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Kultur

No risk, no fun

Montag, 15. Juni 2015 | Text: Alida Pisu | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

1955 gründete das Schauspieler-Ehepaar Marianne Jentgens und Heinz Opfinger in einem Lindenthaler Luftschutzbunker das Theater Der Keller. Vor 40 Jahre hat es seine Heimat in der Kölner Südstadt gefunden. Am vergangenen Samstag (13.06.2015) nun wurde das 60jährige Jubiläum in der Kleingedankstraße ausgiebig gefeiert. Meine Südstadt sprach mit Heinz Simon Keller, seit zwei Jahren Intendant des Theaters und mit dem Dramaturgen Guido Rademachers über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der renommierten Bühne.

Meine Südstadt: Seine Geburtsstunde in einem Luftschutzbunker zu erleben, ist für ein Theater sehr ungewöhnlich. Passt das nicht immer wieder auch zur Situation des Theaters, dass es um seine Existenz kämpfen muss?
Heinz Simon Keller: Seit dem Auszug aus dem Luftschutzbunker hat das Theater die sicheren Mauern verlassen, damit die ersten Subventionen gekriegt, wurde abhängig. Die Schauspieler wurden mit 10 DM vergütet…

Mit 10 DM? Pro Vorstellung?

Keller: Ja, am Anfang, 1961. Und dann fing der Kampf an. Kaum aus dem Luftschutzkeller raus…. Ja, es ging immer hoch und runter. Das ist eine Metapher, Sie haben mich jetzt darauf gebracht.

Wenn Menschen auf ihr Leben zurückblicken, sehen sie oftmals, dass sie so etwas wie „Lebensthemen“ haben. Kann man auch im Rückblick auf 60 ereignisreiche Jahre von so einem Thema sprechen, das sich durch die Geschichte des Theaters zieht???

Guido Rademachers: Ja, es gibt ein Thema: politisch, gesellschaftlich aktuell zu sein, eigentlich so eine Art Gegenentwurf zur etablierten Kunst. Am Anfang zu diesen Großinszenierungen, die Stadttheater waren ja noch geprägt von der Nazi-Ästhetik. Dazu einen Gegenentwurf zu machen, der aber mit der kleinen Bühne zu tun hat, mit dem menschlichen Format sozusagen.

Es begann 1955 mit Sartres Stück „Geschlossene Gesellschaft“.
Rademachers: Es ging darum, dass man andere Autoren kennenlernte. In der Nazi-Zeit gab es deutsche Kunst. Die Amerikaner, Sartre, das ist alles weg gewesen und musste nachgeholt werden.

Das zieht sich so als Kontinuum durch die Geschichte?
Keller: Immer wieder. Wie heißt es noch: den Muff von 1000 Jahren…?

Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren.
Rademachers: Es ist immer Aufbruch. Wir wagen etwas Neues, es setzt etwas Neues. Dann wird es schwer mit der Finanzierung. Vielleicht kommt dann eine  Gegenströmung. Wir sind ein bisschen näher dran am Publikum und am Erfolg. Und dann wieder Aufbruch. Es ist immer wieder diese Bewegung, ganz erstaunlich.

Wo stecken Sie gerade in der Bewegung?
Rademachers: Genau in der Mitte.
Keller: Jetzt will die Politik uns. Und jetzt kommen die Zuschauer zu uns. Im ersten Jahr meiner Intendanz 10 % mehr und jetzt 35 % mehr.

Das ist eine Erfolgsgeschichte!
Keller: Aber: wie halten? Zanger (von 1997 – 2006 Intendant des Theaters, Anm. d. Redaktion) hatte zwölf Leute, wir haben fünf. Das gibt eine Reibungsfläche, eine große Abnutzung. Man braucht natürlich auch Glück. Aber wir haben ein Programm, das funktioniert. Und wir haben unseren Stil gefunden.

