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Kultur

Schauspielkurse für Erwachsene ziehen um in die Theaterakademie

Montag, 27. Januar 2020 | Text: Alida Pisu | Bild: Oliver Köhler

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Seit 1990 gibt es im Comedia-Theater eine Schauspielschule für Amateure. Sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene. Durch die Neukonzeptionierung des Comedia Theaters zu einem „Zentrum der Kultur für junge Bürgerinnen und Bürger in Köln und NRW“, das von der Stadt Köln und dem Land NRW finanziell unterstützt wird, liegt der Schwerpunkt zukünftig auf der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Die Erwachsenen-Kurse laufen in der Comedia aus, was aber nicht das Aus für sie bedeutet. Ein Gespräch mit Regisseurin Birgit Pacht über Abschied und Neuanfang.

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Birgit, wie lange hast du an der Comedia inszeniert?
Ich habe 1997 in der alten Comedia in der Löwengasse angefangen mit „Mr. Pilks Irrenhaus“. Da waren die Probenräume noch quer über die Stadt verteilt. Wir haben zum Beispiel in der Severinstorburg geprobt. Meine aktuelle Inszenierung ist „Don Juan kommt aus dem Krieg“. Natürlich habe ich an anderen Häusern auch mit Profis gearbeitet, aber hier ist es meine 31. Produktion mit Amateuren.

Das ist eine lange Zeit und eine wahnsinnige Anzahl an Inszenierungen!
Ja. Alle Amateure fangen als Anfänger an, gehen durch vier Kurse, und dann kommt eine Produktion. Das ist die einzige Institution in Deutschland, die so arbeitet. Es gibt Leute, die „Wiederholungstäter“ sind und schon mal eine Ausbildung mitgemacht haben. Die können dann so in eine Aufführung einsteigen. Manche sind über 15 Jahre dabei und haben eine Erfahrung, die Schauspielschüler, die von der Schauspielschule kommen, nicht haben. Viele sind einem auch ans Herz gewachsen, weil man mitkriegt, wie Entwicklungen verlaufen. Von „oh, Gott, ich trau mich überhaupt nicht auf die Bühne“, bis „Hä, wo ist denn das Problem?“. Oder, dass Leute Theater spielen als Hobby haben, obwohl sie beruflich stark eingespannt sind. Oder die Familie ihre Anforderungen stellt. Ich hatte mal eine Frau, die hatte acht Kinder. Aber sie hat sich die Zeit fürs Theater genommen.

Was reizt dich denn besonders an der Arbeit mit Amateuren?
Zu sehen, wie manche aufblühen. Was ich manchmal gar nicht erwartet habe. Um Beispiel, wenn sich jemand mit einem Thema intensiv beschäftigt. Leute, die eigentlich ganz schüchtern waren, konnten plötzlich in einer Szene auftrumpfen und eine unglaubliche Energie verbreiten. Für mich ist auch beglückend, wenn jemand nach Jahren noch zu mir kommt und sagt: „Das hat mir im Job oder privat sehr geholfen.“

Wie geht es denn eigentlich weiter mit deiner Arbeit? Die Erwachsenen-Kurse an der Comedia laufen ja im Sommer aus.
Als es hieß: Hier geht es nicht mehr weiter mit den Kursen, im Sommer 2020 findet die allerletzte Aufführung statt, überlegte ich, ob es nicht jemanden gibt, der Räume zur Verfügung stellen kann, um dieses gut laufende Geschäftsmodell weiterführen zu können. Ich hatte in der Theaterakademie Köln am Sachsenring schon Räume gemietet und mit freien Gruppen dort gearbeitet. Deshalb wusste ich, dass in dieser Schauspielschule abends fast keine Kurse mehr laufen. Ursula Armbruster, die die Schauspielschule in der Comedia gegründet hat, ist bereits seit September 2019 in der Theaterakademie. Sie ist glücklich da und insgesamt hat es sich schon gut eingespielt, dass auf einmal dort mehr Dozenten und Schüler herumwuseln.

Für die Theaterakademie ist es ja auch ein zweites finanzielles Standbein. Eigentlich hat sich damit doch alles zum Guten gewendet. Die Dozenten können weiterarbeiten, die Kurse laufen wie bisher und es wird auch Aufführungen geben?
Ja, die Theaterakademie hat zwar keine eigene Bühne. Aber die Aufführungen finden demnächst auf der Bühne der Arturo-Schauspielschule und dem Kölner-Künstler-Theater statt. Meine große Sorge war anfangs, dass die Kurse, die in der Comedia im Programmheft flächendeckend in der ganzen Stadt beworben wurden, nicht mehr laufen, weil ich mich gefragt habe, wo die Leute herkommen sollen. Dann habe ich in einem Kurs mal gefragt, wie sie eigentlich auf den Kurs kommen. Und alle haben gesagt: „Durchs Internet.“ Also kein Einziger, weil es in irgendeinem Programmheft steht. Das war für mich eine große Entlastung!

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„Don Juan kommt aus dem Krieg“ hat am 27. Januar Premiere, deine letzte in der Comedia. Hattest du bei den 31 Inszenierungen auch welche, die für dich besonders waren?
Ich habe zum Beispiel mal ein Musical gemacht: „Der kleine Horrorladen“. Das war richtig toll und ein Musical mit Schmackes! Dafür haben wir ein ganzes Jahr geprobt, sonst sind es sechs Monate.

Ich kann mich noch an das Stück „Die Nase“ erinnern, wo alle Darsteller die ausgefallensten Nasen-Requisiten trugen.
Wir werden bei der Premiere von „Don Juan“ im Foyer auch Fotos aus meinen Produktionen der letzten 20 Jahre zeigen.
Dann freue ich mich schon auf ein Wiedersehen mit den Nasen. Danke für das Gespräch!

„Don Juan kommt aus dem Krieg“ von Ödön von Horvàth, Comedia, Vondelstraße 4-8, Montag, 27. Januar, 19.30 Uhr. Eintritt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro. Vorverkauf unter der Telefonnummer 0221/888 77 222. Weitere Vorstellung: Dienstag, 28. Januar, 19.30 Uhr.

Text: Alida Pisu

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Kommentare

  • Uli sagt:

    Vielen Dank für dieses ausführliche Interview. Ich denke, dass für viele Erwachsene diese Workshops auch Stärken für den Alltag geben können und es wäre sehr schade gewesen, wenn es dieses Angebot nicht mehr gäbe.

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