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Nachhaltigkeit ist ein großes Wort.

Samstag, 15. Oktober 2011 | Text: Doro Hohengarten | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Man kann darüber reden. Oder einfach handeln. Sabine Röser und Wilfried Nißing können beides. Nach etlichen Jahren des Engagements haben sie gestern den Kölner Umweltschutzpreis verliehen bekommen. Die Geschichte beginnt mit Wiebke. Im Winter 1990 riss der Orkan zahlreiche Schneisen in deutsche Wälder – auch im Kölner Umland. Wiebke machte Furore als erste offiziell anerkannte Folgeerscheinung des weltweiten Klimawandels.

In einer kleinen Werkstatt in der Veledastraße zerlegte, trocknete, sägte, schraubte und leimte der Schreiner Wilfried Nißing Wiebke-Holz zu Tischen, Stühlen, Regalen und Schränken. „Das war das erste Mal, dass ich heimisches Holz verarbeitet habe“. Es war die Geburt einer Idee: Warum Holz unter großem Energieaufwand aus weit entlegenen Wäldern und Ländern ankarren, wenn vor Ort genug vorhanden ist?

 

Gemeinsam mit seiner Frau, der Möbeldesignerin und Architektin Sabine Röser, verfolgte er die Entwicklung in den Wäldern um Köln genau, führte Gespräche mit der Politik und der Forstwirtschaft. Die Schäden, die Wiebke hinterlassen hatte, stießen einen Umdenkprozess in der Waldwirtschaft an: Immer mehr Förster bewegten sich weg von Monokulturen aus Fichte und Tanne hin zum stabilen Laubholz-Mischwald.

 

Nißing und Röser bauten ihre Schreinerei „Feines aus Holz“ zu einem der ersten Handwerksbetriebe aus, die in Köln ausschließlich mit ökologischen Materialien arbeiteten. „Nachhaltigkeit bedeutet für uns zunächst, dass alle Arbeitschritte unter Energiegesichtspunkten durchgeführt werden“, sagt Nißing. „Deshalb verwenden wir hier ausschließlich Ökostrom, heizen CO2-neutral mit Holz und haben unseren Abfall auf eine 30-Liter-Tonne reduziert“.

 

Als die Kölner Stadtwälder 2004 das FSC-Siegel für nachhaltige Waldwirtschaft erhielten (faire Arbeitsbedingungen für Waldarbeiter und eine Wirtschaftsweise, die den Wald als Natursystem erhält sind die Kriterien), war es so weit: „Feines aus Holz“, mittlerweile in einen wildromantischen Gewerbehof auf der Koblenzer Straße umgezogen, konnte seine Herstellung komplett auf Kölner Holz umstellen. „Das ist auch Nachhaltigkeit: dass die Ressourcen, die vor Ort vorhanden sind, möglichst hundertprozentig genutzt werden“, sagt Sabine Röser.

 

Eichen-, Roteichen-, Nussbaum-, Platanen-, Eschen und Buchen-Stämme aus den Wäldern Kölns schneidet Wilfried Nißing hier auf und lagert die meterlangen Bretter zum Trocknen, bevor er sie zu massiven Möbelstücken weiterverarbeitet. Das ist ein aufwändiger Arbeitsprozess. Andere Schreiner bedienen sich lieber der fertigen Holzbretter, die es im Holzmarkt zu kaufen gibt. Aber das heimische Holz kommt an: Die Kunden der Schreinerei, die sich hier Möbel nach Maß anfertigen lassen oder auch aus Mini-Möbelserien wählen können, entstammen unterschiedlichsten Milieus. Die Idee Stadtwaldholz gefällt den kölschen Bürgerlichen genauso gut wie den Lohas und Ökos.

 

Noch wird das Holz, das da rund um Köln heranwächst, nicht hundertprozentig genutzt. Aber selbst wenn irgendwann jeder gefällte Baum von einem Kölner Betrieb verarbeitet wird – kann sich eine Millionenstadt jemals aus ihren eigenen Wäldern versorgen? „Flächenmäßig kann der Stadtwald den Bedarf an Bau- und Möbelholz nicht komplett decken“, weiß Wilfried Nißing. Aber auch da haben die beiden schon eine Initiative angeschoben: den Wald&Holz Eifel e.V., der sich dafür stark macht, dass Holz aus den Eifel-Wäldern verstärkt in NRW verarbeitet wird.

 

Nachhaltigkeit hat ihren Preis. Ein Handwerksbetrieb wie der von Nißing und Röser kann mit den Angeboten des bekannten schwedischen Möbelhauses nicht mithalten. Andererseits: Die Mini-Serien-Möbel von „Stadtwaldholz“ kommen rustikal-elegant, manchmal auch augenzwinkernd daher (wie dieser „Stubenhocker“) – auf jeden Fall strahlen sie Stabilität, Eigensinn und Haltbarkeit aus. „Einer meiner ersten Tische ist inzwischen von der Oma an die Enkelin vererbt worden“, sagt Wilfried Nißing stolz.

 

Vielleicht ist es Zeit für bleibende Werte.

Text: Doro Hohengarten

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