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Kultur

Köln unplugged!

Donnerstag, 20. Juni 2013 | Text: Judith Levold | Bild: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Fast hätten sie unter der Brücke schlafen müssen, und zwar ohne Schlafsack – den Jungs von GuaiaGuaia, alias Elias Gottstein und Carl Luis Zielke wurde im ach so toleranten Köln ein heißer Empfang bereitet: Als sie Dienstagabend um 21:30h am Chlodwigplatz das taten, was sie immer tun, nämlich ihre kleine Musikanlage aufbauen, um dazu samt E-Gitarre und Posaune und Gesang ein (nicht genehmigtes) Spontankonzert zu geben, fanden sich zwar ebenso spontan Fans dieser mitreißenden Nummer ein, schnell aber auch die Ordnungshüter in Grün, ähh, Blau! Jemand hatte sich über die Ruhestörung beschwert, wollte nicht genießen, was die zwei Straßenmusiker mit purer Lebenslust zum Besten gaben und schwupps, kam die Polizei, um das Konzert abzubrechen.

 

Nicht, dass das den beiden nicht ständig passierte – „Ungefähr bei jedem zweiten Konzert auf der Straße“ wie Luis lachend erzählt, aber, dass die Polizei wegen des Zuschauerprotestes Verstärkung anfordert und mit einem Einsatz der Feuerwehr auch die Lastenräder der beiden samt komplettem Equipment, Klamotten usw. in „Sicherheitsverwahrung“ nehmen lässt – das war dann doch ein Erlebnis der dritten Art. „Sowas passiert uns zum ersten Mal“, meint Elias, „Wir standen ohne alles da, konnten sie nicht dazu bewegen, uns die Räder zu lassen – da ginge ja Gefahr von aus!“. Aha. Gefahr, dass nochmal musiziert wird? Nun denn… “Aber dafür hatten wir danach Glück“, so Elias weiter: „Ein Passant, Hausmeister in einem Studentenwohnheim, bot uns an, dort in einem freien Zimmer zu übernachten und das war klasse.“ Die Kölner Bürger müssen´s halt richten…

 

Carl Luis Zielke und Elias Gottstein (v.l.)

 

Seit vielen Jahren machen die heute 23jährigen zusammen Musik. Aufgewachsen in Neubrandenburg, wollten sie irgendwann nix mehr anderes machen und inspiriert von einer Doku über Straßenmusiker, fanden sie: Yep, das ist es. Raus, schauen, ob man die Menschen begeistern und davon leben kann. So bauten sie sich Lastenräder für alles, was sie zum Leben und Konzerte Geben brauchten und strampelten monatelang quer durch Deutschland – in diesem Jahr ist es schon der fünfte Sommer, den sie so zubringen.

„Es geht nicht darum, dass jeder Tag maximal ungewiss ist“ meint Luis, Gänseblümchen zupfend, als wir GuaiaGuaia auf dem Weg zum Stadthaus Deutz –
die Lastenräder müssen ausgelöst werden – treffen und uns zum Gespräch auf eine Wiese pflanzen. „Es geht darum, wirklich das zu tun, was man tun will. Nicht stattdessen etwas anderes.“ Wow! Das ist konsequent. So konsequent wie die Tatsache, dass die beiden ihre gemeinsame Wohnung in Frankfurt aufgaben, weil sie ohnehin nie dort waren und es sie nervte, dass ihr Geld zu großen Teilen in die Miete einer leer stehenden Bude floss. „Es war einfach das wirtschaftlich Sinnvollste“ fügt Elias hinzu. Und den Winter über bewohnen sie seitdem in Berlin besetzte Häuser, arbeiten an ihren neuen Liedern und ihrer inzwischen zweiten CD. Während der Sommer-Tour schlafen sie eben, wo es geht: mal bei Freunden, mal bei Zufallsbekanntschaften unter den Konzertbesuchern, oder, wie neulich, in einem Tennisclub in Essen.

„Wir wussten nicht recht, wohin, und sind in Richtung eines Parks, dann fing es an zu regnen, war schon spät und nach einer Weile bemerkten wir das Vereinsheim des Tennisclubs, sind über den Zaun – sogar die Tür war offen und das war super. Da haben wir dann duschen können und ganz bequem übernachtet. Bis uns der Hausmeister am nächsten morgen weckte, ich war noch so verschlafen, dass ich gar nicht wusste, ob ich träumte, als er „Guten Morgen“ sagte. Er war aber prima, hat uns in Ruhe zusammenpacken lassen.“ Die Geschichte erzählt Luis auf die Frage hin, was denn so beispielhaft kuriose Begebenheiten auf ihrer Tour seien. Und eine geht noch: „In Bochum hat eine Polizistin den Durchblick gehabt. Sie wollten unser Konzert stoppen auf der Straße, es waren aber so viele Leute da um uns ´rum – da hat sie einfach den Stecker gezogen und uns den Saft abgedreht. Doch die Zuschauer haben so laut skandiert und rhythmisch geklatscht, dass es einfach unplugged weiter ging.“

 

Ja, und was die Zuschauer begeistert, versteht man sofort, wenn man die beiden hört und sieht: wild und voller Spaß machen sie ihre Musik, ihre Texte sind kritisch und doch voller Lust auf Leben.“Mach´sauber, räum´auf, putz´Dein Haus – ist es draußen dreckich – wie sieht es denn bloß drinnen aus?“, heißt es zum Beispiel in einem schnellen, Musikstile mischenden Song, der einfach ins Blut geht und rockt. Im Rheinauhafen beim Sommerkino gaben die zwei eine Kostprobe ihres Könnens und ihres, wie Luis sagt „temporären Lebensstils“. Der Filmemacher Sobo Swobodnik hat GuaiaGuaia fast zwei Jahre lang begleitet und daraus den Dokumentarfilm „UNPLUGGED:LEBEN“ gemacht, der im Juli in die Kinos kommt – momentan stellen Elias und Luis den Film samt Konzert in ausgewählten Großstädten Deutschlands vor. Nix wie hin – das regt an zum Nachdenken über die vielen „Eigentlichs“ im Leben…

 

In Köln sind sie nochmal vor Kinostart zur Premiere im Cinenova, am 10.07.13 um 21h, zusammen mit Regisseur Swobodnik.
 

Text: Judith Levold

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