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Rohfleisch im Bauch

Mittwoch, 22. August 2012 | Text: Jasmin Klein | Bild: Pressebilder

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Als vor einigen Wochen in der Darmstädter Straße ein Barf-Laden für Hunde aufmachte, fragten sich viele Südstädter, was es denn damit auf sich habe.
Jasmin Klein hat nachgefragt und dabei auch gleich drei anderen Tierfutterhändlern einen Besuch abgestattet – Barfen in der Südstadt.

Wenn Pauline Schubert morgens ihr Geschäft in der Darmstädter Straße aufsperrt, trägt sie die Verkaufsware für den Tag in einer Kühltasche mit sich: Rinderhals, Pferdefleisch, Blättermagen, Saumfleisch und andere Leckereien. Denn Frau Schubert führt zusammen mit ihrem Lebensgefährten Oliver Petszokat (besser bekannt als Oli P., Moderator, Sänger („Flugzeuge im Bauch“) und Schauspieler) „Stöckchens Delikatessen“ für Hunde und Katzen. Ist das denn notwendig? Delikatessen für Haustiere? Nein, es handelt sich gar nicht um besondere, zusätzliche Leckerchen. Es handelt sich um biologisch artgerechte Rohfütterung, abgekürzt B.A.R.F.

Wer einen Hund oder eine Katze hat, kommt früher oder später mit dieser Art der Hunde- und Katzenernährung in Kontakt. In den Neunziger Jahren veröffentlichte der australische Tierarzt Dr. Ian Billinghurst sein Buch „Give your dog a bone“ (‚Gib Deinem Hund einen Knochen’). Er unterstellt darin der Tierfutterindustrie, dass sie gerade so viele Nährstoffe in das Fertigfutter hineintun, dass das Tier zwar keine sichtbaren Mangelerscheinungen habe, aber trotzdem langsam, aber sicher davon krank würde. Seitdem füttern immer mehr Tierbesitzer nach dessen Anleitung Bones And Raw Food (B.A.R.F.), also das, was der Wolf, Vorfahr der Hunde, zu sich nahm. Denn der aß das, was die Natur ihm bot: Viel rohes Fleisch, rohe Knochen, wenig Gemüse und Obst (das aus dem Magen des erlegten Tieres) und keinerlei oder wenn, nur sehr wenig Getreide. Und was für den Wolf gut war, wird dem Hund wohl nicht schaden, so die ‚Barfer.’

Durch die Erkrankung ihrer französischen Bulldogge Pontus, die trotz teurem, hypoallergenem Tierfutter immer noch schlechte Blutwerte und Haarausfall hatte, kam Pauline Schubert auf die Idee, ihrem Hund und dem Labrador ihres Freundes Rohfleisch zu füttern. Der Hund wurde wieder gesund, und Frauchen freute sich. Da sie vom Erfolg des Barfens so sehr überzeugt ist, es in der Kölner Südstadt aber kaum Möglichkeiten gibt, frisches Futter im Barf-Sinne zu kaufen, beschloss sie kurzerhand, selbst ein Geschäft zu eröffnen. Hier berät sie nun interessierte Hunde- und Katzenbesitzer und erstellt bei Bedarf gerne individuelle Ernährungspläne. Auch von ihr liebevoll genähte Hundekissen, Kotbeuteltaschen und Halsbänder kann man bei ihr kaufen.
Jeder Hund, der in den Laden kommt, erhält bei dieser Gelegenheit einen kleinen Imbiss und eine Knuddeleinheit, denn „eigentlich haben wir den Laden eröffnet, damit wir ganz viele Hunde knuddeln können.

Wenige Straßen weiter verkauft Frau Detsch, Marktleiterin des Fressnapf XXL Köln an der Koblenzer Straße mit ihrem Team sowohl herkömmliches Hundefutter, nass und trocken, als auch Frostfleisch aus der Region. In den fünf Tiefkühltruhen nahe der Kassen findet sich all das wieder, was man zum Barfen braucht: Frostfleisch von regionalen Anbietern sowie tiefgekühlte Gemüse-, Obstmischungen und Snacks. Im Regal daneben stehen Schütten, aus denen man sich Trockengemüse, Trockenobst und Kohlenhydrate nehmen kann. Öle und alle möglichen Zusatzstoffe wie Mineralstoff- und homöopathische Kräutermischungen finden sich im Regal daneben. Im Zoohandel ist das Barfen ein großes Thema. Gerade für allergische Hunde eigne es sich gut, da es frei von Farb- und Konservierungsstoffen sei. Der Fressnapf XXL in Köln hat sich unter anderem auf dieses Thema spezialisiert. Frau Detsch berät die Kunden gerne, hat in einer mehrtägigen Schulung viel über das Barfen gelernt und weiß genau, in welcher Zusammenstellung welcher Hund gesund ernährt wird. Bio-Rohfleisch findet man allerdings nicht in den Tiefkühltruhen. Keine Nachfrage. Die Barfware wird auch nicht aus ideologischen Gründen angeboten (schließlich verkauft Fressnapf die herkömmliche Ware auch), sondern weil die Nachfrage nach Frostfleisch besteht. Bestünde die verstärkte Nachfrage nach Bio-Rohfleisch, würden sie dem sicher auch nachkommen.