Wie würden Sie den beschreiben?
Keller: 100 % Gegenwart. 100 % Professionalität.
Rademachers: Vor allem die Schauspieler. Wir haben sehr gute Schauspieler.
Keller: Und wir haben sehr gute Geschichten, die treffen. Wir haben auch eine Öffnung. Dass wir moderne Musik im Programm haben. Dass wir moderne Literatur  im Programm haben.

Und ihr Jugendprogramm am Beispiel von „Tschick“?
Keller: Das ist eine Bombe! Es ist ein Theater-Wunder in ganz Deutschland. Es ist eine Symbiose von einem sterbenden Mann (Wolfgang Herrndorf, der Autor von „Tschick“, war krebskrank und ist 2013 verstorben, Anm. d. Redaktion), der eine leichte Ausreißer-Geschichte schreibt mit einer ganz positiven Tiefe. Toll! Herrndorf wird ja schon mit Kafka und Büchner verglichen. Er ist ein Glücksfall, er beschenkt uns. Ich bin Wolfgang Herrndorf dankbar.

Herr Keller, was hat Sie eigentlich bewogen, die Intendanz eines Theaters zu übernehmen, das immer in Geldnöten steckt?
Keller: Ach, no risk, no fun! Es ist eine große Herausforderung.
Rademachers: Man neigt dazu, das man am Anfang immer jammert: „Wir brauchen mehr Geld! Wir brauchen mehr Geld!  Wir brauchen mehr Geld!“ Aber es gehört zum Theater dazu, dass man um Geld kämpft. Das ist ein Teil des Lebens im Theater. Es geht eigentlich darum, Theater als etwas Lebensnotwendiges zu begreifen und deshalb um das Geld zu kämpfen. Ich habe mir abgewöhnt zu meckern: “Oh, wie schrecklich, wir haben zu wenig Geld!“ Es ist so.
Keller: Ich sehe das schon auch anders. Es ist auch ungerecht. Weil wir die Hälfte der Gelder haben wie andere.
Rademachers: In der freien Szene. Aber wenn man es vergleicht: die Städtischen Bühnen haben genau so viele Zuschauer wie die freie Szene insgesamt. Aber die freie Szene bekommt nur 4 % der Subventionen.

Welche Inszenierung war die herausragendste überhaupt?

??Keller: Jede Intendanz hatte ihre herausragende Inszenierung. Natürlich war „Geschlossene Gesellschaft“ ein Meilenstein. Aber es gab Uraufführungen. Es gab Heinrich Böll hier. Bei Zanger gab es Eric Emmanuel Schmitt. Bei uns Navid Kermani. Der wird noch kommen. Das wird noch ein ganz großer Dichter werden, weil er noch einen Schub kriegt. Er ist toll. Ach, es gab viele Höhepunkte.

Sie binden in die Inszenierungen ja auch Schüler der Schauspielschule des Theaters mit ein???

Keller: In dieser Spielzeit haben wir acht von neun Schülern eingebaut. Unsere Inszenierungen leben auch von der Schule. Wir überlegen uns sehr gut, wo wir sie einsetzen können. Aber wenn das geht, ist es für uns ein Geschenk. Wir profitieren davon. Geht es uns gut, geht es auch der Schule gut. Das ist ein Geben und Nehmen.

Ihre Vision für die nächsten 60 Jahre?
Keller: So lange mache ich es nicht. Wir wollen nächstes Jahr überstehen und dann sehen wir weiter. Eine Vision, ja natürlich: neue Räume! (Das Theater muss 2018 seinen Standort in der Kleingedankstraße aufgeben, d. Redaktion.)

Es wäre ja schön, wenn das Theater in der Südstadt bleiben könnte…
Keller: Das wäre genial! Schreiben Sie es einfach mal mit auf: Standort gesucht in der Südstadt!

Mache ich! Vielen Dank für das Gespräch!??

 

Text: Alida Pisu

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