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Kultur

lit.COLOGNE special: Was liest die Südstadt?

Mittwoch, 6. März 2013 | Text: Jörg-Christian Schillmöller | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Köln ist wieder im Lesefieber, und die Menschen touren von Buchtermin zu Buchterrmin durch die Stadt. Grund genug für uns, einmal nachzuforschen und zu fragen: Was liest die Südstadt? Was nicht? Und wer sind die Leserinnen und die Leser? Startpunkt der Recherche: „Der Andere Buchladen“ am Ubierring. Wir sitzen mit Friederike Dobrisch, der Geschäftsführerin, am langgezogenen Holztisch neben dem Eingang. Friederike Dobrischs Thema ist gerade die „Infantilisierung“ mancher ihrer Leser. „Die Altersgruppe verrutscht ein bisschen“, erzählt sie – und erläutert: „Es ist schon ein bisschen merkwürdig, wenn erwachsene Frauen die ,Biss‘-Romane lesen“. Sie meint die Twilight-Serie von Stephenie Meyer.

Für Claudia, die am Ubierring lebt und gerade im Regal neben uns nach einem Buch sucht, sind die ,Biss‘-Romane aber kein Thema: „Nein, das lockt mich nicht. Auch die ,Feuchtgebiete‘ haben mich gelangweilt“, sagt sie. „Ich lese gerade ,Der Turm‘ von Uwe Tellkamp – und nebenher lese ich die Gala.“ Wer sind sie denn, die Leserinnen und Leser in der Südstadt? Friederike Dobrisch berichtet, es seien meist Frauen zwischen 40 und 60, die bei ihr gezielt einkauften und zum Stammpublikum zählten. Männer greifen eher zum Sachbuch. Alles in allem: „Ich würde sagen, aufgeklärtes Bildungsbürgertum.“

Das Wort mag Claudia nicht so sehr. „Kann sein, dass das irgendwie stimmt, aber ich finde die Worte Leseratte und Bücherwurm schöner.“ Im „Anderen Buchladen“ fühlt sie sich wohl, meint sie, weil der für sie wie das Zimmer einer Wohnung im Stadtviertel sei. In diesem Wohnzimmer sortiert Friederike Dobrisch die Massen der Neuerscheinungen und Klassiker ein bisschen vor für ihre Kunden, „lüften“ nennt sie das. „Die Spiegel-Bestseller-Liste“ mag sie nicht, dafür aber die Bestenliste des SWR. „Danach fragen die Kunden auch.“ Verschwindend gering ist die Zahl der Leute, die noch mit einem Zeitungsschnipsel in der Hand zu ihr kommen, weil sie eine Rezension ausgeschnitten haben.

Besonders gut lief zuletzt Literatur von und über Hannah Arendt – Anlass dafür war der Kinofilm. Schwer hat es dagegen die Lyrik: die Abteilung Poesie im „Anderen Buchladen“ schrumpft seit Jahren, erzählt Friederike Dobrisch. Eine Ausnahme war der Literatur-Nobelpreis an den Schweden Tomas Tranströmer – danach kamen die Südstädter, um dessen Gedichte zu kaufen. Wichtig für die Buchhändlerin: „Es muss was passieren, wenn Du ein Buch liest. Wenn ich merke, dass eine Geschichte mich nicht so interessiert, dann lege ich das Buch eben wieder weg.“ Übrigens war Friederike Dobrisch, wie sie sagt, ihr Lebtag noch nicht auf der lit.COLOGNE. Hinter ihr, auf dem langgezogenen Holztisch fällt der Blick auf einen Kartenständer: „Lesen macht schön“, steht darauf.

 

Annika Fricke, Leiterin der Stadtteilbibliothek im Haus Balchem.

