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Gesellschaft Umwelt

Sachsenring: Langer Tisch kann bleiben! Unsere Meinung: Muss bleiben!

Montag, 19. November 2018 | Text: Jeannette Fentroß | Bild: Uschi Huber/Stefan Rahmann

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Als temporäre Kunstaktion geplant und aufgebaut, lief die Genehmigung für den Langen Tisch Ende Oktober 2018 aus. Der Tisch ist inzwischen aber zu einer festen Institution auf der Grünfläche am Sachsenring geworden. Als beliebter Treffpunkt hat er sich schnell etabliert: Hier finden Kindergeburtstage, Treffen zum Mittagessen unter Kollegen, kollektives Erledigen von Hausaufgaben, gemeinsame Schulpausen, Nachbarschaftreffen, Picknicks und Gespräche statt. Im vergangenen Sommer war der Lange Tisch sogar Austragungsort des größten Open-Air-Brettspiele Treffens in Köln.

Initiative StadtOasen für die Aufwertung von Grünflächen

Hinter dem Projekt stehen die beiden Künstler Boris Sieverts und Uschi Huber, die sich zusammen mit der Initiative StadtOasen für die Aufwertung von Plätzen und Grünflächen in Köln einsetzen. Grundsätze der StadtOasen sind die „öffentliche Anregung von Veränderungsprozessen und Diskussion über die Entwicklung in unserer Stadt“. An den Projekten können alle Interessierten mitwirken. Die Initiative StadtOasen hatte sich bei der Ausarbeitung ihres Handlungskonzeptes mit den vorhandenen Geschichtszeugnissen und historischen Strukturen rund um die Grünanlage zwischen Sachsenring und Stadtmauer sowie den urbanen, gestalterischen, botanischen und stadtklimatischen Besonderheiten auseinandergesetzt. Die Umgestaltung durch Aufstellung des Langen Tisches sollte den Blick schärfen und die Wertschätzung für den „ungehobenen grünen Schatz“ erhöhen.

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Die Grünflächen am Sachsenring folgen in der heutigen Form keinem Plan, sondern sind das Ergebnis mehrerer Umgestaltungen. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es hier sogar eine Wasserfläche mit Fontäne, ähnlich wie im Volksgarten. Neben der Gesamtgröße (immerhin 450 Meter Länge und 90 Meter Breite), dem alten Baumbestand und der botanischen Artenvielfalt zeichnet das Areal ebenso das ökologische und stadtklimatische Potenzial aus. Ein städtebauliches Verkehrskonzept, das nur dem Autoverkehr Raum gibt, hat die Grünanlage nach und nach zerschnitten und zum Straßenbegleitgrün degradiert. Wie wichtig städtisches Grün für eine klimagerechte Stadtentwicklung ist, wird nicht erst durch Themen wie Umweltschutz und Klimawandel deutlich. Parallel überbaut in naher Zukunft der Erweiterungsgebäude der Blauen Funken am Ende der Stadtmauer einen Teil dieser öffentlichen Grünfläche.

Neuer Radweg Richtung Barbarossaplatz

Zwar soll jenes Bauvorhaben „als Ergänzung der Stadtmauer interpretiert werden und auf den historischen Bestand behutsam eingehen“, aber ob sich das „moderne zeitgemäße Erscheinungsbild“ tatsächlich einfügt, bleibt aber durchaus diskutierbar. Als wichtigste Maßnahme an dieser Stelle sehen die StadtOasen die Wiedervereinigung der zerschnittenen Teilflächen und weitgehende Verlagerung des Autoverkehrs an die Ränder des Parks am Sachsenring. Auf der stadtauswärts gerichteten Seite des Rings sollen beide Fahrtrichtungen zusammen Platz finden, jede Richtung verliefe dann einspurig. Die freiwerdende Autospur soll verschmälert und als Fahrradweg im Sinne einer Verkehrsberuhigung genutzt werden. Zwar kein Bestandteil dieses Plans, aber als sinnvolle Maßnahmen um dem Radverkehr endlich mehr Raum auf einer vielbefahrenen Ringstraße zu geben, wurde gerade ein breiter Radweg auf der Fahrbahn in Richtung Barbarossaplatz markiert.

