnikers mit verschiedenen Spitzenpianisten wie Lang Lang und Alfred Brendel zu finden. Statt mit technischen und physikalischen Erläuterungen über das Wesen von Tönen zu langweilen, bezieht die Suche nach dem perfekten Klang ihre Spannung aus der Leichtigkeit und Freude, mit der sich die gut gelaunten Protagonisten ihrer Mission widmen. Ein magischer Film über den Klavierstimmer Stefan Knüpfer, der mit völliger Hingabe daran arbeitet aus großen Konzertflügeln für Konzerte und Plattenaufnahmen das Letzte herauszuholen. Allein die Gespräche über die Klangvorstellungen der einzelnen Künstler sind ein intellektueller und sprachlicher Genuss.

Das Konzert
10. Woche – ab 12 Jahren
tägl. um 18:15 Uhr

Wie kein anderer hat Mihaileanu in seinen Filmen einen tragikomischen Umgang mit der Vergangenheit  erreicht. Ob das die Geschichte einer jüdischen Dorfgemeinschaft ist,  die in einem Zug versucht dem Holocaust zu entkommen, oder ein junger Äthiopier, der als afrikanischer Jude von den Israelis aus einem Flüchtlingslager gerettet wird und dann in Israel mit der Verleugnung seiner christlichen Kultur Probleme bekommt. In seinem neuen Film steht auch wieder jemand im Mittelpunkt, dem die Geschichte übel mitgespielt hat. Dirigent Andrei  Filipov führte das weltberühmte russische Bolschoi Orchester von Triumpf zu Triumpf, bis er sich für vom KGB verfolgte Mitmusiker einsetzte. Seitdem darf der Stardirigent das Konzerthaus nur noch putzen. Als er 20 Jahre später eines Tages das Büro des Direktors säubert kommt ein Fax an, das das Orchester zu einem Gastspiel nach Paris einlädt. Andrei Filipov ergreift die Gelegenheit und das Dokument, stellt ein Orchester aus entlassenen Musikern auf und meldet sich in Paris an. Die Rekrutierung des Orchesters und die Fahrt nach Paris sind perfekte Komödie. Auch in Paris hält der wunderbar leichte und überdrehte Ton des Films an, aber es kommt,  wie in einem guten Konzert eine neue Stimme dazu. Das Orchester soll in Paris Tschaikowskys Konzert  für Violine und Orchester in D-Dur aufführen. Als Solistin hat sich Andrei  Filipov die französische Violinen Virtuosin Anne-Marie Jacquet (Melanie Laurent) gewünscht, der gegenüber das gesamte Orchester noch eine alte Bringschuld hat,  von der die junge Virtuosin keine Ahnung hat. Bis hier hin wäre das Konzert ein sehr, sehr  guter Film. Aber zum Film des Jahres braucht es noch etwas mehr.  Und das hat mit Tschaikowskys Violinen Konzert  zu tun, das hier mit der Geschichte die Mihaileanu um es herum erzählt eine gänzlich neue emotionale Dimension gewinnt.
Genial. Nach dem Film möchte man sich bei Mihaileanu und Tschaikowskys bedanken.

 

Text: Gastbeitrag

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