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„Das ist eine Riesensauerei“

Donnerstag, 4. Oktober 2012 | Text: Elke Tonscheidt | Bild: Barbara Siewer

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Ein Südstadt-Spaziergang der besonderen Art – mit dem Ordnungs- und Verkehrsdienst unterwegs zwischen Eierplätzchen und Severinskirche.

„Datt is ’ne wilde Müllkippe.“ Ralf Mayer bleibt abrupt stehen, zückt sein Handy. „Katja, können wir das aufschreiben?“, wendet er sich an seine Pressesprecherin, die uns begleitet. Wie jetzt? Ich stutze. Ne wilde Müllkippe mitten in der Stadt? Direkt am Ubierring? Wir haben den Abteilungsleiter Ordnungs- und Verkehrsdienst der Stadt Köln zum Rundgang durch die Südstadt eingeladen. Möchten wissen, welche Aufgaben er hat, welche Probleme es aus seiner Sicht in der Südstadt gibt, ob es Brennpunkte gibt und auch, was Anwohner eigentlich tun können, um in ihrem Veedel gut leben zu können.

Mayer ist nach eigenem Bekunden zuständig „für die Abwehr von Gefahren und ein friedliches Zusammenleben aller Menschen in Köln“. So fasst der 47-Jährige, seit 2005 in diesem Amt, seine Arbeit zusammen. Lässig gekleidet, seine Ledertasche trägt er quer über die Schulter, zeigt er uns immer wieder Orte oder Gegenstände, die ihm während unseres einstündigen Spaziergangs auffallen.

Wie die sechs blauen Mülltüten eben, die achtlos vor einem Hauseingang „An der Bottmühle“ dümpeln. Eine Uhr quillt raus, man sieht Kleidung. Offenbar hat jemand gestrichen, wie die angetrocknete Pinselrolle verrät. Mayer schreitet gleich zur Tat, es dauert maximal zwei Minuten. „Erledigt.“ Und schon hat er via Handy und der dort verfügbaren App der Stadt Köln „Müll mit Sondermüll“ gemeldet. Jetzt, erklärt er uns, müsse geklärt werden, „von wem datt kommt“. Dem Verursacher droht, wenn kein Sperrmülltermin vereinbart wurde, „eine richtig fette Anzeige“. Bis zu 250€ kann so was kosten. Um den Missetäter zu ermitteln, wird dann richtig im Müll rumgewühlt, beschreibt Mayer die Arbeit seiner Mülldedektive.

Das gefällt nicht jedem. Ordnungshüter haben nicht überall das beste Image. Solange meist, bis man selbst Hilfe sucht – und eben manches Mal beim Ordnungsdienst finden kann.

Am Eierplätzchen geht unsere Reise los. Tamara Soliz, eine der Gründerinnen von meinesuedstadt.de hat Dackelhündin Tora an der Leine, Barbara Siewer wird die Fotos machen. Ich halte Ralf Mayer schnell das Aufnahmegerät hin, denn es stellt sich raus: Der Mann muss eigentlich gar nicht befragt werden, er redet von selbst. „Wollen Sie nichts hierzu wissen?“, fragt er nun mich. Und Recht hat er: Das für Treffpunkte aller Art bekannte Eierplätzchen hatten wir nicht ganz ohne Hintersinn ausgesucht. Hier sei es jedoch „relativ ruhig“ geworden, lernen wir. Vor zwei, drei Jahren gab es wesentlich mehr gemeldete Ruhestörungen. Momentan sei dieser Platz kein Problempunkt mehr. An solchen Plätzen, erklärt der Fachmann, könne es v.a. an Wochenenden bei schönem Wetter laut werden, wenn sich Menschen in größerer Menge treffen. Er schaut sich um. „Dann sind das schnell mal mehr als 100 bis 150 Leute, nicht nur wie jetzt zehn.“ Wenn die dann „balzen“, lacht er, könne es laut werden. Ich führe das Tierreich an. „So ungefähr“, schmunzelt er, „nur eben saisonunabhängig“. Bei Jugendlichen sei das Eierplätzchen aber offenbar „nicht mehr so hip als Treffpunkt. Die ziehen dann weiter.“

„Stellt euch vor die Südstadt ohne die ganze Wandverschmutzung“, sagte Herr Mayer.

 

Auch wir gehen ein paar Schritte. Ich will das Thema Hunde ansprechen, da hat Mayer schon die Graffiti im Visier. War mir ehrlich gesagt noch nie aufgefallen. Ich besitze die Häuser ja auch nicht, denke ich. Ein echtes „Ärgernis“ speziell auf der Mainzer Straße, erfahren wir – und auch, dass meist nicht Fremde sondern Nachbarjungs „solchen Mist machen“. Zuständig sei der Ordnungsdienst aber nur im sogenannten öffentlichen Straßenland; befänden sich die Wände im Privatbesitz, müsse der Eigentümer handeln.

