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„Wenn ihr uns hängen lasst, verlieren wir alle“

Dienstag, 15. April 2014 | Text: Gastbeitrag | Bild: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Klimaschutz 2014: In der Bundespolitik heißt das Zauberwort „Energiewende“. In der Lokalpolitik hat der Rat der Stadt Köln gerade das „Integrierte Klimaschutzkonzept“ zur Kenntnis genommen (so heißt es tatsächlich in der Pressemitteilung). Aber auch im ganz normalen Alltag kann jeder viel tun: Auto abschaffen, kein Fleisch mehr essen, kein Licht brennen lassen, die Treppe nehmen und nicht den Fahrstuhl. „Köln spart CO2“ nennt sich eine Online-Kampagne, die genau das protokolliert – und für’s Mitmachen unter anderem ein E-bike verlost. Kommende Woche ist Halbzeit-Pressekonferenz. Projektleiter Roland Pareik sagt uns schon jetzt klipp und klar: In Köln geht noch viel mehr. Wir sitzen im Volksgarten an einem Picknicktisch, denn an der Volksgartenstraße liegt das Büro von „Köln spart CO2“.

Meine Südstadt: Herr Pareik, wie funktioniert Ihre Seite?
„Köln spart CO2“ gibt den Verbrauchern in Köln die Gelegenheit, ihre Beiträge beim Sparen von Kohlendioxid mitzuteilen und damit zu einer Gemeinschaftsleistung beizusteuern. Wir sind seit Mitte November online.

Wie viele Beiträge haben Sie schon?
Es sind bis heute knapp 700.

Für eine Millionenstadt klingt das wenig in fast fünf Monaten.
Ja, das liegt unter unseren Erwartungen. Wir hatten das Doppelte erwartet. Wir hatten uns 1.500 Beiträge erhofft.

Aber der Aufwand ist doch hoch, es gibt Plakate, es gibt Werbung.
Das stimmt. Aber unser Bekanntheitsgrad liegt trotzdem bei zwei bis drei Prozent.

Das ist steigerungsfähig.
Wir haben jetzt auf der Seite ein Ziel gesetzt: 500 Tonnen. Um das machen zu können, brauchten wir diese ersten 700 Beiträge, denn die konnten wir quantifizieren. Es sind bislang insgesamt 220 Tonnen Kohlendioxid gespart worden.

Das ist Ihr Markenzeichen, dass Sie eine genaue Menge angeben.
Ja. Wir haben uns auch am persönlichen CO2-Rechner des Umweltbundesamtes orientiert. Bei uns geht das so: Die User sagen uns, was sie tun, um CO2 zu sparen. Sie schätzen auch selbst ein, wie viel das ist. Wir checken das gegen und begründen unsere Zahl mit einem Kommentar.

Was sind denn Ihre Quellen, um einzuschätzen, wie viel gespart wird?
Also bei Rolltreppen zum Beispiel, da nehmen wir Vergleichswerte der Wiener Stadtverwaltung. Bei Wasser nutzen wir Daten der Berliner Wasserbetriebe. Die Verbraucherzentralen haben Zahlen zu Strom im Haushalt, beim Heizen gibt es das Institut Wohnen und Umwelt in Darmstadt.

Ist es eigentlich riskant, dass Sie sich diese Zahl „500 Tonnen CO2“ als Zielmarke gesetzt haben?
Ich halte das Ziel für realistisch. Es geht darum, ein Zeichen zu setzten, damit die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft erkennen, wie wichtig uns der Klimaschutz ist. Es liegt an jedem Einzelnen, ob Klimaschutz ein bloßes Lippenbekenntnis bleibt. Wenn alle mitmachen und durch ihren Beitrag auf unserer Seite zeigen, dass ihnen der Klimaschutz am Herzen liegt, können wir gemeinsam sehr viel erreichen. Wenn ihr uns hängen lasst, verlieren wir alle.

Fehlt es einfach noch an Bewusstsein?
Ich glaube, das Bewusstsein ist da. Aber dass man seinen Beitrag auch mitteilt und damit in überzeugender Weise ein Stück Öffentlichkeit für den Klimaschutz herstellt: Dieses Bewusstsein ist vielleicht noch nicht da. Als zusätzliche Motivation werden wir deshalb eine Verlosung durchführen. Jeder, der sich registriert und mindestens zwei Beiträge auf unserer  Website postet, kann unter anderem ein E-Bike gewinnen. Außerdem verlosen wir monatlich Fahrten in eine deutsche Stadt. Mitmachen lohnt sich also gleich zweifach.

