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Lükes Liebes Leben

Mit erhobenen Hauptes – Lükes liebes Leben

Montag, 10. Oktober 2016 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Bei den Feierlichkeiten zum 3. Oktober in Dresden hatten sie sich ja wieder zahlreich versammelt, unsere xenophoben Bedenkenträger und tröteten einmal mehr was von sie seien das Volk und so heraus. Einige hatten sogar viel Mühe darauf verwandt, ihrem dumpfen Unwohlsein auch optisch Ausdruck zu verleihen. Könnte ja sein, dass man es mit einem besonders gelungenen Transparent in die „Tagesschau“ oder wenigstens auf die Titelseite der „Junge Freiheit“ schafft. Ich gestehe, ich sehe den Berichten und Fotos von den einschlägigen Aufmärschen inzwischen jedes Mal mit einiger Vorfreude entgegen. Finden sich darunter doch immer wieder Aufnahmen von gepinselten Parolen, die ihre Autoren als formidable Vertreter einer deutschen Leitkultur ausweisen. In Dresden war dies mein Highlight: „Merkel, treten Sie mit erhobenen Hauptes zurück!

Bevor man Sie endgültig zum Sandkörner zählen in die Wüste schickt“.  Ich finde, dieses merkwürdige Geschwurbel zwischen Dativ und Genitiv ist doch von einem anderen Kaliber als dieses übliche „Für Abschibunk! oder „Gegen Islamisirung!“. Wobei ich mich natürlich frage, wie solch ein grammatisches Ungetüm geboren wurde. Schließlich waren die beiden Sätze nicht einfach so mit schneller Hand auf das Transparent geschmiert worden. Nein, sie prangten -aufgeklebt oder mittels einer Schablone gesprüht- überaus exakt und säuberlich auf dem Lappen. Womöglich war der Verfasser am Vorabend der Demo gerade bei der Arbeit und bereits bei „mit“ angekommen, als irgendein Schlaumeier (oder war´s die Tochter?) ihm -fälschlicherweise- erklärte, die Formulierung verlange aber unbedingt den Genitiv. Öh…? Was tun? Das „mit“ entfernen ging scheint´s nicht, aber sprachlich korrekt sollte es ja doch schon werden, sein total witziges Protest-Transparent. Durchstreichen? Sieht auch immer blöd aus. Da muss ihm irgendwie die Idee mit der Kombi aus Dativ und Genitiv gekommen sein. Kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass „Ich fahre mit des Autos in Urlaub“ korrektes Sächsisch ist. Oder vielleicht doch? Egal.

Dem Foto nach zu urteilen, war der Mann am 3. Oktober jedenfalls überaus zufrieden mit seinem Werk. Zumindest strahlte er mit seinem Kumpel, der das andere Ende des Transparentes hochhielt, um die Wette. Wie auch nicht? Schließlich hatten sich vor ihnen zahlreiche Gesinnungsbrüder aufgebaut, die den Spruch offenbar so witzig fanden, dass sie ihn unbedingt mit ihren Handys fotografieren wollten. Dass mit der falschen Kleinschreibung von „zählen“ (Sandkörner, Wüste) lass´ ich dem Mann jetzt einfach mal durchgehen. Scheint ja eher ein generelles Problem der östlichen Deutschtümler zu sein. Schließlich plakatierte die AfD Sachsen den Freistaat im letzten Wahlkampf großflächig mit dieser Forderung zu: „Gesetz zum Schutz der Deutschen Sprache verabschieden!“ Liebe Deutschdödel, mit der deutschen Sprache verhält es sich nicht anders als mit deutscher Leberwurst oder dem deutschen Gebrauchtwagenmarkt. Vielleicht sollten die Anbieter von Deutschkursen für Migranten im Sinne der Inklusion künftig immer ein paar Plätze für Pegida-Gröler und AfD-Miglieder freihalten. Damit sie zumindest eine Idee davon bekommen, was sie unbedingt erhalten wollen.

Fugenwaschen, OGTS-Ferien
Nu aber genug von dem „Pack“ (S. Gabriel). Ging ich unlängst in der Frühe meiner Wege, waren Männer auf einer Hebebühne dabei, an der Grundschule Zwirnerstraße die Fenster zu reinigen. Kam einer kleines Mädchen an der Hand seiner Mutter vorbei, entdeckte die Arbeiter und rief freudig erregt: „Guck mal, die putzen die OGTS!“ Ich musste kurz nachdenken, wofür diese vier  Buchstaben eigentlich stehen. Klar: Offene Ganztagsschule. Sollte das Kürzel für dieses Wortungetüm über die Erziehungsberechtigten inzwischen wahrhaftig in den kindlichen Sprachgebrauch eingegangen sein? „Mama, wo ist mein OGTS-Ranzen?“ oder „Nächste Woche beginnen endlich die OGTS-Ferien!“. Werde das mal im Auge, bzw. Ohr behalten.

Neu im Rheinauhafen ist jetzt morgens eine Fugenwaschmaschine der AWB unterwegs. Ein kleines, bemanntes Vehikel, mit einem rotierenden Besen vorne dran, der auch einen Wasserzulauf hat. Das Gefährt bewegt sich in Superzeitlupe über die Rillen zwischen den Betonplatten und wäscht sie fein säuberlich aus. Muss ja auch gemacht werden. Manchmal wird’s dem Wagenlenker aber offenbar einfach zu blöd. Dann steigt er aus und geht gemächlichen Schrittes neben seiner arbeitenden Maschine her. Zum Wenden muss er dann allerdings wieder an Bord sein. Es gibt wahrlich tolle Arbeitsplätze da draußen.

Tattoos fürn Arsch
Ich gestehe, ich schau´ manchmal auf die „Groupon“-Seite im Netz, wo ja immer Sonderkonditionen für Dienstleistungen allerart feilgeboten werden. Nicht, dass ich jetzt der große Schnäppchenjäger wäre, welche kölschen Unternehmungen derzeit scheint´s nicht so doll laufen. Und unter diesem Aspekt fand ich letztens eine Offerte eines örtliches Studios, das Tattoo-Entfernungen zm Schnäppchenpreis anbot. Was mich doch einigermaßen überraschte. Schließlich war ich immer der festen Überzeugung, dass die Branche der Tattoo-Entferner neben allen Dienstleistern rund um die Altenpflege die krisensichersten Jobs überhaupt zu bieten hat. Hat man doch im ausgehenden Sommer wieder viel Elend auf frei gelegter Haut gesehen. Über Motive lässt sich ja unter Geschmacksaspekten kaum streiten. Aber es kamen da auch wieder Unmengen an gänzlich dilettantisch ausgeführten Werken der Körperkunst ans Licht. Die sahen kaum besser aus, als jene selbst gemachten Kunstwerke, die ich im Rahmen meines Zivildienstes in einer jugendlichen Knacki-WG vor nunmehr rund 40 Jahren bestaunen durfte. Was aber auch nicht weiter verwunderlich ist. Denn nach wie vor ist Tätowierer hierzulande kein Ausbildungsberuf. Heißt, ich könnte für ein paar Euro ein Gewerbe anmelden, mir eine Stechmaschine zulegen und ein Tattoo-Studio eröffnen. Jede Frittenbude hat da vermutlich strengere Auflagen als diese Form von lässig geduldeter Körperverletzung. Aber jetzt ist ja endlich Herbst und die fröstelnden Gesamtkörperkunstwerke gehen wieder dezent verpackt durchs Leben. Gut so.

Text: Reinhard Lüke

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