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Verkehr

Leichen ohne Mörder

Montag, 3. Mai 2010 | Text: Gastbeitrag | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Fast an jeder Ecke stehen sie: „Fahrradleichen“  oder „Schrotträder“. Was geschieht mit den Fahrrrädern, die niemand mehr benutzt?

Rund eine Million Fahrräder gibt es nach Schätzungen des Amtes für Straßen- und Verkehrstechnik in Köln. Doch längst nicht alle davon werden noch benutzt: An zahlreichen Fahrradabstellanlagen sieht man oftmals Fahrräder stehen, die entweder bereits zugewachsen, vollkommen verrostet und daher offensichtlich unbenutzt oder als solche kaum noch zu erkennen sind. Teile wurden von Plünderern entfernt oder die Drahtesel von Randalierern mutwillig zerstört. (Ehemalige) Fahrräder in diesem Zustand sind für Radler, die ihre Fahrzeuge an einer Abstellmöglichkeit parken möchten, ärgerlich. Denn oftmals werden die Abstellanlagen so blockiert, dass für intakte Räder keinerlei Platz mehr besteht.

Auch der Stadt sind die Fahrradleichen ein Dorn im Auge. Deshalb hat die Verwaltung einen Kriterienkatalog erstellt, nachdem sie die „Fahrradleichen“ als solche identifiziert. Zu diesen Kriterien gehören z.B. platte Reifen, deformierte Vorder- oder Hinterräder, fehlende Teile, beschädigte Rahmen, Bremsen ohne Funktion oder eine lange Standzeit. Sind mindestens zwei dieser Kriterien erfüllt, befestigen Mitarbeiter des Ordnungs- und Verkehrsdienstes einen gelben Aufkleber am Rahmen. Mit diesem wird der Eigentümer des Rades aufgefordert, es innerhalb eines Monates zu entfernen. Katja Nieters von der Stadt Köln: „Geht von dem Fahrrad eine akute Gefahr aus, wird dieses umgehend entsorgt.“

Hat der Eigentümer sein Gefährt innerhalb der vorgegebenen Zeit nicht abgeholt, wird das entsprechende Fahrrad nach Angaben der Stadt entfernt, und zwar durch die Abfall Wirtschafts-Betriebe (AWB). Hierbei scheint es allerdings Probleme zu geben: In einem Bericht der „Mülheimer Fahrrad Gruppe“  des Verkehrsclubs Deutschlands (VCD) in der Zeitschrift „Rhein-Schiene“  heißt es: „Die Außendienst-Mitarbeiter der Stadt Köln dürfen die Schrotträder nämlich nicht selber abknipsen, sondern geben den Fall an die AWB weiter. Und bei diesem höchst hoheitlichen Verantwortungsvorgang kommt es offenbar zu Stockungen.“

Auf der Alteburger Straße wurden im Mai im großen Stil Schrotträder durch die gelben Aufkleber markiert. Die Frist zur Abholung endete am 11.06.2009, die Räder standen bei Redaktionsschluss aber immer noch vor Ort. Bei einem Test durch die Kölner Südstadt-Zeitung wurde ein vor der Kaiserin-Augusta-Schule abgestelltes „Schrottrad“ jedoch innerhalb eines Monats entfernt.

Bei den Abfall Wirtschafts-Betrieben werden die eingehenden Fahrräder nicht einfach verschrottet, sondern ins „Umweltzentrum Köln“ gebracht. Dort werden die Räder von so genannten „1€-Jobbern“ geprüft und nach Möglichkeit wieder aufgearbeitet. Oftmals seien die Räder aber so demoliert, dass nur einzelne Ersatzteile entnommen werden können, berichtet ein Mitarbeiter des Umweltzentrums. Die Räder werden nach der Aufarbeitung zum Verkauf angeboten. Dieses Angebot sei, so der Mitarbeiter, insbesondere für Menschen mit niedrigem Einkommen von Interesse, da die Drahtesel zu günstigen Preisen verkauft würden.

Nach Angaben der Stadt wurden im Jahr 2008 3.692 „Fahrradleichen“ aufgefunden (Stadtbezirk Innenstadt: 567) und davon 1301 entfernt (Innenstadt: 226). Bei einer Zählung durch die Kölner Südstadt-Zeitung wurden allein auf der Rolandstraße 19 und auf der Merowingerstraße 27 Alträder aufgefunden.

In jedem Stadtbezirk seien, so die Stadt, drei Mitarbeiter des Ordnungsdienstes ausschließlich dafür eingesetzt, sich um die Sauberkeit des Bezirks zu kümmern. Zu dieser Aufgabe zähle auch die Kennzeichnung von Schrotträdern.

Bürger dürfen übrigens selbstständig keine Teile, auch an einem nicht mehr genutzten Fahrrad, entnehmen. Noch einmal Katja Nieters von der Stadt: „Es kann erst dann von einer Aufgabe des Eigentums ausgegangen werden, wenn der Eigentümer das Fahrrad nicht binnen eines Monats nach dem entsprechenden Hinweises (Aufkleber) entfernt, bzw. die Verkehrstüchtigkeit wieder herstellt.“ Erst dann handele es sich um Zwangsabfall, der im Sinne des so genannten „Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes“ durch die Stadt Köln entsorgt werden müsse.

Doch wie entstehen „Fahrradleichen“? Bei der Stadt Köln kennt man verschiedene Gründe dafür: Vergessen, Diebstahl, Bequemlichkeit, fehlendes Umweltbewusstsein oder die Unkenntnis über Entsorgungsmöglichkeiten. 

Wer eine „Fahrradleiche“ entdeckt, kann sie unter 0221/221-32000 und ordnungs-undverkehrsdienst@stadt-koeln.de melden.

Wassily Nemitz

 

Der Autor ist Redaktionsleiter der Kölner Südstadt-Zeitung, einer von Schülern gemachten, freien Lokalzeitung. Sie erscheint in einer Ausgabe von 70 Exemplaren pro Monat und kooperiert mit MEINE SÜDSTADT.

 

 

 

 

 

 

 

 

Text: Gastbeitrag

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