Tisch als kommunikative Begegnungsstätte

Als Teil des städtischen Kunstprojekts Stadtlabor 2017 sollte der im Juli 2017 errichtetete 28 Meter lange Holztisch für sechs Monate stehen bleiben, um mehr Aufenthaltsqualität in der Grünanlage zu schaffen. Der Tisch wurde als kommunikative Begegnungsstätte sofort aktiv in Gebrauch genommen. Nachbarn, Anwohner, Schüler, Touristen, Kollegen, Jung und Alt, alle nutzen die neu geschaffene Möglichkeit zum Verweilen im Grünen zwischen Kartäuserwall, Straßenbahntrasse, Ulrepforte und Waisenhausgasse. Das Konzept der StadtOasen ging sofort auf. Ein Veränderungsprozess war in Gang gekommen. Die neue Wahrnehmung durch die wiederhergestellte Nutzung des „Straßenbegleitgrüns“ als Park beeinflusste auch die Lebensqualität der angrenzenden Wohnquartiere.

Temporäre Genehmigung endete

Eigentlich absehbar und doch relativ überraschend erreichte das Künstlerduo Sieverts und Huber im vergangenen Monat die Nachricht des Grünflächenamtes: die temporäre und bereits auf insgesamt 15 Monate erweiterte Genehmigung für den Langen Tisch lief nun zum 31. Oktober 2018 aus, der Tisch sollte abgebaut werden. Wie schade, denn der Tisch war eine Institution geworden, die niemand mehr missen mochte, der bereits dortz gesessen hatte. Als die Initiatoren vom anstehenden Abbau erfuhren war schnell klar, dass nur die Mobilisierung aller Freunde und Nutzer des Tisches helfen konnte, um bei der Stadt für den Erhalt des Langen Tisches zu plädieren. Mitte Oktober startete daher eine Online Petition, die in nur drei Wochen mehr als 500 Unterstützende zählte.

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Die UnterzeichnerInnen der Petition schufen mit ihren Kommentaren gemeinschaftlich eine Empfehlung. Der Lange Tisch bietet demnach „die Möglichkeiten, sich unkompliziert im öffentlichen Raum zu treffen“, „fördert Nachbarschaftsbeziehungen“, ist ein „Ort für nichtkommerzielle Kontakte“, „verbindet Menschen und ist ein Treffpunkt im Viertel“. Für die Befürwortenden ist der Tisch „viel mehr als ein Kunstprojekt“, er „steigert die Lebensqualität“ im Viertel durch eine „attraktive Verbesserung des öffentlichen Raumes“, „ist eine Bereicherung des kleinen Grünstreifens und hat ihn als Parkfläche überhaupt erst wahrnehmbar gemacht“. Gleichzeitig mit dem Start der Petition erfolgten Anträge beim Ausschuss für Anregungen und Beschwerden an Rat sowie an die Bezirksvertretung. Gespräche mit dem Ordnungs- und Grünflächenamt wurden geführt.

Als Bedingung für den Erhalt wurde von den Amtsleitungen gefordert, dass sich „Tischpaten“ finden, die bereit sind, regelmäßig anfallende Abfälle und Verunreinigungen am und rund um den Langen Tisch zu beseitigen. Diese Paten für den Tisch waren schnell gefunden. Nach einem kurzfristigen Aufruf trafen sich am 1. November erstmals Interessierte und Nachbarn. Sollte der Tisch technische Mängel oder Beschädigungen aufweisen, erklärten sich Boris Sieverts und Uschi Huber bereit, diese zu beseitigen. Zeitgleich beantragten alle Fraktionen der Bezirksvertretung Innenstadt in der Sitzung vom 8. November 2018 den Erhalt des Langen Tisches auf die Tagesordnung zu nehmen. Der Antrag auf eine weitere Genehmigung wurde einstimmig und unverändert beschlossen.

Ein Erfolg

Der Lange Tisch am Sachsenring kann bleiben, soviel ist erreicht. Doch sollten weiterhin alle mithelfen, das Projekt zu fördern und instand zu halten. Das Engagement der Paten ist groß. Nur eine Gemeinschaft, die gemeinsam und verantwortungsvoll mit Projekten wie dem Langen Tisch umgeht, macht unser Zusammenleben in der Südstadt aus. Weitere Tischpaten und Helfer für eine anstehende größere Säuberungsaktion sind willkommen.

Text: Jeannette Fentroß

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