Und da! Der nächste Vorfall passiert, vor unser aller Augen. Nur die des Ordnungshüters sehen ihn sofort. „Ein Riesenärgernis“, beschreibt er die Szene. Vor der Schule an der Mainzer Straße hält ein Jeep, eine halbe Minute nicht mal. Kinder steigen ein oder aus, man sieht es nicht genau. Was zählt, ist das Verweilen im absoluten Halteverbot, das vor jeder Schule gilt. Wer hier hält, kann dafür 25 Euro berappen. „Dieses Problem nervt mich am allermeisten“, gesteht Mayer. Er ist selbst Vater. Seine Tochter ist mit 22 zwar längst aus dem Gröbsten raus. Aber die Unart vieler Eltern, ihr Kind „aus reinem Egoismus am liebsten sicher bis in die Schulklasse hinein zu fahren“, geht ihm gehörig gegen den Strich. Auch den Direktoren vieler Schulen übrigens. „Es gab eine Zeit, da wurden wir super kritisiert dafür“, erinnert er sich. „Nun werden wir bewusst gerufen, um zu verwarnen. Denn immer mehr machen das und bringen dadurch andere Kinder in absolute Gefahr.“ Viele Schulleiter wendeten sich heute an sein Amt: „Bitte unterbindet das.“ Und das machten sie dann auch, ist Mayer stolz.

Verkehr. Mayer muss nicht überlegen, als ich ihn frage, welches Problem das herausragende in der Südstadt sei. Viele Menschen, viele Autos, begrenzter Parkraum. Mit nur einer Zahl ausgedrückt: Über eine Million Verstöße beim Parken im ruhenden Verkehr, wie es heißt, wurden allein 2011 in ganz Köln notiert. Dafür ist die städtische Verkehrsüberwachung zuständig, umgangssprachlich nennt man sie gern Politessen. Allein für die Südstadt sind 25 Mitarbeiter/innen zuständig, im Schichtbetrieb. Vormittags sind bis zu zwölf unterwegs, Falschparker zu verwarnen. Nachmittags noch mal vier bis sechs. Ihr Chef attestiert ihnen ein hohes Fingerspitzengefühl, mit dem sie unterwegs seien. Denn Mayer weiß, dass es gerade aufgrund der Baustellensituationen oft kritisch ist. „Wenn dann Parkplätze weg fallen, führt das zur Verdrängung in illegale Parkzonen.“

Eine „Supersauerei“ und ein „Wahnsinnsaufwand“ sei es schließlich, das alles wieder zu entfernen, erklärte Mayer beim Rundgang.

 

Illegal parken ist das eine. Illegal Aufkleber anzubringen, das andere. Bei unserem Spaziergang macht uns Mayer auch auf das Problem aufmerksam, das entsteht, wenn Aufkleber z.B. auf Schildern angebracht werden. Eine „Supersauerei“ sei das. Ja, könne ich ruhig schreiben, bedeutet er mir: „Lassen Sie uns das Kind beim Namen nennen.“ Hier kann er sich verbal richtig austoben – ein „Wahnsinnsaufwand“ sei es schließlich, das alles wieder zu entfernen. Er zeigt uns Beispiele, und wirklich, man rätselt, was das Schild eigentlich sagen will. Bei Straßenverkehrsschildern ist Mayer besonders dünnhäutig: Ein „Irrenchaos“ könne man damit anrichten, wenn diese nicht mehr richtig zu lesen seien.

Wie muss man sich den Chef des Kölner Ordnungs- und Verkehrsdienstes vorstellen, so als Mensch? Ich muss gestehen, ich war positiv überrascht, als uns ein Mann begegnet, der sympathisch ist, redet wie Du und ich und von seinem ganzen Habitus eher das Gegenteil von dem widerspiegelt, was zumindest ich mir unter Recht und Ordnung vorstelle. Ein Boulevardblatt hat ihn mal als „Rambo“ beschrieben. Gut, so weit würden wir nun auch nicht gehen. Aber Passanten, die uns später fragen, mit wem wir denn da unterwegs waren, sind auch überrascht, dass dies ein Ordnungshüter gewesen sein soll.

Was er zu weiteren Themen, v.a. zum Dauerbrenner Hunde und deren ‚Erzeugnissen‘ zu sagen hat, darüber berichten wir in einigen Tagen in einem 2. Bericht. Denn bei unserem Rundgang hatten wir so viele Themen, dass es hier den Rahmen sprengen würde, nun auch noch „das absolut hitzige Thema Hundekot“, so Mayer, auszuführen. Nur soviel: Wussten Sie, dass es ein Landeshundegesetz gibt? Oder was ein Sekundengeschäft ist? Und weshalb „dampfende Haufen“ und 20 Meter entfernt tollende Hunde nicht zwangsläufig etwas miteinander etwas zu tun haben müssen?

In Kürze erfahren Sie hier die Antworten.

 

Text: Elke Tonscheidt

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