Die nächste Station unserer literarischen Reise durch die Südstadt: Die Stadtteilbibliothek im Haus Balchem – sie wird geleitet von Annika Fricke. „Zu uns kommen überwiegend Kinder und Eltern, also Familien – und die Erwachsenen nehmen dann für sich auch noch einen Roman mit.“ Was lesen die Kids? „Am besten gehen zur Zeit die Fantasy-Reihen, zum Beispiel ,Warrior Cats‘, ,Eragon‘, ,Das magische Baumhaus‘ und natürlich ,Die Tribute von Panem‘. Angefangen hat das vermutlich mit Harry Potter“, überlegt Annika Fricke. Aber die Klassiker sind darum nicht weniger populär: Astrid Lindgren, Michael Ende, Otfried Preußler – das läuft immer.

Und die Erwachsenen? Bei denen sind Krimis beliebt – Stieg Larsson, Jussi Adler-Olsen, Fred Vargas. Interessant: Die Bibliothekare werden selten selbst gefragt, was sie denn empfehlen. „Die Leute informieren sich selbst“, sagt Annika Fricke. Viele hören auch WDR 2 und notieren sich die Literaturtipps von Christine Westermann, um die Bücher dann auszuleihen. Koch- und Erziehungsbücher werden auch oft ausgeliehen, bei spezielleren Sachbüchern muss das Haus Balchem dann aber schonmal was aus der Zentrale der Stadtbibliothek bestellen. Das dauert zwei bis drei Tage. Fazit auch bei Annika Fricke: Im Großen und Ganzen ist die Masse eher das Bildungsbürgertum, das herkommt. Und dann organisiert das Haus Balchem noch Veranstaltungen für Leserinnen und Leser, zum Beispiel das Literaturcafé mittwochs von 15 bis 17 Uhr und viele Kinderangebote – Vorlesestunden, Bastelnachmittage und manchmal eine Gruselnacht.

 

Letzte Station: Die „Buchhandlung am Chlodwigplatz“. Hinten im Büro erwartet uns Hans Schumandel, und er sprudelt nur so vor Beobachtungen. „Ich sehe im Moment, dass der Trend wieder hingeht zu deutscher Literatur. Kumpfmüller, Gesthuysen, Walser zum Beispiel.“ Die Zahlen der Leserinnen und Leser in Deutschland sich dagegen ernüchternd: „Pi mal Daumen liest zehn Prozent der Bevölkerung“, sagt Hans Schumandl. „Das sind nicht nur einkommensschwache Schichten, das sind einfach auch viele, die sich für andere Freizeitaktivitäten interessieren, und sei es, dass daheim 24 Stunden der Fernseher läuft.“

„Pi mal Daumen liest zehn Prozent der Bevölkerung“, sagt Hans Schumandl von der Buchhandlung am Chlodwigplatz.

 

Dabei sind Bücher gar nicht viel teurer geworden in den letzten Jahren. „2002 lag der Preis für einen Roman bei um die 40 Mark, heute sind es rund 20 Euro. Dafür sind die Bezugskosten gestiegen – die Buchhandlung muss hier nach Kilo pro Lieferung bezahlen, und der Preis hat sich laut Schumandl fast verdreifacht im Vergleich zu vor zehn Jahren. Die lit.COLOGNE hält der Buchhändler für ein sehr wichtiges Ereignis: „Das ist doch eine tolle Leseförderung“, meint er. „Wir stellen immer was von den Autoren bei uns ins Fenster.“

Besonders positiv aber ist dem Buchhändler zuletzt eines aufgefallen: „Wir haben wieder eine junge Käuferschicht, so zwischen 18 und 30. Das ist ein beachtlicher Prozentsatz, und das ist uns schon im Weihnachtsgeschäft deutlich aufgefallen.“ Was die jungen Leute im Einzelnen lesen, ist unterschiedlich. „Aber da sind 20-25jährige dabei, die Bukowski wiederentdecken und die Beat Generation.“ Man merkt Hans Schumandl die Freude über diesen Trend an. Und sein Fazit führt unsere Reise durch die Literatur der Südstadt zu einem versöhnlichen Ende: „Es gibt eine Zukunft für das Buch.“
 

Text: Jörg-Christian Schillmöller

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