Wo sehen Sie denn im Alltag am ehesten Bedarf, CO2 zu sparen?
Erstens im Verkehr. Da kann man als Einzelner am meisten bewegen. Dann beim Wohnen und bei der Ernährung, wenn man auf fleischarme Kost umstellt: Da wird viel eingespart, nur dass wir das nicht so direkt merken wie beim Verkehr, Stichwort Carsharing. Das wird noch ein großer Trend.

 

Ist „Köln spart CO2“ aus Ihrer Sicht ein Erfolg?
Der Erfolg besteht darin, dass wir Prominente an Bord haben (Anm. d. Red.: Klaus „Major“ Heuser, Claudia Kleinert, Wilfried Schmickler). Und dass wir das Kohlendioxid-Sparen bilanzieren und ein Ziel formulieren. 500 Tonnen, das ist ein Anfang.

Sind Sie ein Feigenblatt für Köln?
Zuletzt waren wir der Aufhänger einer Sendung im Deutschlandfunk, da wurde natürlich die Aufmerksamkeit auf Köln gelenkt, und es entstand der Eindruck: Köln ist super, die Stadt ist ein Leuchtturm.

In dieser Sendung hieß es, die Kommunen sollten ein Vorbild sein beim Klimaschutz. Ist das in Köln so?
Also die Rheinenergie hat 2007 den Schalter umgelegt, mit dem Programm „Energie und Klima 2020“. Die Stadtverwaltung hat da noch kein so erkennbares Konzept, sie tut sich schwer, scheint mir.

Zum Beispiel bei der energetischen Sanierung von Gebäuden?
Das integrierte Klimaschutzkonzept, das jetzt im Rat verhandelt wurde, das verwässert zwei Gutachten von 2011. Die Stadt sagt, das Konzept dient auch dazu, dass man jetzt neue EU-Mittel beantragen kann.

Das Stichwort lautet ja „Smart City Cologne“. In Nippes gibt es jetzt eine Klimastraße mit LED-Leuchten. Ist das nicht Augenwischerei?
Ich finde das schon okay. Man probiert halt verschiedene Dinge aus und versucht, Geschäftsleute einzubeziehen.

Wäre sowas auch in der Südstadt denkbar?
Das ist, glaube ich, schon einmal ventiliert worden. Für die Merowingerstraße oder die Severinstraße wäre das vorstellbar.

Uns kommt das so vor, als wäre der Klimaschutz in Köln so ein Durchwursteln mit vielen Baustellen.
Wir brauchen ein CO2-Minderungsprogramm, das abgearbeitet wird. Das gibt es aber nicht, und das leistet auch das jetzt verabschiedete Klimaschutzkonzept nicht.

Müsste nicht die KölnAgenda (unter deren Dach „Köln spart CO2“ läuft) schon im Vorfeld tätig werden bei Projekten wie dem Großmarktgelände und gleich von Anfang an mitplanen, auch in Sachen Klimaschutz?
Das ist Sache der Politik. Aber es müssten sich auch die Menschen finden, die da mitarbeiten wollen. KölnAgenda würde das unterstützen, wenn man uns herantritt.

Wie geht es weiter, wenn die Kampagne im September ausläuft?
Das wissen wir noch nicht. Vielleicht wird das Projekt ein Teil von mehreren Webseiten zum Klimaschutz. Die Kampagne mit der Werbung: das kostet Geld. Die Seite redaktionell zu betreuen, das ist einfach. Vielleicht kriegt das eines Tages so einen Buch-Charakter, dass man nachschlagen kann: Wo sparen die Leute?

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Hintergrund:
„Köln spart CO2“ gehört zur KölnAgenda (für Nachhaltigkeit und Bürgernähe) und hat als Partner die Stadt, den Konzern Rheinenergie, die KVB, den Klimakreis und die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen. Die beiden letzteren fördern das Projekt, der Klimakreis nennt als Projektsumme rund 200.000 Euro

 

 

Autoren: Jörg-Christian Schillmöller und Stefan Rahmann

Text: Gastbeitrag

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