Samen Bluhme gibt es in der Severinstraße seit fast 120 Jahren im Familienbetrieb. Seine Kunden haben kleine Hunde und kaufen kleine Döschen Hundefutter. Rohfutter, das sei etwas für große Hunde, wenn man in der Eifel auf einem Bauernhof lebt, mit großen Tiefkühltruhen. „Hier, mitten im Vringsveedel, hat noch niemand nach Frisch- oder Frostfleisch verlangt“ sagt Herr Bluhme. Vor Jahren bekam er einmal von einem Tierfuttervertreter eine Tiefkühltruhe mit Fleisch in den Laden gestellt. Nichts wurde verkauft. In seinem Geschäft besteht einfach keine Nachfrage nach rohem Fleisch.

Tierarzt Jens Lindenberg kann die Sorge der Hundehalter um die richtige Ernährung ihrer Tiere sehr gut verstehen. Seit vielen Jahren arbeitet der Vertriebs- und Marketingleiter für einen Hundefutterhersteller: Royal Canin. Das Unternehmen wurde vor über 42 Jahren von dem französischen Tierarzt ?Dr. Cathary gegründet und hat seinen Deutschlandsitz in der Kölner Innenstadt. ?Die Kleintierernährung sei zum Teil besser erforscht als die Humanernährung, sagt Lindenberg.

„Seit Einführung der Fertigfutter und der sich ebenfalls stetig weiter entwickelnden Tiermedizin werden die Haustiere deutlich älter als z.B. noch vor 20 Jahren. Es stehen Fertigfutter für die jeweilige Lebensphase, bestimmte Leistungen, Rassen oder bei bestimmten Erkrankungen des Hundes zur Verfügung, man muss nichts hinzufügen, sie sind u.a. frei von Farb- und Geschmacksstoffen, gentechnisch manipulierten Rohstoffen aber auch von  Schadstoffen, wie Schwermetallen, Pilzsporen und u.v.a.m.. Die Produkte werden erst dann aus der Fabrik versandt, wenn die kompletten Analysen der Fertigproduktes vorliegen. Diese außerordentlich hohe Produktsicherheit kann beim Barfen nicht ohne weiteres gewährleistet werden.“ Das Füttern von rohen Knochen und rohem Fleisch sieht Lindenberg eher kritisch, denn schnell kann durch Unkenntnis, Über- und Unterversorgung mit Einzelnährstoffen die Gesundheit vor allem wachsender, alter, bzw. kranker Tiere gefährdet werden.

Auch unter Ernährungswissenschaftlern ist das Barfen umstritten, da es zu Durchfällen, Verstopfungen, aber auch bakteriellen Infektionen kommen kann.

Frau Schubert von „Stöckchens Delikatessen“ freut sich. Ihre Frischfleischtheke ist leer. Neben dem frischen, grünen Pansen und den anderen zu kühlenden Fleischsorten verkauft sie auch Frostfleisch, aber auch Trockenfisch oder hochwertiges Dosenfutter, falls man mit dem Tier in Urlaub fährt und keine Möglichkeiten hat, frisches Futter ins Hotel mitzunehmen. Sie schnappt sich die kleine Pontus und dreht noch eine Runde im Römerpark. Ist der Hund gesund, freut sich der Mensch. Und wer heilt, hat Recht. Es gibt viele Möglichkeiten, sein Tier zu ernähren. Welche für ihn und sein Tier die richtige ist, das muss jeder für sich selbst rausfinden.

Wir fragten die Tierhandlungen in der Südstadt:
Stöckchen’s Delikatessen, Darmstädter Straße 23
Fressnapf
Köln-Süd XXL, Koblenzer Straße 1-9
Samen Bluhme, Severinstraße 126
Royal Canin, in jedem Tierfuttergeschäft

Literatur zum Thema finden Sie u.a. hier:
Katzen würden Mäuse kaufen
Schwarzbuch Tierfutter
Hans-Ulrich Grimm
Taschenbuch?

ISBN: 978-3-453-60097-3

7,95 Euro

Text: Jasmin Klein

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